Praxisbeispiel Kompetenzwerkstatt: »Jetzt Du« in Köln

Kompetenzwerkstatt – »Jetzt Du!« in Köln

»Es war unser erklärtes Ziel, Kinder und Jugendliche in einem Kooperationsprozess so an der Planung von Angeboten der Jugendhilfe in ihrem Sozialraum teilhaben zu lassen, dass jedes Mädchen und jeder Junge am Ende sowohl ein Gruppenergebnis als auch ein persönliches Ergebnis in der Hand halten kann«, erklärt Professor Herbert Schubert von der Kölner Universität. Daher entwickelte er das Modell der »Kompetenzwerkstatt«. Gemeinsam mit der Stadt Köln wurde das Projekt gestartet. »Jetzt Du!« lautete das Motto der Kompetenzwerkstatt mit Kindern und Jugendlichen im Sozialraum Gernsheimer Straße. Die 10- bis 14-jährigen Kinder und Jugendlichen erarbeiteten dort gemeinsam, was sie tun können, um ihre Fähigkeiten in der Freizeit weiterzuentwickeln. Geplant und durchgeführt wurde die Werkstatt im Rahmen eines Kooperationsprojekts der Fachhochschule Köln mit dem Amt für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Köln, dem Bezirksjugendamt Kalk und der Kölner Spielewerkstatt e.V.
 

Die Veranstaltung fand an einem Freitagnachmittag auf einem Platz und in den Einrichtungen des Sozialraums der Zielgruppe statt. Die Kinder und Jugendlichen der Zielgruppe hatten im Vorfeld der Veranstaltung einen Gutschein zugeschickt bekommen, den sie gegen eine Tüte Popcorn einlösen konnten. Auf diese Weise sollte die Mitmachbereitschaft gefördert werden. In zehn thematischen Kompetenzgruppen konnten die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen ihre eigenen Fähigkeiten auf die Probe stellen, zum Beispiel beim Fußball, Basketball, Football, Musik/DJing, Breakdance, Garten-/Land­schafts­bau, Bildende Kunst/Malen, Technik/Mechanik sowie Neue Medien/Computer. »Die Kinder und Jugendlichen reagierten positiv auf unsere Kernfrage »Was kannst du?« und auf das Werkstattprinzip, an ihren Fähigkeiten und Interessen anzusetzen«, erinnert sich Professor Schubert. Damit aus Interesse eine Kompetenz entstehen kann, überlegten die Teilnehmer/innen, was sie aus ihren Fähigkeiten und Neigungen machen können, und ob und wie sich daraus Perspektiven entwickeln lassen. Nach der Durchführung der zweistündigen Kompetenzgruppen versammelten sich alle Teilnehmer/innen wieder im Veranstaltungszelt und präsentierten auf der Bühne, was dort erarbeitet wurde. Insgesamt wurden mit 55 % der im Sozialraum lebenden 10- bis 14-jährigen individuelle Pläne für die Entwicklung ihrer Kompetenz erarbeitet. »Dass Akteure an der Werkstatt teilnahmen, die als ›Ressourcen‹ unmittelbar Angebote machen konnten, wie sich die Beteiligungsergebnisse im Wohnquartier und im Stadtteil realisieren lassen, kam sehr gut an.«

Gemeinsam wurde ausgehandelt, wie die Ergebnisse der Kompetenzwerkstatt aufgegriffen und mit den Kindern und Jugendlichen realisiert werden. Dabei »nahmen die Kinder und Jugendlichen gern das Angebot an, mit den Ressourcen Vereinbarungen darüber zu schließen, wer was tun wird, damit die Werkstattergebnisse auch Wirklichkeit werden können.« Die Balance zwischen dem kollektiven Beteiligungshorizont, alle Kinder und Jugendlichen eines Sozialraums aktivieren zu wollen, und dem Anspruch, individuelle Partizipationsergebnisse zu erzielen, sei zwar riskant gewesen, so Professor Schubert, »umso überraschter war das Werkstatt-Team, wie gut es funktionierte.«

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Die Methodenbeschreibung basiert auf folgender Publikation:

Sandra Nüß, Herbert Schubert, Holger Spieckermann: Kompetenzwerkstatt. Förderung von Kindern und Jugendlichen. Bonn 2004, Verlag Stiftung Mitarbeit, Brennpunkt-Dokumentationen Nr. 41, 80 S., ISBN 3-928053-86-8