Sozialraumorientierte interkulturelle Arbeit

Seite 7: Motivation

Diese theoretischen Überlegungen sollten dazu anregen, im Rahmen der fachlichen Auseinandersetzung über Sozialraumorientierung künftig verstärkt auch interkulturell bedeutsame Aspekte zu diskutieren. Gerade im Konzept der Sozialraumorientierung liegt das Potenzial, die Interkulturelle Öffnung der Sozialen Dienste zu forcieren und zu gewährleisten, dass auch Migrantenfamilien selbstverständlich und erfolgreich von unterstützenden Angeboten profitieren.

Im Grunde genommen wäre es gar nicht erforderlich, spezielle Überlegungen bezüglich der Arbeit mit Migrantenfamilien anzustellen, denn letztlich sind Eltern und Kinder mit Migrationshintergrund in erster Linie Eltern und Kinder. Ein konsequent personenorientierter Arbeitsansatz, der an den Interessen von Individuen sowie den Ressourcen ihrer sozialen Netzwerke und ihrer sozialräumlichen Umgebung ansetzt, müsste an und für sich funktionieren, ohne den Migrationshintergrund zu thematisieren, zumal dieser ja auch ein vollkommen irrelevanter Aspekt der Familiengeschichte sein kann.

Dennoch scheint es uns angesichts der Tatsache, dass Migrantenfami-lien freiwillige, unterstützende Angebote bislang nur unterdurchschnittlich nutzen, erforderlich, die Aufmerksamkeit bewusst darauf zu richten,ob die bisherigen Arbeitsansätze Migrantenfamilien ebenso gerecht werden wie einheimischen Familien. Insbesondere gilt es Sensibilität dafür zu entwickeln, wie unsere Gesellschaft mit kultureller Vielfalt umgeht, welche Position sie Migrantenfamilien zuweist und welche problematischen Auswirkungen dies auf die Inanspruchnahme unterstützender Angebote haben kann. Dazu gehören schließlich auch die Reflexion der eigenen Fremdbilder und die deutliche Distanzierung von verallgemeinernden Klischees.

Für erfolgreiche sozialraumorientierte interkulturelle Arbeit gilt der Leitsatz: Differenzen sollen nicht hervorgehoben werden, aber dort, wo sie bedeutsam sind, sollte man sie auch nicht übergehen. Basierend auf den Prinzipien der Sozialraumorientierten Sozialen Arbeit trägt interkulturelle Kompetenz dazu bei, migrations- und kulturbedingte Spezifika wahrzunehmen und angemessen damit umzugehen. Der Kern erfolgreicher Arbeit mit Familien – sei es nun mit oder ohne Migrationshintergrund – ist immer eine wertschätzende, subjekt- und ressourcenorientierte professionelle Haltung.

Symbol: »Autor« (ein stilisierter Füllfederhalter)

von Gaby Straßburger