Sprache

Seite 2: Formulierungen, Vorteile betonen, Empfehlen statt fordern

Formulieren Sie ab jetzt positiv
Was sagen Sie, wenn Sie nach einem neuen Kollegen den Fahrstuhl betreten und riechen sein – ähem – Rasierwasser? Es duftet? Es riecht? Oder... »nicht schlecht – aber gibt’s das auch für Menschen?« Wo würden Sie lieber wohnen: Neben einer Atommülldeponie oder neben einem Kernentsorgungspark?
Wir haben Freunde. Andere haben Bekannte. Unser Nachbar hat Komplizen. Einer übt vernichtende Kritik, der andere lobt und macht wichtige Verbesserungsvorschläge. Die eine Mitarbeiterin sagt: »Ach Herr Chef, ich hab’ es leider immer noch nicht geschafft, den Bericht fertig zu stellen, den ich für Sie schreiben muss. Ich muss heute leider trotzdem um drei gehen«. Die andere sagt: »Lieber Herr Chef, ich bringe Ihnen hier schon die ersten zwanzig Seiten des Berichtes, den ich für Sie schreibe. Ich werde heute um drei gehen, komme aber morgen schon um  7 und schreibe den Rest. Danke für Ihr Verständnis.« Wer wird wohl eher den Nachmittag frei bekommen? Trainieren Sie Ihr Sprachgefühl. Konzentrieren Sie sich auch sprachlich auf das Positive in der Sache.

Zeigen Sie Vorteile und Nutzen, anstatt Nachteile zu kritisieren
Es ist wirkungsvoller, für etwas zu sein als bloß dagegen. Konzentrieren Sie sich in Ihrer Argumentation darauf, Ihrer Zielgruppe Vorteile zu zeigen. Wenn Sie Nachteile zeigen, wecken Sie in den Zuhörern Widerspruchsgeist. Vorteile zeigen verschafft uns Verbündete.

Empfehlen Sie, anstatt zu fordern
Die haltbarsten Überzeugungen sind die, auf die wir von selbst gekommen sind – oder von denen wir glauben, dass wir »von selbst« auf sie gekommen sind. Ihre rhetorische Aufgabe ist es, Ihre Zuhörer durch Worte, Bilder und andere Sinneserfahrungen in ein aussagekräftiges gedankliches Umfeld zu führen.
»Überzeugen« sollen (und werden) sie sich selbst.

Hüten Sie sich vor Worthülsen. Bleiben Sie sich selbst treu. Formulierungen, die Ihnen daheim am Schreibtisch unter Aufbietung aller Geisteskräfte gerade noch eingefallen sind, werden Ihnen vor Publikum nicht zuverlässig zugänglich sein. Benutzen Sie deswegen Ihren gewohnten Wortschatz. Es ist nicht notwendig, dass Sie vor Ihren Zuhörern Formulierungen »schrauben«, um als mehr zu erscheinen, als Sie sind. Bleiben Sie natürlich, bleiben Sie sich selbst treu. Ihr stärkstes Überzeugungsmittel ist und bleibt Ihre Glaubwürdigkeit, die Einheit von dem, worüber Sie reden und dem, was Sie tun.

»Im Anfang war das Wort – am Ende die Phrase.«
Stanislav Jerzy Lec