Zur Geschichte der Familienbildung

Seite 4: Zweite Mütterschulbewebung

Die zweite Mütterschulbewebung (1945 bis in die 60er Jahre der BRD)

Nach dem zweiten Weltkrieg erneuern sich die Mütterschulen. Sie stellen sich auf die Nöte und Sorgen von Familien in der Nachkriegszeit ein und bieten konkrete Hilfe im Alltag an. In Weiterentwicklung zur ersten Mütterschulbewegung, bei dem der Schwerpunkt der Kurse auf Pflege und Erziehung von Säuglingen und Kleinkindern lag, liegt der Fokus der zweiten Mütterschulbewe- gung auf alltagspraktischen Kursen für Kochen und Nähen aber auch auf Gesprächskreisen für kriegsbedingt alleinerziehende Mütter (Rollik 2003).

Mit der Verbesserung der Lebensverhältnisse in den 50er Jahren wandelt sich die Sozialarbeit und -pädagogik konzeptionell immer stärker in Richtung Selbsthilfe, von der Armenfürsorge zur Sozialarbeit, von der Notstands- und Hilfepädagogik zur Sozialpädagogik. Das wirkt sich auch auf die konzeptionelle und methodische Gestaltung der Mütterschulen aus. »Hilfe zur Selbsthilfe« ist die neue Aufgabe (Schymroch 1989: 59)

Eine zentrale Rolle in den Mütterschulen spielen Haushaltsführung und Heimgestaltung. »Die praktischen Kurse gingen dem allerdings in den meisten Fällen voraus, da sich aus langjähriger  Erfahrungen erwiesen habe, dass gerade die praktischen Dinge der Haushalts- führung mit entscheidend sein könnten für das gute Klima in der Familie…« (WERMTER1954). In dieser Zeit ist die zentrale Aufgabe der Mütterschulen, der Existenzbedrohung und dem Zerfall der traditionellen Familienstruktur entgegenzuwirken, d.h. eine Stärkung der Familien und Sicherung ihrer Leistungsfähigkeit zu befördern.

In den 50er Jahren wird die Frau als »Herzstück der Familie« gesehen und stellt damit den Ausgangspunkt der Mütterschularbeit dar. Das Ziel der Mütterschulen ist die »Bildung zur mütterlichen Persönlichkeit« (Schymroch 1989:60). Die Frauenbildung steht bis Mitte der 60er Jahre im Vordergrund. Die gesellschaftlichen Entwicklungen in den 60er Jahren führen zu einem deutlich veränderten Rollenbild der Frau. Die Frau wird nicht mehr allein für die Erziehung der Kinder verantwortlich gemacht.

Anfang der 70er Jahre benennt man dann die »Mütterschulen« konsequenterweise in Familienbildungsstätten um. Der Blick richtet sich nunmehr auf die ganze Familie. Es werden Erziehungskurse für Mütter und Väter sowie Partnerschaftskurse eingeführt. Die Familienbildungsstätten der 70er Jahre thematisieren besonders die Erzieherrolle der Eltern und es gibt verstärkt pädagogische Kurse.

In den 80er Jahren nehmen praktische Kurse wieder zu. Die offene Arbeit steht im Vordergrund - im Gegensatz zu einem festen Programm. Beratung wird stärker als je zuvor als Aufgabe gesehen. »Die Entwicklung der Mütterschule/Familienbildungsstätte macht sich an verschiedenen Punkten fest: Aspekte von Ganzheit, Flexibilität und Prozesshaftigkeit; von der Frau zur Familie; von der Mütterbildung zur Familienbildung; von der Familie zu verschiedenen Lebensformen; vom festen Programm zur offenen Arbeit.« (Schymroch 1989)

Symbol: »Externer Link« (Pfeil, der aus einem Quadrat herauszeigt)

Weitere Informationen zur Geschichte der Familienbildung:
www.familienbildung.info/grundlagen_geschichte.htm