Gewaltdefinition Galtungs

Der Friedensforscher Johann Galtung weist darauf hin, dass drei unterschiedliche Formen von Gewalt (direkte oder persönliche Gewalt, kulturelle und strukturelle Gewalt) von einander abhängig und gemeinsam auftreten. In diesem »Dreieck der Gewalt« kann in jeder »Ecke« Gewalt ausbrechen und wird dann leicht auf die anderen Formen übertragen.

Kulturelle Gewalt

Unter »kultureller Gewalt« wir jede Eigenschaft einer Kultur bezeichnet, mit de-ren Hilfe direkte oder strukturelle Gewalt legitimiert werden kann. Diese Form der Gewalt tötet nicht oder macht niemand zum Krüppel, aber sie trägt zur Rechtfertigung bei. Ein typisches Beispiel ist die rechtsextreme Ideologie der Un-gleichheit, deren extremste Form die Theorie vom Herrenvolk darstellt.

Personale Gewalt und Strukturelle Gewalt

Den Typ von Gewalt, bei dem es einen Akteur gibt, bezeichnen wir als personale oder direkte Gewalt. Die Gewalt ohne einen Akteur wird als strukturelle oder in-direkte Gewalt bezeichnet. In beiden Fällen können Individuen im doppelten Sinn der Wörter getötet oder verstümmelt, geschlagen oder verletzt und durch den strategischen Einsatz von Zuckerbrot und Peitsche manipuliert werden. Aber während diese Konsequenzen im ersten Fall auf konkrete Personen als Akteure zurückzuführen sind, ist das im zweiten Fall unmöglich geworden. Hier tritt nie-mand in Erscheinung, der einem anderen direkt Schaden zufügen könnte. Die Gewalt ist in das System eingebaut und äußert sich in ungleichen Machtverhält-nissen und folglich in ungleichen Lebenschancen.

Symbol: »Literaturtipp« (ein stilisiertes geöffnetes Buch)

Vgl. Galtung, J.: Frieden mit friedlichen Mitteln, Leske + Buderich: Opladen, 1998, hier jedoch zitiert und dargestellt nach Jäger, U., Rechtsex-tremismus und Gewalt, Tübingen: Verein für Friedenspädagogik, 1993