Spielerische Ideenentwicklung

Der Waschbär steht neben zwei Astronauten auf einem fernen Planeten.

Nachdem wir es gewohnt sind, Problemlösungen sofort auf dem rationalen Verstandesweg zu suchen, beginne ich Fantasiephasen gerne mit dem unbekannten Potenzial der rechten Hirnhälfte, also mit Spiel, Körpersprache, Malen, Gestalten, d.h. eher gefühlsmäßigem und intuitivem Vorgehen bei der Lösungssuche.

Die Einleitung erfolgt z.B. durch eine Zeitreise, live gesprochen vom Moderator zu klassischer Musik, Weltraum- oder Meditationsklängen oder - etwas aufwändiger - vorher als Hörspiel erstellt (Geräuschkulissen zur Film- und Diavertonung gibt es fertig im Handel auf Cassette oder CD). Mit fließendem Übergang wird den Teilnehmern eine Aufgabe gegeben, die das Thema in diesen verfremdeten Zusammenhang der Zeitreise stellt. Zwei Beispiele für derartige Aufgabenstellungen finden sich im Anhang. Warnung: Erliegt der Moderator der Versuchung, seine eigene Fantasie in eine inhaltlich zu detaillierte, konkrete und perfekte Zeitreise zu packen, so besteht die Gefahr, dass die Teilnehmer seine Ideen noch verfeinern und verbessern, statt die Zeitreise als Sprungbrett in ihre eigene Fantasie zu benutzen.

Den Teilnehmern sollten vor Arbeitsbeginn verschiedene »Medien« angeboten werden, in und mit denen sie intuitiv, gefühlsmäßig und spielerisch, einzeln oder in Kleingruppen Lösungen entwickeln können. Nach Interesse und Neigung kann dies z.B. ein Rollenspiel, ein Puppenspiel, eine Pantomime oder ein Sketsch sein, die Erstellung eines Hörspiels oder einer Reportage, die Erfindung eines Märchens, Liedes oder einer Ballade, die Form eines Gedichtes, Reimes oder einer Festrede haben, die Erfindung eines (Würfel-) Spiels, das Malen eines Bildes, die Erstellung einer Collage, eines Plakates oder einer Wandzeitung usw. sein.

Rollenspiel: Zwei Männer diskutieren beim Bier.

Der Vielzahl von Ausdrucksmöglichkeiten werden nur durch den Vorbereitungs- oder Materialaufwand Grenzen gesetzt, der bei all den genannten Medien jedoch gering ist.

Für das Rollenspiel wären ein paar alte Kleidungsstücke, Perücken, Bärte, Hüte und Brillen von Vorteil, aber nicht Bedingung. Für das Puppenspiel lassen sich leicht Handpuppen basteln, zu denen während ihrer Entstehung spontan der Inhalt des Stückes entwickelt wird. Bewährt haben sich hier Butterbrottüten, in die die Hand geschoben wird. Mit Wachsmalkreiden werden auf die Tüten Gesichter gezaubert, Wollreste werden zu Haaren verarbeitet und bunte Pfeifenreiniger, Faden und andere Kleinteile ergeben evtl. notwendiges Zubehör. Mit 1-2 umgekippten und mit Tüchern verhangenen Tischen ist schnell eine Bühne erstellt.

Reportage - Hörspiel: Mikrofone, eine Kassette und ein Radio.

Für das Hörspiel oder die Reportage aus dem Jahr 2010 werden zwei Cassettenrecorder (davon einer tragbar) und mindestens ein Mikrofon benötigt. Musikcassetten verschiedener Stilrichtungen ergeben die Hintergrundmusik oder ermöglichen musikalische Übergänge bei Interviews. Cassetten (CDs) mit Natur- und sonstigen Geräuschen sind im Handel erhältlich und erlauben mit einfachen Mitteln recht eindrucksvolle Toneffekte.

Für Wandzeitungen und Collagen, Bildermalen oder auch das Spieleerfinden werden große Papierbögen benötigt (Makulaturrollen von der örtlichen Tageszeitung, Pinnwand- oder Flipchartbögen), Wachsmalkreiden, Filzstifte, Scheren, Klebstoff und viele alte Zeitschriften mit großen Fotos und Werbeanzeigen zum Ausschneiden.

Bauen und Basteln erfordert einfache Bauklötze, Legosteine, Holzabfälle und sonstiges Bastelmaterial. Interessant ist auch der Inhalt von Mülltonnen, sofern er nicht unappetitlich ist, oder die Fundstücke eines gemeinsamen Spaziergangs in der Umgebung.

Sketch: Vier Personen.

Wichtig für die Arbeitsweise in dieser Phase ist, dass nicht zuerst durch scharfes Nachdenken, rationale Diskussion oder gar Streitgespräche ein inhaltliches Konzept erarbeitet wird, das dann im Nachhinein mit den gewählten Medien dargestellt und umgesetzt wird. Genau umgekehrt soll es hier ablaufen: Im Spielen mit den Medien und dem Material, also beim Theaterspielen, beim Puppenbasteln, beim Zeitschriftenzerschneiden und beim Geräuscheentwickeln, im spielerischen, spontanen Austausch miteinander sollen die innerlich aufkommenden Bilder und Visionen zu gemeinsamen Ideen verknüpft werden. Bei dieser Entwicklungsarbeit haben die Teilnehmer alles Geld, alle Macht, alle Gesetze und alle Helfer, die sie brauchen, um ihre Utopie zu verwirklichen. Sie sind auch nicht an die Schwerkraft und sonstige Gesetze der Physik gebunden, sie haben Zugriff auf Könige und Bettler, Zwerge und Engel, den Bundeskanzler, den Bürger- und den Hausmeister - ein »Unmöglich« gibt es nicht!

So viel Spaß dieses unbegrenzte Fantasieren auch macht, es muss eine Form gefunden werden, die Erlebnisse und Ergebnisse verfügbar und kommunizierbar macht. Zum Teil haben die Medien ja materielle Ergebnisse in Form von Bildern und Texten. Zum Teil sind sie jedoch nur optisch (Aufführungen) oder akustisch (Märchen, Gedichte, Reportage usw.) wahrnehmbar.

Hier muss von Seiten der Moderation dafür gesorgt werden, dass die wesentlichen inhaltlichen Lösungsvorschläge als Ideen (z.B. auf Karten) mitgeschrieben werden, damit sie später für die rationale Ideensuche und Weiterarbeit schriftlich zur Verfügung stehen. Diese Arbeit können der Moderator oder weitere Helfer bei der Präsentation der Ergebnisse leisten, oder sie ist Teil der Aufgabenstellung an die Gruppen (z.B. die Kümmerer, Zeitnehmer, Regelwächter).