Brainstorming

Seite 3: Varianten II

Mit Vernetzung

Wenn die Problemdefinition und -abgrenzung mit den vorgeschlagenen Arbeitsschritten erfolgte, ist als »Abfallprodukt« dieser Vorgehensweise auch bekannt, welche benachbarten Themenfelder das Problem hat, in welchen Gesamtzusammenhang es eingebettet ist und vielleicht sogar, welche Abhängigkeiten und Wechselwirkungen bestehen.

Dies gibt dem Moderator die Möglichkeit, gegen Ende eines Brainstormings diese Vernetzungen anzusprechen und um integrierte Lösungsvorschläge zu bitten, die diesen Abhängigkeiten Rechnung tragen. Damit werden bereits angedachte Lösungen noch präziser ausgearbeitet und in den vernetzten Zusammenhang der Wirklichkeit gestellt.

Mit Rollentausch

Wenn zur Problemdefinition der Arbeitschritt »Problembeschreibung aus verschiedenen Blickwinkeln« gewählt wurde, so liegen bereits Erkenntnisse vor, wie das Problem von anderen Beteiligten gesehen wird (vgl. "Problembeschreibung aus verschiedenen Blickwinkeln").

Beim Brainstorming geht eine Gruppe automatisch von ihrer eigenen Interessenlage aus und übersieht leicht, dass sie bei der Durchsetzung ihrer Lösungen später wieder auf die Interessenlagen der anderen an dem Problem Beteiligten stößt.

Hier kann der Moderator bereits bei der Ideensuche helfend eingreifen, indem er gegen Ende des Brainstormings in einer zweiten Runde die Gruppe zu Rollenwechseln einlädt. Er fragt, wie denn das Problem aus der Sicht von X, Y und Z (z.B. Stadtrat, Verwaltung, Wirtschaft, Bürgerinitiative, Presse) gelöst werden müsse und worauf die wohl Wert legen würden.

Es können auch Rollen von nicht unmittelbar Betroffenen verteilt werden, um die Bandbreite der Ideen zu erhöhen. Der Moderator würde z. B. fragen:

  • Welche Ideen hätte ein kleines Kind zu diesem Problem?
  • Welche Hoffnungen würden Verliebte damit verknüpfen?
  • Wie hätten die Indianer das Problem gelöst?

Alternativ wird nicht die ganze Gruppe gebeten, nacheinander verschiedene Rollen zu spielen, sondern einzelnen Gruppenmitgliedern wird jeweils eine Fremdrolle zugewiesen, und die Gruppe macht mit dieser Verteilung ein zweites, ergänzendes Brainstorming.

Mit Reizworten

Als Einzelmethode - aber auch als Impuls innerhalb eines Brainstormings - können Reizworte als »Sprungbretter« eingesetzt werden. Hier werden zufällig gefundene Begriffe aus anderen Lebenswelten mit dem Thema Problem verknüpft.

Als »Zufallsgenerator« dienen bei dieser Übung ein (Wörter-) Buch, eine Tageszeitung oder andere Drucksachen. Der Moderator stellt den Seitenumfang des Werkes fest (z.B. 300 S.) und bittet nun die TN um den Zuruf einer Zahl zwischen 1 und 300. Er wird nun z.B. das auf der jeweiligen Seite links oben gefundene erste Haupt- oder Tätigkeitswort bekannt geben. Sind auf diese Weise fünf Begriffe ermittelt, so versucht die Gruppe herauszufinden, ob diese Zufallswörter ein »Sprungbrett« sein können für Ideen zur bearbeiteten Problemlage.

Ähnlich wie das Zufallswort funktioniert das »Katalog-Spiel«. Hier wird ein Versandhauskatalog benutzt. Nach dem Zufallsprinzip werden Produkte ermittelt, den Teilnehmern gezeigt und - wie oben - direkt als Gegenstand oder indirekt über Eigenschaften dieser Gegenstände mit dem Problem in Zusammenhang gebracht.

Wichtig: Die Nutzung zur Problemlösung sollte in beiden Fällen sehr großzügig, ungezwungen und spielerisch erfolgen, da man ja nur »Sprungbretter« für neue Ideen sucht. Wenn statt des zufällig gefundenen Hauptwortes ein davon abgeleitetes Tätigkeitswort oder Eigenschaftswort leichter hilft, dann sollte man dieses nehmen. Wenn einem also zu »Konfekt« oder »Auto« gar nichts einfällt, dann vielleicht zu den nahehegenden und damit verbundenen Begriffen »Schokolade« oder »süß« und »Stau« oder »schnell«.