Durchführung

Seite 2: Unterschiedliche Grupengrößen
  • Information: Maximale Gruppengröße

Da es sich um öffentliche Themen und deren Bearbeitung handelt muss die interessierte Bevölkerung auch mitbekommen können, was geschieht. Sonst ist das Verfahren intransparent und dem Verdacht auf Mauschelei ausgesetzt.

Eine direkte Anwesenheit aller Interessierten ist dabei jedoch weder erforderlich noch immer möglich. Die Berichterstattung der Medien und ein gezielter Informationsdienst in Papierform oder via E-Mail oder Internetseiten dürfte das Bedürfnis nach Information weitgehend abdecken. Dabei ist zu beachten, dass es verschiedene E-Mail-Verteiler gibt: einen für den inneren Kreis (auch mit vertraulichen Informationen) und andere zur Information einer breiteren Öffentlichkeit. Darüber hinaus könnten informative Teile des Vermittlungsverfahrens – wie etwa gutachterliche Stellungnahmen, Zwischenstände des Dialogprozesses oder die Bekanntgabe der erzielten Vereinbarungen – im Rahmen eines größeren Publikums stattfinden.

Sobald es jedoch um Diskussion oder Konfliktklärung geht, müssen Teilnehmer/innen-Zahlen und Arbeitsformen verwendet werden, die eine Kommunikation in beide Richtungen ermöglichen.

  • Diskussion und Entscheidungsfindung: Gruppengröße von 20 bis 100 Personen

Die meisten Formen einer ausgeglichenen und wechselseitigen Kommunikation haben eine »natürliche« Grenze bei ca. 20 Personen. Das zeigt sich u.a. daran, dass eine Runde (= alle Anwesenden kommen kurz zu Wort) von mehr als 20 Beiträgen die Konzentrationsfähigkeit und Geduld einer Gruppe überstrapaziert. Auch lässt sich eine Gruppendiskussion mit annähernd gleicher Redezeit für alle und einer konsensualen Entscheidungsfindung nur bei Gruppen bis zu 20 Personen realisieren.

Bei größeren Gruppen (20 –100) müssen Arbeitsformen gefunden werden, welche die Zahl der Redenden begrenzt, ohne sie komplett auszuschließen oder zu reinen Zuhörer/innen zu machen. Dies kann geschehen durch eine zeitweilige Begrenzung der Diskussion auf einen Innenkreis, während die anderen im Außenkreis zuhören. Oder die Beschränkung der Meinungsäußerung auf jede zweite, dritte oder vierte Person in einer Runde – mit der Möglichkeit, dass wichtige zusätzliche Statements der anderen anschließend noch zugelassen werden. Die Diskussion in einer Großgruppe kann auch durch die Bestimmung von Gruppenvertreter/innen in einen überschaubaren Rahmen überführt werden, wobei die restlichen Gruppenmitglieder zuhören und sich in den Pausen mit ihren Vertreter/innen abstimmen können. Bei Meinungsbarometern oder sonstigen Aufstellungen im Raum können jeweils einige Personen mit unterschiedlichen »Standpunkten« befragt werden, während die anderen allein durch ihren »Standort« deutlich machen, inwieweit sie einer gegebenen Fragestellung zustimmen oder nicht.

Bei einer Konsensfindung in größeren Gruppen gibt es die Möglichkeit, die eigentliche Entscheidungsfindung in kleinen (Bezugs-)Gruppen – wiederum bis zu max. 20 Personen – anzusiedeln, wobei die Ergebnisse von ein bis zwei Sprecher/innen in einem »Sprecher/innenrat« ausgetauscht werden und Dissenspunkte wieder in die Gruppen zur Beratung zurückgegeben werden. Zur einfacheren und schnelleren Durchführung können die (Bezugs-)Gruppen sich im Raum befinden und dem Sprecher/innenrat beim Informationsaustausch zuhören. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit durch Karten oder Handzeichen verschiedene Konsensstufen in einer größeren Gruppe abzufragen und an Dissenspunkten im Plenum gemeinsam zu arbeiten.

  • Intensives Gespräch und Konsensfindung: Gruppengröße bis 20 Personen

In Gruppen von bis zu 20 Personen lassen sich – bei genügender Zeit! – Sachverhalte gründlich diskutieren und Entscheidungsprozesse in optimaler Weise zu einem Konsens führen. Bei dieser Größenordnung muss es keine »Fraktionen« geben, sondern jede Person kann für sich sprechen und eine eigenständige Position vertreten und hat dafür auch den nötigen Raum. Um zu einer solchen, optimalen Gruppengröße in öffentlichen Konflikten zu kommen, sollten die Konfliktparteien jeweils nur mit ein, zwei oder maximal drei Delegierten vertreten sein. Sie müssen sich aber zwischen den einzelnen Gesprächen mit ihrer entsendenden Gruppe besprechen können. Falls es zu viele vom Konflikt betroffene Gruppen gibt, die einbezogen werden wollen und sollten, können die Gruppierungen nach gleichen oder ähnlichen Positionen und Zielvorstellungen zusammen genommen werden und von ihnen gemeinsame Delegierte ausgewählt werden. Der Rückkopplungsprozess ist dann etwas aufwändiger.

  • Konfliktklärung: Zwei bis ca. acht Personen

Wenn es nicht nur um Sachdiskussionen geht, sondern um Konflikte mit der ganzen Emotionalität und Feindseligkeit zwischen den zerstrittenen Parteien, sollten die Geprächspartner/innen auf eine Mindestanzahl reduziert werden, idealer Weise auf zwei Personen. Im Zweiergespräch ist die reinste Form des »Dia-Logs« möglich.

Diese Begrenzung ist notwendig, weil ein Klärungsgespräch außerordentlich konzentriert und tiefgehend, im stetigen Wechsel und ohne Zeitdruck durchgeführt werden muss, um wirklich etwas »lösen« zu können.

In Gruppen bis zu 20 Personen können, wenn die Betroffenen einverstanden sind, die Klärungsgespräche im Fishbowl (in der Mitte eines umgebenden Halb-/Kreises) durchgeführt werden. Das erfordert allerdings große Zurückhaltung, Disziplin und Geduld des Außenkreises.

Größere Gruppen oder die Einbeziehung von Medien stören den vertraulichen Charakter dieser sehr persönlichen Gespräche.