Wie's wäre, wenn's schön wäre

Ein fantasievoll gekleideter Waschbär springt mit allerlei Accessoires in die Höhe.

Hier sind wir nun endlich in dem Kapitel, von dem man sich den eigentlichen kreativen Durchbruch in der Lösungssuche erhofft. Es wird häufig erwartet, dass mit den Kreativitätstechniken geradezu magisch und völlig unerwartet das »Kaninchen aus dem Hut« gezaubert wird. Diese Erwartung muss nicht verkehrt sein. Ich möchte an dieser Stelle jedoch erneut davor warnen, dass dies allein schon durch »tolle« Kreativitätstechniken bewirkt würde und einem dann als unerklärliches »Wunder« in den Schoß fiele. Erst das Zusammenspiel von kritischer Bestandsaufnahme des Problems, Ideensuche und Realisierungsprüfung bietet die Voraussetzung dafür, dass das Ziel auch erreicht wird.

Die nachfolgend beschriebenen Techniken setzen einen deutlichen Schwerpunkt bei den emotional-intuitiven Methoden im Vergleich zu den rational-analytischen. Der Grund liegt darin, dass die Probleme der Zielgruppe eher von der Art sind, den Sprung "von der Kerze zur Glühbirne" zu schaffen, als den, "systematisch die Leuchtkraft und Brenndauer der Kerze zu verbessern" (Vgl. Problemtypen).

Ein weiterer Punkt sollte ebenfalls als Vorbemerkung angesprochen werden. Ich habe es häufig erlebt, dass Teilnehmer mit großer Vorfreude und hohen Erwartungen in eine Fantasiephase hineingingen und hinterher enttäuscht waren über die ihrer Meinung nach wenig kreativen Ergebnisse.

Neben speziellen Gründen im Einzelfall kann verallgemeinernd auf folgende drei mögliche Ursachen hingewiesen werden:

  • Zu wenig Übung: Wie alle erlernbaren Fertigkeiten im Leben, muss auch das Fantasieren geübt werden. Unbeschwert wie Kinder zu träumen, erlauben wir uns als »vernünftige« Erwachsene nicht. Wir fürchten, als nicht mehr ernst zu nehmende »Spinner« von unseren Freunden, Kollegen, und Vorgesetzten be- bzw. verurteilt zu werden. Mit der weit gehenden Ächtung des Fantasierens in Beruf und Gesellschaft haben wir dieses aber auch ein Stück weit verlernt und müssen es uns langsam, übend wieder zurückgewinnen.
  • Die hohe Erwartung außergewöhnlicher Ergebnisse trübt den Blick für kleine, feine Fortschritte und Entwicklungen. Obwohl als Ergebnis vorhanden, werden sie nicht gesehen oder nicht gewürdigt, weil vergeblich auf das »große Wunder« gehofft wurde. Man sollte sich vorher klar machen, dass Fantasiephasen die Möglichkeit, aber nicht die Gewissheit für sensationelle Lösungen enthalten. Die Wahrscheinlichkeit für die Entdeckung kleiner, feiner Fortschritte und Entwicklungen ist sehr viel größer und realistischer. Wenn sich unter hundert Ideen drei bis fünf kleine »Perlen« befinden, die neu und machbar sind, so war der Prozess bereits erfolgreich. Und selbst wenn der Gewinn »nur« aus neuen Einsichten und mehr Verständnis für das Problem besteht, würde ich die gemeinsame Arbeit schon erfolgreich nennen, weil das Leben damit etwas leichter wird.
  • Manchmal wird Fantasie mit Regellosigkeit verwechselt, und die gemeinsame Arbeit versinkt im »kreativen Chaos«. Man hatte eine Fantasiephase mit toller Stimmung und vielen Erlebnissen, aber am Ende blieben keine greifbaren Ergebnisse zurück. Diese entstehen aber gerade aus der fruchtbaren Spannung zwischen sinnvollen Regeln und dem Freiraum, den sie zur Gestaltung eröffnen.