Zu Phase 7

Tipps zu Phase 7: Bewohnerversammlung und Bildung von Aktionsgruppen

Im Folgenden werden die Tipps rund um die Organisation einer Bewohnerversammlung benannt.

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Tipps zur Gestaltung einer aktivierenden Moderation

  • Wichtig ist, dass die Menschen sich am Veranstaltungsort der Bewohnerversammlung wohl fühlen. Es gilt, den »Fluchtinstinkt« der Menschen zu beachten (den vermutlich eine jede/ein jeder von sich kennt: in einer Veranstaltung, von der man nicht so recht weiß, was auf einen zukommt, setzt man sich vermutlich vorsichtshalber nach hinten). Dementsprechend kann eine Bewohnerversammlung durchaus auch draußen stattfinden. Da kann man mal eben vorbeischauen mit der großen Tasche in der Hand oder dem Hund an der Leine, denn »eigentlich wollte man ja nur mal zum Einkaufen gehen«. Die Leute wissen, sie können wieder gehen ohne »ihr Gesicht zu verlieren«.
  • Die passende Form für eine Bewohnerversammlung muss immer wieder neu auf die konkreten lokalen Verhältnisse bezogen werden, muss immer wieder vor Ort neu »erfunden« werden: Mal ist es ein Treffen im Innenhof, mal ein Treppenhausgespräch, mal ein Treffen im Pfarrsaal, ein Spielplatzfest mit Gesprächsanteilen, mal eine Versammlung im Wohnzimmer einer angesehenen libanesischen Familie.
  • Wer Teilhabe fördern will, sollte bei der Aktivierungsform anfangen. Das heißt: Nicht nur schriftlich einladen. Natürlich ist die Aktivierende Befragung schon eine besondere Form der Aktivierung, aber es gibt auch andere: z.B. Dias an einer Hauswand, ein Bergmannschor, der ein altes marodes Zechenobjekt »verabschiedet« oder als einfaches Mittel mit umwerfender Wirkung: Eines dieser kleinen weißen Plastikzelte aufzubauen. Wer schon mal so ein Zelt aufgebaut hat, der weiß wie das ist: Man schimpft laut, andere helfen, es bricht ständig zusammen und klappert laut. Das sind sozusagen die »Stadtteil-Glocken«, die zur Versammlung einladen. Die harte Arbeit, die es bedeutet, solche Zelte aufzubauen, fördert die Kommunikation schon im Vorfeld. Man kriegt ständig Tipps von den Bürger/innen, der Stadtteil ist durch den Lärm informiert, man ist von Kindern umlagert und man bekommt durch den damit verbundenen Mitleidseffekt tausend Sympathiepunkte bei den Bewohner/innen – was zudem die Schwellenangst senken kann.
  • Eingeladen werden alle Bewohner/innen über Pressemitteilungen und Plakate. Diejenigen, mit denen zum Ende des Interviews vereinbart wurde, dass sie Interesse an den Ergebnissen haben, werden persönlich schriftlich eingeladen. Ihre Adressen haben wir – getrennt vom Fragebogen – am Ende des Gesprächs auf einem gesonderten Blatt festgehalten. Da es von zentraler Bedeutung ist, dass die betroffenen Menschen in einem Raum zusammenkommen, um sich auszutauschen und organisieren zu können, ist es durchaus sinnvoll einzelne Personen, mit denen man Interviews geführt hat, persönlich anzurufen, um sie an das Treffen und ihr damals geäußertes Interesse zu erinnern! Antworten wie »ich weiß noch nicht, ob ich komme« sind oft Quasi-Absagen.
  • Einladende sind die, die die Verantwortung für die Aktivierende Befragung übernommen haben. Wenn es in Zusammenarbeit mit bestehenden, vertrauten Organisationen passiert, ist es gut dies deutlich zu machen. Auf Bezüge zu Parteien ist besser zu verzichten!
  • Wichtige Sportereignisse oder Fernsehserien bei der Terminplanung sollten mitbedacht werden, um diesen Hinderungsgrund zu umgehen.
  • Um Pressemitteilungen zu vermeiden, die die negativen Punkte des Stadtteils in den Vordergrund stellen und damit den Stadtteil »schwarz malen«, ist es hilfreich, bei Einladung der Pressevertreter/innen oder vor Versammlungsbeginn mit den Reporter/innen zu reden und diese zu bitten, durchaus die negativen Punkte und Themen zu benennen, aber im Tenor positiv zu berichten nach dem Motto: Ein Stadtteil ist im Aufbruch; die Bewohner/innen bringen das Quartier auf Trab.
  • Eine Berichterstattung über die Versammlung kann auch darüber erreicht werden, dass benannte Vertreter/innen (vor allem der Bewohner/innen!) nachträglich – aus ihrer Sicht – über die Ergebnisse der Versammlung in einem Pressegespräch berichten. Es ist für die Atmosphäre einer Versammlung nicht unbedingt positiv, wenn gleich die Presse dabei ist.
  • Politiker/innen neigen dazu auf Versammlungen schnelle Lösungen zu versprechen, die oft zwar kurzfristig einen Mangel beheben, aber nicht besonders nachhaltig wirken und zudem die Aktivierung und Organisation der Bewohner/innen verhindern, nach dem Motto: »Ich regele das für Sie«. Um das zu vermeiden, ist es sinnvoll Politiker/innen im Vorfeld über das Ziel der Aktivierenden Befragung zu informieren, ihr eventuelles Engagement zu begrüßen, sie aber darauf hinzuweisen, dass es darum geht – wann immer es geht – die Themen gemeinsam mit den Bürger/innen anzupacken. Dazu ist es aber oft wichtig, dass die Bewohner/innen sich erst einmal alleine darüber verständigen, was sie verändern wollen. Dafür ist die Anwesenheit von Politiker/innen bei der ersten Versammlung oft nicht hilfreich. Politiker/innen können darauf hingewiesen werden, dass sie ihr Interesse und Engagement auch oder sogar besser durch ein schriftliches Grußwort bekräftigen, indem sie deutlich machen, dass sie die Bürger/innen gerne unterstützen wollen aber erst mal respektieren, dass sie sich »unter sich« austauschen und beraten.
  • Hilfreich und kommunikationsbefördernd wirken auch Plakate mit den Themen, wie sie in der Auswertung gebündelt wurden. So finden sich die Leute wieder mit ihren Themen. Das kann ermutigend wirken, weil man Bezug nehmen kann oder auch, weil man sieht, dass das gleiche Thema von vielen benannt wurde. Man kann dann auch lange (und oft langatmige) Auswertungsvorträge über die Ergebnisse der Befragung verkürzen und schnell zur Sache kommen, nämlich ins Gespräch mit den Leuten. Perfektionismus in der Darstellung kann im Übrigen demotivierend wirken: mit Powerpoint-Demonstrationen können die Leute auch »plattgebeamt« werden. Die Botschaft einer technisch zu perfekten Vorstellung ist: Da sind Profis am Werk, die machen das so gut, die sollen das auch weiter machen!
  • Ebenso gilt es zu verhindern, dass zu viele professionell Tätige aus dem Stadtteil anwesend sind. Dann entsteht schnell der Eindruck: »Das sind doch so viele, die können das am besten für uns regeln.«
  • Wenn Befrager/innen anwesend sind, sollten sie nicht zusammen sitzen, sondern im Raum verteilt. So können sie vielleicht Nebengespräche aufgreifen, Leute dazu animieren, ihre Meinung einzubringen oder gegebenenfalls der Moderation Hinweise geben (aber Achtung, bitte keine Co-Leitung!)