Die fünf Prinzipien

Fünf Prinzipien für gelingende Kooperation

Symbol: »Tipp« (eine stilisierte Glühbirne)

Diese fünf Prinzipien helfen bei der systematischen Vorbereitung von Kooperation und bieten Leitlinien für das Gelingen von Kooperation:

  • Bestandsaufnahme des lokalen Netzwerkes.
  • Umgang mit informellen Kontakten.
  • regelmäßige und transparente Kommunikation.
  • klare Strukturen und Aufgabenverteilung.
  • zu Begin gemeinsam ausgehandelte, geteilte Ziele.

Es lassen sich fünf Prinzipien gelingender Kooperationen formulieren. Diese Prinzipien sind nicht als zwingend zu befolgende Blaupause für Kooperation gedacht, da eine allgemeingültige Anleitung aufgrund der sehr unterschiedlichen Ausgangs- und Rahmenbedingungen in benachteiligten Quartieren kaum denkbar ist. Stattdessen sind die Prinzipien als Leitlinien formuliert, die verschiedene Perspektiven auf das Gelingen von Kooperation anbieten. Allerdings sind verschiedene Aspekte der Quartiersarbeit im Allgemeinen zu beachten, die allen Prinzipien unterliegen:

  • Die Umsetzung der Prinzipien wird durch eine Prozessorganisation erleichtert, d. h. durch Arbeitszeit und Ressourcen speziell zur Betreuung von Netzwerken und Kooperation (s. o.).
  • Die Arbeit in benachteiligten Quartieren bedarf einer Legitimation durch lokale Akteur/innen (Bewohner/innen, freie Träger etc.). Auch bei einer Kooperation auf Quartiersebene sollte bedacht werden, welche Folgen ihre Legitimation für Handlungsmöglichkeiten und Akzeptanz im Quartier hat.
  • Damit verbunden ist die Frage, ob die Kooperation bestehende Machtstrukturen und Machtungleichheiten im Quartier bestärkt oder ihnen entgegenwirkt. Gleichermaßen ist zu fragen, ob eine Kooperation durch Einsatz von Machtstrukturen ihre Chancen zu gelingen verbessern kann.

Diese drei Aspekte können bei allen Prinzipien eine Rolle spielen und sollten bei deren Lektüre ebenfalls reflektiert werden – die Frage nach Machtstrukturen kann z. B. ganz konkret bei der
Aushandlung der gemeinsamen Ziele einer Kooperationeine Rolle spielen (siehe Prinzip 5).

Die fünf Prinzipien verweisen auf eine Reihe unterschiedlicher Punkte, die bei gelingender Kooperation zu beachten sind. In der Zusammenschau mit weiterer Forschung zu Kooperation fallen allerdings auf, dass besonders eine gute Vorbereitung in der Anfangsphase (Bestandsaufnahme und Aushandlung geteilter Ziele) und systematische Netzwerkarbeit (Bestandsaufnahme, informelle Kontakte und Kommunikation) die Chancen für ein Gelingen der Kooperation wesentlich erhöhen.

In diesem Sinne sollen die hier festgehaltenen Prinzipien besonders dazu anregen, Kooperation frühzeitig und systematisch vorzubereiten, und als Voraussetzung betrachtet werden, um dichte lokale Netzwerke zu schaffen.

1. Bestandsaufnahme

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Vor Beginn einer Kooperation steht eine Bestandsaufnahme des lokalen Netzwerkes. Dabei werden auch die eigene Position und das eigene Profil im Netzwerk analysiert.

Wissen über Netzwerke und andere Akteur/innen im Quartier tragen wesentlich dazu bei, unter günstigen Bedingungen in eine Kooperation zu starten. Daher ist eine systematische Bestandsaufnahme der lokalen Akteur/innen, ihrer Profile und ihrer Vernetzung zu Beginn von hoher Bedeutung. Es ist belegt, dass der Einsatz visueller Methoden wie Netzwerkkarten dabei hilfreich ist und dass eine regelmäßige Wiederholung der Bestandsaufnahme bei längerfristigen Kooperationen sinnvoll sein kann.

2. Informelle Kontakte

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Der Umgang mit informellen Kontakten im Quartier wird reflektiert, um sich ihrer Auswirkungen auf Kooperationen bewusst zu sein.

Lokale Netzwerke stellen einen wichtigen Nährboden für Kooperation dar, weshalb die Pflege von Beziehungen im Quartier eine hohe Bedeutung erlangt. Informelle Kontakte haben eine besondere Bedeutung, da auf Quartiersebene Einzelpersonen und die Beziehungen zwischen ihnen über die formelle Arbeitsebene hinaus eine große Rolle spielen. Informelle Kontakte und persönliche Beziehungen werden aber selten systematisch reflektiert. Die Beschäftigung mit persönlichen Beziehungen untereinander ist sinnvoll, um negativen Einfluss auf die Kooperation (z. B. durch ungleiche Informationsflüsse) zu vermeiden, und kann Teil einer Bestandsaufnahme (Prinzip 1) oder einer Aushandlung von Zielen sein (Prinzip 5).

3. Kommunikation

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Die Kooperationspartner/innen tauschen sich regelmäßig aus. Die Kommunikation untereinander ist von Transparenz bestimmt.

Quartiere, in denen Kooperation gelingt, zeichnen sich durch einen ständigen Austausch zwischen den Kooperationspartner/innen aus. Über aktuelle Themen, Interessen und Möglichkeiten anderer Akteur/innen informiert zu sein und zu reden,erleichtert Bestandsaufnahmen (Prinzip 1), die Reflektion der Beziehungen untereinander (Prinzip 2) und die Entwicklung geteilter Ziele (Prinzip 5). Dabei möglichst transparent mit Informationen umzugehen, verhindert Machtungleichheiten und Konflikte. Insgesamt hat sich gezeigt, dass regelmäßig stattfindende Sitzungen mit strukturiertem Charakter die Entwicklung gemeinsamer Themen im Quartier fördern, vor allem wenn das lokale Netzwerk noch schwach ausgeprägt ist und wenig Kooperation stattfindet. In schon stärker etablierten Netzwerken können auch eher informelle, anlassbezogene Treffen funktional sein.

4. Klare Strukturen

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Kooperation braucht eine klare Verteilung von Aufgaben, bis hin zur klaren Festlegung von Koordinations- und Führungsrollen.

Vor allem sehr intensive und stark formalisierte Projekte, die auf lange Dauer ausgelegt sind, gelingen eher, wenn es klare Strukturen in den Kooperationsbeziehungen gibt, also gemeinsam festgelegt wurde, wer welche Beiträge leistet und wer nach welchen Regeln Entscheidungen trifft. Dadurch werden Missverständnisse vermieden und Entscheidungen lassen sich schneller treffen (s. o.). Eine transparente Kommunikation (Prinzip 3) über die Interessen, Ressourcen und Handlungsmöglichkeiten der Partner/innen erleichtert die Bildung von Strukturen, die für alle Beteiligten tragbar sind. Mit klaren Strukturen ist jedoch nicht gemeint, dass Kooperation autoritär geführt werden soll. Ein nach klaren Regeln funktionierendes Entscheidungszentrum kann wichtig sein, sollte aber durch Rückkopplungsmechanismen den Kontakt zur Basis behalten. Je nach Ziel der Kooperation kann eine Koordinationsstelle zur Festlegung von Terminen und zur Moderation von Veranstaltungen ebenso funktional sein. Generell sollten potenziell bestehende und durch die Aufgabenverteilung neu entstehende Machtungleichheiten zwischen den Partner/innen reflektiert werden. Das schriftliche Festhalten dieses Prozesses in Form einer Kooperationsvereinbarung hilft dabei, spätere Konflikte zu klären oder neue Partner/innen in die Kooperation aufzunehmen.

5. Geteilte Ziele

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Gelingende Kooperation beruht auf geteilten Zielen. Diese müssen zu Beginn gemeinsam ausgehandelt werden.

Beispiele gelingender Kooperation in der Praxis beruhen darauf, dass die Kooperationspartner/innen klare Ziele für die gemeinsame Tätigkeit teilen oder abgeklärt haben, in welcher Weise die Kooperation den jeweils individuellen Zielen nützt. Diese Ziele sollten von allen beteiligten Partner/innen zu Beginn der Kooperation ausgehandelt werden, um Akzeptanz und Verbindlichkeit sicherzustellen. Dieser Aushandlungsprozess wird durch transparente Kommunikation (Prinzip 3) über die Interessen, Ressourcen und Handlungsmöglichkeiten aller Partner/innen gefördert, kann ebenso der Reflexion informeller Beziehungen (Prinzip 2) und der Bildung klarer Strukturen (Prinzip 4) dienen. Eine gründliche Reflexion der Positionen aller Partner/innen zu Anfang verhindert, dass es später zu Konflikten wegen nicht kommunizierter Erwartungen an die Kooperation kommt. Es ist außerdem gut belegt, dass die Setzung realistischer und schnell erreichbarer Zwischenziele einen starken Motivationseffekt auf die Teilnehmer/innen einer Kooperation hat – das gemeinsame Feiern solcher ersten Erfolge kann wesentlich zur langfristigen Motivation beitragen.