Erfolgsbedingungen und -kriterien

Seite 3: Erfolgskriterien

Konsensuale Entscheidungsfindung

Konfliktklärung ist auf Konsens angewiesen, ebenso die abschließende (vertragliche) Übereinkunft. Bei komplexen Konflikten hat es sich gezeigt, dass Paketlösungen eher Zustimmung ermöglichen als Einzellösungen. (7)  Die einzelnen Regelungen können jedoch auch »Kröten« beinhalten, die geschluckt werden, um den erfolgreichen Abschluss der Mediation nicht zu gefährden. Allerdings sollten die Lasten und die Gewinne möglichst fair verteilt sein. Dazu kann auch ein Ausgleich durch Kompensationsangebote, Transferleistungen (etwa eine besondere Dienstleistung) oder Tauschgeschäfte beitragen. (8)

Darin sollten sie auch festlegen, wann vom Konsensprinzip abgewichen werden kann und was an dessen Stelle treten soll: eine Mindestzahl von Vetos, Verzicht auf Veto-Rechte, Mehrheitsentscheidungen (einfache Mehrheit oder qualifizierte Mehrheit, wie viel Prozent?), Minderheiten-Voten?

Dass Konsens kein Hexenwerk ist, zeigen die vielen einvernehmlichen Entscheidungen, die in Gruppen tagtäglich – mit oder ohne Konsensverfahren – getroffen werden. Eine gute Moderation hilft, trotz Meinungsverschiedenheiten zu einem gemeinsamen Ergebnis zu kommen. Die Mediator/innen sollten diese Kompetenz mitbringen. Wenn auch die Konfliktbeteiligten Erfahrung damit haben umso besser!

Umsetzung der Ergebnisse

Der Umgang mit den Ergebnissen muss schon vorab besprochen werden: Welche Form haben sie? Sind es nur Empfehlungen oder sind sie verbindlich? Wie werden die ausgehandelten Ergebnisse in die ggf. erforderlichen politischen und administrativen Entscheidungsprozesse eingebracht? Wie kann sichergestellt werden, dass dort die Mediations-Übereinkunft nicht verwässert oder ganz abgelehnt wird? Was könnte in diesem Fall geschehen?

Eine Möglichkeit, hier von vornherein vorzusorgen, ist eine Selbstverpflichtungserklärung der Entscheidungsträger/innen, die Ergebnisse der Mediation – in ihrem wesentlichen Gehalt – zu übernehmen und in den maßgeblichen Gremien zu bewilligen.

Symbol: »Wichtig« (ein Ausrufezeichen in einem blauen Kreis)

Die Erfahrung zeigt, dass es wichtig ist, den Runden Tisch nach einer Übereinkunft nicht gänzlich aufzulösen, sondern ein Gremium zu bestimmen, das die Umsetzung der Verhandlungsergebnisse begleitet, kontrolliert und notfalls interveniert.

Verbindlichkeit

Ein Mediationsverfahren nimmt eine längere Zeit in Anspruch. Für diesen Zeitraum müssen die Teilnehmer/innen eine verbindliche, verlässliche Mitarbeit zusagen (können). Für ehrenamtlich Tätige könnte ein Sitzungsgeld oder die Freistellung von ihrer beruflichen Arbeit hilfreich oder erforderlich sein.

Dass einzelne Personen aus gewichtigen Gründen durch andere abgelöst – und eingearbeitet – werden können, ist selbstverständlich. Aber die Teilnahme am Runden Tisch darf keiner Beliebigkeit ausgesetzt sein.

Dazu sollten Ein- und Austrittsmöglichkeiten vorab geklärt und besprochen werden, in welcher Form sie geschehen können. Dabei ist darauf zu achten, dass später Hinzukommende die Informationen und Unterlagen über den bisherigen Prozess erhalten und sich zu eigen machen.

Transparenz, Öffentlichkeit und geschützter Raum

Die Mitglieder des Runden Tisches müssen sich selbst gut informieren können, aber auch die nichtanwesende Bevölkerung transparent über Inhalt und Fortgang der Verhandlungen auf dem Laufenden halten. Dies bedeutet nicht, dass der ganze Prozess öffentlich stattfinden muss. Die Mediationsbeteiligten legen fest, welche Teile davon einen vertraulichen Rahmen erfordern und welche nicht. Die Information der Medien muss ebenfalls besprochen und geregelt werden. (9)

Vertrauensaufbau

Symbol: »Achtung« (Ausrufezeichen im Dreieck)

Zentral für den Erfolg (und auch schon ein zentraler Erfolg!) ist Vertrauen. Der Vertrauensverlust ist jedoch ein wesentlicher Faktor bei der Konflikteskalation, also der Ausgangssituation.

Wie kann nun Vertrauen in das Verfahren und in die anderen Teilnehmer/innen gewonnen werden?

Ein bewusster und ehrlicher Umgang mit fehlenden Symmetrien (z.B. strukturelles Machtungleichgewicht) könnte ein erster Schritt sein. Es sollten keine Fakten von einer Seite geschaffen werden, was das Vermittlungsverfahren angeht. Der Anbahnungsprozess, wie er im nächsten Kapitel ausführlich beschrieben wird, muss sehr sensibel und unter gleichrangiger Einbeziehung der andern Konfliktbeteiligten erfolgen. Zeitdruck während des Verfahrens ist hinderlich. Vertrauen lässt sich nicht einfordern, es kann nur Schritt für Schritt wachsen. Der Vertrauensaufbau sollte deshalb genügend Raum bekommen. Er ist ein wesentlicher Bestandteil des Mediationsprozesses und öffnet die Tür zu Durchbrüchen und neuen Lösungen.

Externe und kompetente Prozessleitung

Ein politisches Mediationsverfahren erfordert eine professionelle, externe Leitung, die das Vertrauen aller Konfliktbeteiligten genießt.

Dafür ist in der Regel ein Team besser geeignet als eine Einzelperson. Eine Gruppe von Mediator/innen kann auf eine breitere Methodenkompetenz zurückgreifen und zu einer größeren Akzeptanz seitens der Konfliktparteien beitragen. Vorteilhaft ist, wenn sie mit den verschiedenen Logiken und Kulturen der Konfliktparteien vertraut sind und ein kooperatives Zusammenwirken herstellen können.

Die Mediator/innen müssen trotz des öffentlichen Themas eine professionelle inhaltliche Distanz und eine allparteiliche Haltung an den Tag legen. In einem Team könnten aber unter Umständen auch Mediator/innen zusammenwirken, die den verschiedenen Konfliktparteien jeweils etwas näher stehen und in ihrer Gesamtheit eine ausgewogene Mischung ergeben. Dies wäre in der Praxis noch zu prüfen.

Die Mediator/innen haben die Autonomie der Beteiligten zu achten, ohne dabei Struktur und Prozessleitung aus der Hand zu geben.

Die Auswahl und Beauftragung der Mediator/innen sollte von den Konfliktbeteiligten gemeinsam vorgenommen werden. Die Bezahlung kann von einer Seite übernommen werden, was aber transparent sein muss und nicht zu einer versteckten Loyalität zum/zur GeldgeberIn führen darf.