Ende eines Bündnisses

Bei aktionsorientierten Bündnissen ist das Ende der gemeinsamen Arbeit oft klar definiert: Ist die Demonstration oder die Menschenkette vorbei, dann ist auch mit dem Bündnis Schluss. Im Gegensatz dazu kann ein Kampagnenbündnis im Einzelfall auch noch über das eigentliche Ende der Kampagne hinaus weiter bestehen. Dies kommt zum Beispiel dann vor, wenn das anvisierte Kampagnenziel schlicht noch nicht erreicht ist.

Oft wird nach dem Ende einer Kampagne auch der Versuch unternommen, ein Kampagnenbündnis in eine feste Struktur zu überführen. Dies stellt allerdings in vielerlei Hinsicht eine große Herausforderung für alle Bündnispartner/innen dar. Kampagnenbündnisse auf Dauer zu stellen, erfordert – unabhängig von inhlaltlichen Fragen – verlässliche Ressourcen, die von den beteiligten Partner/innen möglicherweise über Jahre aufgebracht werden müssen; dies können sich jedoch nur die wenigsten NGOs leisten.

Auf der organisatorischen Ebene drohen eine Reihe von negativen Auswirkungen, wenn es nicht gelingt, ein klares gemeinsames nächstes Kampagnenziel zu definieren. Zunächst besteht die Gefahr, dass Bündnispartner/innen austreten und damit das Bündnis schwächen. Wenn es sich dabei um Schlüsselakteure handelt, hat dies intern sowie in der öffentlichen Wahrnehmung negative Folgen, das Bündnis wird dann unter Umständen nicht mehr als starker Akteur mit viel Einfluss wahrgenommen.

Eine weitere Gefahr besteht darin, dass die Bereitschaft von Unterstützerinnen und Unterstützern sinkt, sich zukünftig aktiv an der Arbeit des Bündnisses zu beteiligen. Hier spielen auch Erkenntnisse der wissenschaftlichen Engagementforschung eine Rolle:

Symbol: »Tipp« (eine stilisierte Glühbirne)

Viele Aktive und Engagierte binden sich zunehmend kürzer an Engagementstrukturen und sind nicht immer bereit, sich längerfristig im Rahmen einer bestimmten Organisation zu engagieren. Zurück bleibt dann oft nur ein kleiner Kern von Menschen, der versucht das Thema am Leben zu halten.

Natürlich kann es auch unter diesen Umständen Sinn machen, als Bündnis weiter aktiv zu bleiben. Voraussetzung dafür ist aber, die Ausrichtung des Bündnisses den neuen Gegebenheiten anzupassen. In der Praxis lässt sich jedoch immer wieder das Gegenteil beobachten: Bündnisse scheitern an der notwendigen Umstrukturierung, sie dümpeln vor sich hin und sterben irgendwann einen leisen Tod.

Symbol: »Tipp« (eine stilisierte Glühbirne)

Deswegen ist es nicht schlimm, ein Bündnis vorzeitig für beendet zu erklären. Wichtig ist es, einen positiven Schlusspunkt zu setzen und die erzielten (Teil-)Erfolge gebührend zu feiern. Das Bündnis wird dann bei allen Beteiligten in guter Erinnerung bleiben und kann so als Vorbild für andere dienen.