Strategie und Theory of Change

Eine Strategie ist ein »Ziel-Mittel-Umwelt-Kalkül« – oder einfacher ausgedrückt: Strategie
ist die Planung des Weges, wie wir ausgehend vom Status quo unser Ziel erreichen.
Strategien sind keine Maßnahmen.

Symbol: »Tipp« (eine stilisierte Glühbirne)

Strategien entwickeln heißt, über grundsätzliche Hebel nachzudenken, mit denen das Ziel einer Kampagne erreicht werden kann. Eine Strategie hat dabei immer das ganze »Spielfeld« und den ganzen »Spielverlauf« vom Anfang bis zum Ende im Blick, sie denkt gleichzeitig voraus und um die Ecke. Ein hilfreiches Instrument zur strategischen Planung ist die Entwicklung einer sog. »Theory of Change« (ToC).

Mit dem unterschiedlich verwendeten Begriff ist in der Regel ein Voraussehen von konkreten Ereignissen und deren zeitliches und logisches Ineinandergreifen gemeint. Die Grundidee der ToC besteht darin, im Rahmen eines systematischen Planungsprozesses die Voraussetzungen zu schaffen, um die beabsichtigten Wirkungen der geplanten Kampagne zu erreichen.

Die ToC muss sowohl für das Kampagnenteam als auch für mögliche Unterstützer/innen einer Kampagne plausibel sein – es muss nachvollziehbar und realistisch sein, dass Veränderung tatsächlich möglich ist, und auch, wie sie passieren kann. Eine ToC ist idealerweise eine Erzählung darüber, wie eine Kampagne erfolgreich wirkt.

Praktisch kann dies umgesetzt werden, indem konkrete Handlungsschritte auf Karten geschrieben und in eine logische Abfolge gebracht werden. Dabei geht es sowohl um eigene Handlungen (und die von Bündnispartner/innen), als auch um Handlungen des Gegners bzw. Adressaten der Kampagne.

Symbol: »Beispiel« (Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger)

Ein Beispiel: die bei der Zielformulierung schon erwähnte NGO mit ihrer Supermarktkampagne für Faire Bananen hat sich entschlossen, eine Druckkampagne zu starten. Ihre Theory of Change lautet:

Wir konfrontieren die Supermarktkette Y zunächst nicht-öffentlich mit Informationen zu ihren Handelspraktiken.
Die Supermarktkette wird freundlich antworten, dass an den Informationen nichts dran ist.
Wir machen gut recherchierte Skandale über Anbaubedingungen von bei der Supermarktkette Y verkauften Bananen öffentlich.
Wir konfrontieren die Supermarktkette mit unseren Vorwürfen.
Die Supermarktkette wird versuchen, die erhobenen Vorwürfe von sich zu weisen.
Parallel beginnen wir online und offline Petitionen für unser Anliegen zu sammeln.
  Wir rücken der Supermarktkette mit direkten Aktionen an ausgewählten Supermärkten zu Leibe und konfrontieren die Supermarktkette öffentlichkeitswirksam damit.
  Die Supermarktkette lässt sich auf Verhandlungen ein. 
Lenkt sie nicht ein, haben wir weitere Mittel zur Eskalation in der Hinterhand (weiter ausarbeiten!).
Am Ende folgt die Supermarktkette unseren Forderungen.

Das Beispiel aus der Praxis zeigt, dass sich in dieser Phase oft strategische Überlegungen mit konkreten Ideen für Maßnahmen verbinden. Das ist okay – nur ist es wichtig, sich dabei noch nicht zu sehr auf eine einzige Aktionsidee festzulegen. Und das passiert leider oft: es gibt eine Aktionsidee, von der viele begeistert sind und plötzlich dreht sich alles nur noch um die Planung dieser Aktion. Dabei geht dann mitunter der strategische Blick verloren.

Symbol: »Tipp« (eine stilisierte Glühbirne)

Stattdessen ist zu überlegen: welchen Beitrag leistet die Maßnahme im gesamten Aktions- bzw. Kampagnenplan und wie ist sie mit anderen Maßnahmen verbunden? Vielleicht führt eine andere Maßnahme mit weniger Aufwand ebenfalls zum Ziel? Hier ist es wichtig zu beachten, dass jeder Schritt in der Theory of Change einem Meilenstein entspricht, der belastbar mit Ressourcen hinterlegt sein muss.