Erstzugangsgestaltungen in der Wissenschaft

Seite 2: Aspekte, Migrantenspezifische Öffentlichkeitsarbeit, Zusammenfassung

Aspekte eines gelingenderen Zugangs

Auf Grundlage dieser durch den Pretest erhobenen Faktoren wurde die Zugangsgestaltung für die Haupterhebungsphase entsprechend angepasst. Der Zugang zu den Familien erfolgt über die zufällige Stichprobenziehung aus dem Einwohnermelderegister. Dabei wird nun neben der Staatsbürgerschaft der Kinder auch die der Eltern abgefragt, um mögliche Migrationen aufzuzeigen. (SCHENK 2006: 30)

Des Weiteren wurde als Empfehlung ausgesprochen, eine Namenzuweisungssystematik nach Humpert und Schneiderheinze ergänzend hinzuzufügen, welche es computergestützt erlaubt, die Vor- und Zunamen einer bestimmten Sprachgruppe zu zuordnen. Somit kann der Kreis der Probanden mit Migrationshintergrund erweitert werden. (SCHENK 2006: 33- 34)

Die konkrete Gestaltung des Erstzuganges erfolgt allerdings erst nach der Stichprobenziehung über das Einladungsschreiben. Die Gestaltung  und Anpassung dieses Einladungsschreibens ist daher ein zentraler Bestandteil. In der Vorphase zeigte sich bereits, dass die Teilnahme sich erhöhte, wenn auch übersetzte Einladungs- schreiben mit hinzugefügt wurden. Dementsprechend kann nun eine gezieltere Ansprache durch das Einladungsschreiben erfolgen, indem neben dem Anschreiben in deutscher Sprache auch ein übersetztes Anschreiben beiliegt. (SCHENK 2006: 30)

Zusätzlich wurde die Einladung entsprechend der oben dargestellten Gründe für die Nichtteilnahme und die Teilnahmemotivation angepasst. Es wird nunmehr transparent dargestellt, wie die Adressaten ausgewählt wurden, warum und mit welchem Zweck diese Studie stattfindet und wie die gesamte Untersuchung ablaufen wird. Zudem wurden die im Pretest herausgearbeiteten Teilnahmemotive verstärkt dargestellt. Insbesondere der Informationsgewinn durch die Vorsorgeuntersuchung wird nachvollziehbar und positiv dargelegt. Des Weiteren wird in dem Einladungsschreiben auf das Verwenden von Fachwörtern weitestgehend verzichtet. (SCHENK 2006: 30)

»Es werden im Anschreiben möglichst einfache Formulierungen gewählt, es wird auf Fachwörter weitestgehend verzichtet und es werden ggf. die Aufnahmegesellschaft betreffende Hintergründe geklärt.« (SCHENK 2006: 30)

Eine weitere, ergänzende Zugangsmöglichkeit stellen die Hausbesuche bei den potenziellen Nichtteilnehmern dar. Durch das persönliche Aufsuchen besteht hierbei die Möglichkeit, die Ziele und den Erhebungsinhalt der Studie anschaulich darzustellen, auf subjektive Ängste und Vorbehalte entsprechend einzugehen und teilnahmemotivierende Zusatzinformationen zukommen zu lassen. »Viele Fragen lassen sich erst im mündlichen Gespräch klären.« (SCHENK 2006: 30)

Ein Sozialarbeiter lernt Jugendsprache

Ein weiterer Aspekt ist die migrantenspezifische Öffentlichkeitsarbeit

»Eine migrantenspezifische Öffentlichkeitsarbeit erwies sich auch im Pretest als wirksamer Faktor, der die Teilnahmebereitschaft von Adressaten nichtdeutscher Herkunft erhöht.« (SCHENK 2006: 32) Dies umfasst sowohl muttersprachliche Zeitungen, als auch muttersprachliches Fernsehen und Radio. Aber auch über Eigenorganisationen und Beratungsstellen werden Informationen vermittelt.

Dementsprechend wurde eine differenzierte Medienrecherche vorgeschaltet zur Identifikation relevanter öffentlich-rechtlicher Sender, privater Medienanstalten und Eigenorganisationen bzw. Beratungsstellen, welche Medien herausgeben. Darüber hinaus wurden die migrationsbezogenen Eigenorganisationen, Ausländer- und Aussiedlerbeauftragte, Beratungsstellen, Arbeitskreise zu »Migration und Gesundheit« etc. als Multiplikatoren genutzt, indem diese über das Vorhaben ausführlich informiert wurden und zugleich entsprechende Ergebnisse der Untersuchung gesondert erhalten werden. (SCHENK 2006: 32- 33)

Durch die oben dargestellten Anpassungen der Vorgehensweise konnten deutlich bessere Ergebnisse bei der Zugangsgestaltung zu Familien mit Migrationshintergrund erzielt werden, so dass diesbezüglich von einer repräsentativen Erhebung ausgegangen werden kann (KAMTSIURIS u.a. 2006:1050).

Zusammenfassung

Obwohl es sich hierbei um ein Handlungsfeld handelt, das jenseits des Tellerrandes der klassischen Familien- und Jugendhilfe angesiedelt ist, wird deutlich, dass durchaus übereinstimmende Aspekte zu unserer eigenen Forschung zu finden sind.

Sprache scheint ein Dreh- und Angelpunkt des Erstzugangs. Die Übersetzung der Einladungsschreibens in die verschiedenen Sprachen deckt sich mit unseren Erkenntnissen. In der Erstsprache werden möglicherweise Wörter oder Begriffe besser verstanden. Ein Anschreiben in zwei Sprachen verdeutlicht auch, dass die Familien sich selber entscheiden können, welche Sprache sie lesen möchten. Und das Migration nicht automatisch impliziert, dass die deutsche Sprache nicht verstanden wird.

Durch das Verwenden einer einfachen Sprache mit wenig Fachwörtern wird ein Begegnen auf gleicher Augenhöhe und somit eine klare und nachvollziehbare Ansprache gestaltbar. Zudem wirkt die persönliche Ansprache deutlich effektiver ist als eine rein schriftliche Form.