Kita Kleiner Fratz

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Dieses Vorgehen ist für die Mitarbeiterinnen nicht immer einfach. Elternarbeit, insbesondere bei auftretenden Schwierigkeiten, wird stets im Team besprochen. Bei besonderen Herausforderungen werden, selbstverständlich in Absprache mit den Eltern, auch andere »Quellen von außerhalb« hinzugezogen, wie etwa die AWO, die Lebenshilfe oder auch der Kinderschutzbund, der den Profis fachkompetent zur Seite steht, gerade auch bei anonymisierten Beratungsanlässen. Diese Vernetzung unterstützt das Team und das Team unterstützt die einzelne Erzieherin. Insbesondere vor herausfordernden Elterngesprächen wird dies im Team gemeinsam besprochen und abgestimmt, so dass das gesamte Team als Unterstützung fungieren kann. Wenn der Kontakt zu den Eltern (wieder) hergestellt ist, macht die Erzieherin der Familie deutlich, dass »wir die weiteren Schritt mit Euch gehen.« Insbesondere dann, wenn die Eltern bei speziellen Themen bzw. Problemstellungen an andere Unterstützungsangebote weitervermittelt werden.

Ein weiterer Vorteil für eine gelingende Elternarbeit liegt in einer engen Kooperation mit der Grundschule, da der Kita-Träger zugleich einen Hort anbietet. Mit den Eltern, deren Kinder zunächst die Kita besuchen und ab dem Schulalter den Hort, ist eine langanhaltende Beziehungsarbeit und Kooperation sehr gut möglich. Somit kann gerade auch beim Übergang von der Kita in die Schule ein besserer Austausch zwischen Erzieherinnen und Lehrer(inne)n erfolgen und die Kinder, aber eben auch die Eltern, können über einen längeren Zeitraum kontinuierlich begleitet werden.

Mit der Schule wird durch diese Struktur grundsätzlich enger im Sinne von Verbindlichkeit und Kooperation zusammengearbeitet. So besuchen die Lehrer/innen bspw. das Sommerfest. Es werden aber auch mögliche Probleme gemeinsam besprochen und angegangen.

Feste sind in der Kita stets ein guter und häufiger Anlass für Begegnung, Geselligkeit und Austausch. Hierbei können sich alle Beteiligten, Kooperationspartner wie die benannte Schule, aber gerade auch die Eltern mit ihren jeweiligen Hintergründen sehr aktiv und vielfältig einbinden. So werden selbstverständlich auch die Feste gefeiert, die aus den kulturellen Bezügen der jeweiligen Elternhäuser bekannt sind.

Aber auch beim Sommerfest wurde da angeknüpft »wo die Eltern stehen, was sie jeweils einbringen können.« Und dementsprechend werden sie ganz aktiv mit einbezogen. »Was können Eltern besser als wir?« ist dabei eine handlungsleitende Maxime der Erzieherinnen. Dadurch kommen auch Eltern auf die Mitarbeiterinnen zu und fragen direkt, wo sie unterstützen können.

So hat zum Beispiel beim vergangenen Sommerfest ein Vater den Erzieherinnen das Fotografieren abgenommen. Dabei sind tolle Fotos aus teilweise sehr unterschiedlichen Perspektiven entstanden und der Vater fühlte sich wertgeschätzt und gebraucht. Solche Momente erleben auch die Kinder und sind stolz auf ihre Eltern, was diese alles können und dass sie sich derart beteiligen.

Bei einem solchen Sommerfest begegnen sich selbstverständlich auch die Eltern untereinander und lernen sich sehr unkompliziert kennen. »Wir haben sehr engagierte Eltern, egal aus welcher Nation sie kommen und das spricht sich hier rum.« Das Engagement der Eltern lässt sich unter anderem auf die Vertrauensbasis zu den Erzieherinnen zurückführen. Dazu kommt, dass sie aus sich heraus zumeist sehr offen und neugierig  sind und »meist schon in der zweiten oder dritten Generation hier leben.«

Die Mitarbeiterinnen nutzen die Feste, um den Eltern und Kindern verschiedene Themen und Kulturen zu vermitteln. Dafür werden viele verschiedene Elemente genutzt. Oft steht das Fest unter dem Thema »Kinder einer Welt.« Dabei registrieren die Kinder, wie unterschiedlich im Sinne von vielfältig bspw. die Familien sein können. Auch werden die Kinder gebeten, entsprechende Gedichte oder Bücher von Zuhause mit in den Kita-Alltag zu bringen, damit die Kinder auch mal die anderen Sprachen hören. So gab es in der Adventszeit jeden Freitag ein multikulturelles Frühstück gemeinsam mit den Eltern.

Durch diese Atmosphäre ist die Nachfrage nach einem Kitaplatz im Kleinen Fratz sehr groß. Zumeist läuft die Öffentlichkeitsarbeit der Kita schlicht »über Mundpropaganda, also mein Kind, meine Familie ist zufrieden mit der Kita, meldet euch doch auch mal da an.« Die Mitarbeiterinnen haben aber auch schon Situationen erlebt, bei denen sie mit den Kindern auf dem Spielplatz waren, mit Wasser gespielt haben und dann von Eltern angesprochen wurden, wo sie denn herkommen und dass sie ihre Kinder auch gerne dort anmelden möchten. Die respektvolle und selbstverständliche Art im Umgang mit der Vielfalt macht viele Eltern neugierig. So wird auf religiöse bzw. kulturelle  Aspekte ganz selbstverständlich Rücksicht genommen, soweit dies möglich ist, bspw. dass die Kinder im Sommer einen Badeanzug zum Baden anziehen oder dass erst die Mädchen und dann die Jungen getrennt geduscht werden. Die Möglichkeiten und Grenzen werden den Eltern jeweils sehr transparent und offen vermittelt. Es wird aber auch gut zugehört, was die Vorstellungen und Wünsche der Eltern sind, um diese dann gemeinsam zu verhandeln.

Durch die dargestellte Arbeitsweise der Mitarbeiterinnen, die verschiedenen Angebote und Veranstaltungen und das aktive Einbeziehen der Eltern wird die Kita zu einem selbstverständlichen Ort der Begegnung in lebendiger Vielfalt mitten im Kiez.

Symbol: »Adresse« (ein Stift zeigt auf das Adressfeld eines Briefes)

Kleiner Fratz gGmbH
Glasower Straße 58
12051 Berlin

www.kleiner-fratz-berlin.de