Pinnwandtechnik

Seite 2: Visualisierung

Das wesentliche Kennzeichen der Arbeitsweise ist die Visualisierung. Der Gruppenprozess wird durch Texte, Bilder, Plakate usw. auch fürs Auge fest gehalten. Indem zusätzlich zu dem üblichen Mund-Ohr-Kanal auch der Auge-Hand-Kanal genutzt wird,

  • wird der Denkprozess der Gruppe bleibend sichtbar,
  • steht das aktuelle Teil-Thema immer vor Augen,
  • sieht jeder seinen Beitrag zur gemeinsamen Arbeit,
  • sind Wiederholungen nicht notwendig,
  • sind auch wichtige Nebengedanken fest gehalten,
  • müssen Diskussionsbeiträge kurz und prägnant sein,
  • sind die sachlichen Argumente von den Personen (und damit von Emotionen) losgelöst,
  • verschwinden Hierarchien hinter anonym geschriebenen Karten,
  • werden sachliche Meinungsunterschiede sichtbar,
  • können später Hinzukommende den Anschluss finden oder bei weiteren Terminen können frühere gut rekapituliert werden,
  • sichert ein Fotoprotokoll der erstellten Plakate eine authentische Dokumentation (nichts kann weggelassen oder hinzugefügt werden).

Damit die beschriebenen Karten von den im Halbkreis vor den 4-6 Pinnwänden sitzenden Gruppenmitgliedern (= 4-6m Entfernung) auch gelesen werden können, gibt es Schreibregeln, die zu beachten sind:

  • Auf jede Karte nur 1 Argument schreiben, damit die einzelnen Argumente auf den Plakaten beliebig angeordnet und verschoben werden können,
  • Groß- und Kleinbuchstaben in Druckschrift verwenden
  • Halbsätze bilden, aber nicht mehr als 7 Worte in 3 Zeilen.

Diese Schreibregeln sichern auch automatisch die Lesbarkeit eines Fotoprotokolls.

Zwei Pinnwände.
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Die Festlegung auf ein gemeinsames Programm, das Sammeln und Gewichten von Problemen und die Verständigung über das weitere Vorgehen können mit folgenden Techniken unterstützt werden:

  • Kartenabfragen (die Teilnehmer beschreiben Karten, die dann aufgehängt und strukturiert werden),
  • Themen- und Problemspeicher (die von den Teilnehmern genannten Themen und Probleme werden gesammelt und aufgelistet, s. Modell rechts),
  • Ein- und Mehrpunktfragen (jeder Teilnehmer vergibt einen oder mehrere Punkte und gewichtet damit Thesen, Fragen oder Ergebnisse),
  • Szenarien (Visualisieren der Bedingungsfaktoren und Handlungsspielräume zu einer vorgegebenen Problemstellung).

Die Kunst des Moderators besteht darin, mit den richtigen Fragen zum richtigen Zeitpunkt eine Debatte unter den Teilnehmern auszulösen. Damit die Fragen Interaktion erzeugen, müssen sie bestimmte Anforderungen erfüllen:

  • Sie sollten Meinungen und Vorschläge, aber kein Spezialwissen erfragen;
  • Sie sollten offen sein und jedem mehrere Antworten ermöglichen;
  • Sie sollten herausfordern und betroffen machen, ohne zu verletzen.

Die ideale Gruppengröße für die Anwendung der Pinnwandtechnik liegt zwischen acht bis zwölf Personen. Größere Gruppen können ein Plenum bilden, das Arbeitsergebnisse präsentiert bekommt und Entscheidungen fällt, die in parallelen Kleingruppen mit dieser Technik erarbeitet wurden.