Zukunftswerkstatt

Drei Waschbären experimentieren in einem Chemielabor.

Die Zukunftswerkstatt (ZW) ist eine von Robert Jungk (a.a.0.) Anfang der Siebzigerjahre entwickelte gruppenorientierte Problemlösungsmethode. Sie will und soll jedoch mehr sein als eine geschickte Denk- oder Kreativitätstechnik. Sie ist auch ein soziales Ereignis, in dessen Mittelpunkt die Menschen stehen, die an der Werkstatt teilnehmen.

Insofern wird diese Methode von ihren Erfindern durchaus als ein Beitrag zur Demokratisierung der gesellschaftlichen Entwicklung verstanden.

Methodisch beruht die Zukunftswerkstatt auf dem schon vorgestellten und begründeten Dreischritt (vgl. Drei-Phasen-Modell):

  • Kritik / Bestandsaufnahme
  • Fantasie / Ideensuche
  • Verwirklichung/ Umsetzung.
Zeitablauf einer Zukunftswerkstatt
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Innerhalb dieser drei Phasen können je nach Thema, Teilnehmern und verfügbarer Zeit eine Vielzahl von Einzelmethoden eingesetzt werden. Da sich die Gliederung dieser Broschüre an diesem Dreischritt orientiert, eignen sich im Prinzip alle hier vorgestellten Techniken zum Einsatz in einer ZW. Natürlich nicht alle auf einmal, sondern in Hinblick auf die konkrete Aufgabe und die Teilnehmergruppe sinnvoll ausgewählt und gezielt zusammengestellt.

Der ideale Zeitrahmen für eine ZW sind drei Tage bis eine Woche. Drei Tage entsprechen den drei Phasen und erlauben es, jede von der folgenden durch eine Nacht deutlich zu trennen. Auch ein Wochenendseminar, bei dem am Freitagabend noch die 1. Phase abgeschlossen wird, trägt dieser Dynamik im Zeitablauf einer Zukunftswerkstatt Rechnung. Kürzere Zeiträume sind auch möglich, zwingen jedoch dazu, die Phasen mit einem abrupten Übergang zu wechseln. Bei einem reinen Sachthema ist dies gut möglich, bei großer persönlicher Betroffenheit kann dies gefühlsmäßig jedoch schwierig werden und den Fortgang belasten. Je nach Thema und Teilnehmerzahl besteht bei sehr kurzen Zeiträumen (1 Tag oder weniger) zusätzlich die Gefahr, dass die Zukunftswerkstatt in allen drei Phasen auf Verwirklichung eine rationale Stoffsammlung zum Thema reduziert wird, da intuitive und spielerische, künstlerische und praktische Methoden zu viel Zeit benötigen. Gerade in diesen - den »Werkstatt«-Begriff rechtfertigenden - Arbeitsweisen wird aber die wichtige menschliche Begegnung gefördert und in der Kombination mit den eher rationalen Techniken die ganzheitliche Problembearbeitung hergestellt. Jede Zukunftswerkstatt sollte dokumentiert werden, als Arbeitsgrundlage für nachfolgende Treffen oder um Außenstehende zu informieren.

Bei der Vorbereitung von Zukunftswerkstätten ist der Aspekt der Nachhaltigkeit gleich mitzubedenken. Es sollte grundsätzlich immer möglich sein, dass die Impulse aus einer ersten in eine permanente Werkstatt fließen, die auf längere Sicht das Thema bearbeitet. Dies bedeutet auch, dass schon vorher die Möglichkeiten der Ergebnisverwertung geklärt und - wenn nötig - organisatorisch sichergestellt werden (Möglichkeiten der Anhörung, Kenntnisnahme des Protokolls usw.).

Aus vielen Zukunftswerkstätten haben Ideen zu realen Veränderungen in der Lebens- und Arbeitswelt geführt. Die Internationale Bibliothek für Zukunftsfragen (Robert-Jungk-Stiftung) in Salzburg (a.a.0.) sammelt Dokumentationen und Projekte aus Werkstätten und vermittelt bei Bedarf erfahrene Moderatoren.