Generalprobe(n)

Erweitern Sie nun Ihr Vorversprachlichen allmählich zu Probe(n) mit vollem Medieneinsatz. Beginnen Sie eine individuelle Checkliste der Punkte, auf die Sie bei der Veranstaltung achten wollen.

Schauen Sie beim Proben auf die Uhr. Mit der Zeit werden Sie einen eigenen »Erfahrungswert« haben, um wie viel länger/kürzer Ihre Präsentation im Ernstfall gegenüber dem Vorversprachlichen wird. Meistens werden Präsentationen vor Publikum länger, selten kürzer.

Haben Sie den Ehrgeiz, die vorgegebene Zeit exakt einzuhalten. Sie schaffen dies dadurch, dass Sie sich »Zwischenzeiten« beim Einüben genommen und im Redemanuskript – am besten »in Echtzeit« notiert haben. Wenn Sie z.B. nach dem ersten Viertel Ihrer Präsentation merken, dass Sie schon »Verspätung« haben, lässt sich dies durch Weglassen von »Kann« -Punkten bis zum Ende gut aufholen.

Wer labert, ohne auf die Zeit zu achten, missachtet seine Zuhörer.
Vollprofis sind pünktlich.

Symbol: »Tipp« (eine stilisierte Glühbirne)

Machen Sie eine »Generalprobe«

Die bestmögliche Generalprobe findet im selben Raum statt, in dem auch die Veranstaltung stattfindet – idealerweise schon mehrere Tage vorher, spätestens jedoch am Vortag der Veranstaltung. Gewöhnen Sie sich an die Perspektive von vorn und machen Sie sich mit Raum und Raumtechnik vertraut.

Versuchen Sie viel, damit dies möglich wird:

  • »Bestechen« Sie den Hausmeister mit einer Flasche Wein, damit er Sie in den Raum lässt.
  • Üben Sie, falls es nicht anders geht, morgens um 5 Uhr ...
  • Falls auch das nicht möglich sein sollte, schauen Sie sich wenigstens den Raum vorher genau an, notfalls während einer anderen Veranstaltung und überlegen Sie sich gut, was Sie wie »stellen« wollen.
  • Im professionellen Bereich ist es üblich, vorab nach einem Raumplan (Grundriss) zu fragen.
  • All dies senkt Ihre Aufregung und schafft Seelenfrieden.


Untersuchungen beweisen: Wer den Vortragsraum bereits kennt, ist wesentlich weniger aufgeregt und hat mehr Konzentration übrig für andere Dinge. Es bleiben ja noch genug...


Berücksichtigen Sie bei Ihrer Vorbereitung stets Murphys Gesetz für Präsentationen und Vorträge

  1. Alles, was schief gehen kann, geht schief.
  2. Alles dauert doppelt so lange.
  3. Die Klugen können sich nicht ausdenken, auf was die lieben Mitmenschen so alles kommen ...

Einige verbreitete Missverständnisse

Jemand spricht mit dem Rücken zum Publikum

Falsch: Reden gegen die Wand

Das Publikum will, dass Redner und Rednerinnen vortragen und nicht Folien vorlesen. Wer sich mit der Wand unterhält, statt sein Publikum zu unterhalten, begeht einen schweren Kunstfehler. Wenn Sie sich auf einer Folie orientieren wollen/müssen, tun Sie dies bitte schweigend: Dann zeigen Sie - z.B. mit der Hand oder besser einem Zeigestock - auf den Punkt, der Ihnen wichtig ist, wenden Ihre vordere Körperseite vollkommen Ihrem Publikum zu und beginnen erst dann zu sprechen, wenn Sie Blickkontakt mit Ihren Zuhörern haben.

Ein Mann an einem Rednerpult

Falsch: Ein Rednerpult müsse sein

Das Publikum will möglichst viel von der vortragenden Person sehen. Alles, was zwischen uns und dem Publikum steht, reduziert unsere Wirkung. Das gilt auch für das Rednerpult.

Jemand versteckt sich beim Reden hinter seinem Manuskript

Falsch: Frei reden lernen könne man nur als junger Mensch

Schriflticher Kommentar eines älteren Studenten, 77 Jahre alt:
»Die rhetorische Übung hat bei mir viel Positives bewirkt. Seit einem Jahr kann ich alle Predigten und Ansprachen völlig frei halten, was mir schon viel Anerkennung eingetragen hat. Wenn ich bedenke, dass in in meinem langen Berufsleben vorher die vielen Reden fast ganz abgelesen habe, ist das ein erstaunlicher Erfolg...«

5 vor 12: Den Veranstaltungsraum wirkungsvoll (aus)nutzen

Idealerweise haben Sie sich den Raum ein paar Tage vorher besehen oder haben sich schon vorab mit den Veranstaltern abgesprochen, wie »Ihr« Raum gestellt sein soll: Stuhlkreis, parlamentarisch (= mit schmalen Tischen), »U-Form«, »Klassenzimmer«, Stuhlreihen o.ä. ...

In jedem Fall befindet er sich meist »irgendwie« in vorbereitetem Zustand oder auch so, wie ihn der Vorbenutzer des Raumes hinterlassen hat.

Sie sollten ihn nie – wirklich n i e m a l s !!! – unüberlegt in diesem Zustand übernehmen. Hausmeister haben – Verzeihung – nur selten fundierte Kenntnisse in Präsentationstechnik, außer vielleicht im hochprofessionellen Messebereich. Und auch dort stehen Sie zunächst allein, denn niemand außer Ihnen weiß wirklich, was Sie vorhaben. Überlegen Sie also gut:

Wieviel »Luft« braucht die Raumgröße? Wie wird der Raum belüftet?
Für viele Motivationsveranstaltungen ist ein kleiner »voller« Raum viel besser als ein großer, »halbleerer«, in dem es mehr freie Stühle als Zuhörer hat.
Schlecht belüftete Räume sind immer »tödlich« für die Konzentration der Teilnehmer.
Seien Sie auf alle Möglichkeiten vorbereitet, öffnen Sie aber Trennwände erst bei Bedarf vollständig. Manchmal hilft »spaltweises« Öffnen bei der Belüftung.

Wo soll Ihre Stirnwand des Raumes sein? Wo wollen Sie stehen?
Von allen Seiten gut zu sehen, keine Lichteinstrahlung von hinten?

Bauen Sie Raum-»Barrieren« ab
Reden Sie ohne Pult, wann immer es möglich ist und bauen Sie möglichst alles, was zwischen Ihnen und Ihren Zuhörern steht, ab: Podiumstische, Rednerpult, OHP etc. Es ist leichter, das Publikum zu erreichen, wenn Sie freien Zugang zu den Menschen haben. Vielleicht lassen sich die Podiumstische wenigstens etwas auseinanderrücken, damit Sie einen Durchgang zur Raummitte haben.
All dies geht öfter, als Sie jetzt denken. Ausnahmen sind sehr festliche, hochkarätige oder sehr traurige Veranstaltungen. Vielleicht können Sie sich wenigstens  n e b e n  das Pult stellen (Funkmikros machen es möglich –> Vorher abklären!).

Was stellen Sie wo?
Überlegen Sie: Wo hängt mein Vortragsplakat so, dass ich mir nicht selbst im Bild stehe?
Wo stelle ich den Projektor hin, wo sollte ich stehen, damit jeder die Leinwand sehen kann?
Setzen Sie sich probeweise selbst als Zuhörer »ganz links«, »ganz rechts«, »ganz hinten«.

Welche Medien setzen Sie als »überdimensionalen Spickzettel« ein?
Hier gilt: Je größer ein Spickzettel ist, desto weniger fällt er auf. Niemand wird vermuten, dass das Plakat mit Ihrer Vortragsgliederung auf dem Flip-Chart auch für Sie eine gute Merkhilfe ist. Andere »Spicker« sind Folien, softwaregestützte Präsentationen (Powerpoint), eine vorbereitete Wandtafel, Dias oder andere Anschauungsmittel...
Alle diese Medien können – richtig eingesetzt – hervorragende Merkhilfen für Sie sein.
Dies heißt jedoch nicht, dass Sie nur das »vorlesen«, was auf Flip-Chart oder Folien steht.

Checkliste Generalprobe

Mitnehmen:

  • Wegbeschreibung
  • Notfalltelefonnummer(n) des Veranstalters
  • (Funk)Uhr mit großen Ziffern
  • Passespartout (»Flip-Frame«)
  • Folien/Datendisketten mit Ihrer Präsentation
  • Zeigestock
  • Stifte - Permanentschreiber für OHP/Schreiber für Flip-Charts/jeweils schwarz/farbig
  • Anschauungsmittel?
  • Namensschilder?
  • Befestigungsmaterial: Krepp-Klebeband, ggf. Klebestift (zum Einkleben von vorbereiteten Aussagen in ihr Vortragsplakat, Pinnwandnadeln, Reißzwecken, Hammer, ggf. eigenen Flip-Chart-Ständer...

Vor Ort:

  • Raum o.k.? Sitzordnung o.k.? Belüftung?
  • Rednerpult abbauen?
  • Raumtemperatur? (Idealerweise zwischen 22 und 24 Grad Celsius, im Zweifel ist zu kühl besser als zu heiß, Faustregel: Jeder Zuhörer entspricht ca. 70 Watt Heizleistung)
  • Nichtraucherzeichen mitbringen?
  • Aschenbecher verschwinden lassen?
  • Sauberkeit im Raum? Boden? Tische? Verstaubte OHP-Linsen o.ä.?
  • Wo sind die Toiletten?
  • Notausgänge?
  • Beleuchtung?
  • Akustik
  • Welcher Schalter schaltet welche Funktion?
  • Ausprobieren der Medien/Saaltechnik
  • Plakat(e) aufhängen
  • Hinweisschilder/Wegweiser zum Raum