Durchführung

Seite 3: Bearbeitungsebenen

Konflikt – Beziehungsklärung – Sacharbeit

Über die Gruppengröße sind schon verschiedene Arbeitsformen und Bearbeitungsebenen angesprochen worden. Diese sollen nun weiter ausgeführt werden.

Der Ausgangspunkt für politische Mediation ist ein eskalierter Konflikt zu bestimmten, öffentlich bedeutsamen Themen. Die Art und Weise, wie diese Themen behandelt wurden, führen im schlimmsten Fall zu heftigen Reaktionen und Auseinandersetzungen, in denen sich die Beteiligten verletzender Beleidigungen, Verleumdung, psychischem Druck, Nichtbeachtung, Sanktionen und manchmal auch körperlicher Gewalt ausgesetzt sehen. Das Gesprächsklima ist deshalb von vornherein vergiftet. Sachfragen werden mit Misstrauen und Feindseligkeit thematisiert. Außer einem Schlagabtausch und womöglich neuen Verletzungen kommt nicht viel heraus.

Symbol: »Tipp« (eine stilisierte Glühbirne)

Deshalb ist es ratsam, von Anfang an auf emotionale Ausbrüche oder Blockaden und auf Ressentiments zu achten und sie zum Thema zu machen: Wodurch sind sie entstanden, auf welchen konkreten Vorkommnissen beruhen sie? Lässt sich durch einen Blick auf die Perspektive des/der anderen ein Stück nachvollziehen, wie es zu diesen Vorkommnissen kam? Sind evtl. Missverständnisse im Spiel? Worum ging es den Beteiligten eigentlich? Gibt es ein Bedauern für Entgleisungen und den ehrlichen Wunsch nach einem Neuanfang?

Dieser Blick auf die menschliche Seite des Konflikts macht den Weg frei für eine faire und konstruktive Bearbeitung der anstehenden Sachthemen.

Möglicherweise gibt es nur zwischen einigen der Anwesenden diese direkten, persönlichen Verstrickungen. Sie können dann eventuell auch in einem separaten Klärungsgespräch angegangen werden. Für diese Gespräche sollte ein vertraulicher Rahmen vorgesehen werden. Denn wer möchte schon vor der Öffentlichkeit über schwierige persönliche Themen reden?

Vertraulich - öffentlich

Die Frage der Vertraulichkeit ist also bei der politischen Mediation weniger eine Frage des Prinzips als der jeweiligen Arbeitsschritte und Gesprächsebenen. Es darf deshalb durchaus ein Mix aus öffentlichen Phasen, internen, halböffentlichen Gruppenphasen und vertraulichen Klärungsgesprächen geben.

Symbol: »Tipp« (eine stilisierte Glühbirne)

Außer zur Klärung von emotionalen Befindlichkeiten und Beziehungskonflikten könnte eine Vertraulichkeit oder Halböffentlichkeit auch sinnvoll sein, wenn es um das Entwerfen neuer Lösungsideen geht.

Denn das freie Phantasieren im Rahmen von Brainstormings könnte gehemmt werden, wenn die Beteiligten sich am nächsten Tag in Zeitungskommentaren wegen unausgegorener Ideen zum Gespött gemacht sehen könnten.

Sensibel kann auch das Aushandeln von Übereinkünften sein. Manchmal wollen die Interessengruppen nicht einmal im vertraulichen Rahmen der anderen Seite ihre Verhandlungs-Spielräume offen eingestehen, geschweige denn vor einer größeren Öffentlichkeit. In solchen Situationen kann eine Pendel-Mediationsphase angebracht sein, in der die Interessengruppen separat beraten und die Mediator/innen in vertraulichen Einzelgesprächen die Angebote, Optionen und Schmerzgrenzen der jeweiligen Gruppe erfahren. Was davon an die anderen Gruppen weitergegeben werden darf, bestimmen die Interessengruppen.

Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft

Der Konfliktklärungs-Prozess durchläuft sinnvollerweise – ausgehend von der aktuellen krisenhaften Situation und der Aufstellung der zu behandelnden Themen – eine Phase der Vergangenheitsbetrachtung und -aufarbeitung, eine Phase der gegenwartsbezogenen Problembenennung und Sachdiskussion und eine Phase der zukunftsorientierten guten Lösungen. Wie in jeder Mediation wird es auch »Rückfälle« geben wie z.B. emotionale Eskalationen während der Sachdiskussion, die nochmals eine Bearbeitung der Beziehungsebene notwendig machen. Oder Problemanzeigen, die von der Zukunftsvision nochmals zur Sachdiskussion zurückführen. Diese Schleifen dürfen sein, andernfalls könnte sich die erzielte Übereinkunft als brüchig, weil nicht auf festem Grund erweisen.

Was den Ablauf der Vermittlungsgespräche ebenfalls bremsen oder durcheinander bringen kann, sind Vorfälle zwischen den einzelnen Sitzungen, die für Empörung sorgen. Diese außerplanmäßigen Themen müssen als »Störungen« zuerst bearbeitet werden, damit die konstruktive Grundhaltung wieder Oberhand gewinnt.