Trainierendes Rollenspiel

Seite 2: Schritt 4-8, Hinweise

Schritt 4: Aufbau des Spielfeldes

Der Raum wird entsprechend der ausgewählten Szene hergerichtet und das Spielfeld klar abgegrenzt.

Schritt 5: Erstes Anspielen der Szene

Die Akteure betreten das Spielfeld. Auf ein Zeichen spielen sie die gewählte Szene, so wie im Fallbeispiel beschrieben. Dieses erste Anspielen der Szene dient der Darstellung der Ausgangssituation, das heißt hier werden noch keine Handlungsmöglichkeiten, wie beispielsweise von den Umstehenden interveniert werden kann oder wie die bedrohte Person reagiert werden kann ausprobiert. Erst im nächsten Schritt geht es um das Experimentieren mit Verhaltens und Handlungsmöglichkeiten.Manchmal ist es notwendig die Szene noch ein zweites oder drittes Mal »einzuspielen«, bis alle das Gefühl haben, so »stimmt's«. Nach dem Einspielen können die SpielerInnen kurz gefragt werden, was ihre aktuellen Empfindungen sind. Achte aber darauf, dass diese Auswertung wirklich kurz ist. Je länger eine Auswertung dauert, desto eher verlieren die AktuerInnen ihre Energie und Lust weiter zu spielen.

Schritt 6: Spielen der Szene und Ausprobieren der Handlungsmöglichkeiten

Auf ein Zeichen hin beginnt die Szene erneut zu laufen. Nun werden die zuvor überlegten Reaktions- und/oder Interventionsmöglichkeiten ausprobiert. Die Spielenden in ihren Rollen erleben die Situation und reagieren auf verbale Äußerungen und auf die konkreten Handlungen so, wie sie es sich überlegt haben bzw. wie sie es für richtig halten.

In den Szenen, in denen Handlungsinitiativen sowohl von der »Opferrolle« als auch der »Zuschauerrolle« (PassantInnen, MitfahrerInnen) ausgehen können, ist es zur besseren Übersicht und klareren Auswertung gut zu vereinbaren, wann das »Opfer« zunächst passiv bleiben soll, damit die anderen ihre Handlungsideen auch ausprobieren können. Das Szenische Spiel endet, wenn eine Spielerin oder ein Spieler ein vereinbartes Stoppzeichen gibt, der Trainer oder die Trainerin die Szene anhält oder wenn die SpielerInnen von sich aus einfach aufhören, weiter zu spielen.

Schritt 7: Auswertung der Handlungs- und Lösungsversuche

Erinnern Sie noch einmal, dass in der Auswertung versucht werden soll,

  • in der Ich-Sprache zu reden,
  • über die eigenen Empfindungen zu reden und nicht über die der anderen
  • nicht zu interpretieren und zu bewerten, sondern zu beschreiben, was der/die Andere getan hat.

Auswertungsfragen können sein:

  • Was fühlen die Einzelnen?
  • Was haben die Handlungen bewirkt?
  • Was ist genau passiert?
  • Was war eskalierend, was deeskalierend?
  • Was hat die »Täter« beeindruckt und wieso?
  • Wie geht es dem »Opfer« und was hätte es eventuell noch gebraucht?


Schritt 8: Zurück zu Schritt 6, solange die Gruppe Lust und Interesse hat

Hinweise: Vor Beginn des Rollenspiels ist es in aller Regel hilfreich, etwas zur Methode des Rollenspiels zu sagen und zur Teilnahme zu ermutigen. Beispielsweise könnten Sie sagen: »Mit der Methode des Rollenspiels können wir im geschützten Raum für uns schwierige Alltagssituationen nachspielen und gemeinsam nach für uns guten Verhaltensmöglichkeiten oder Lösungsmöglichkeiten suchen. Ein Rollenspiel ist

  • ein Spiel, d.h. ihr übernehmt Rollen wie Schauspieler und Schauspielerinnen,
  • ist eine Chance, einfach mal etwas Neues auszuprobieren, was ihr eventuell sonst nicht tun würdet und eine Chance, die Situation mal von einer anderen Seite aus zu betrachten,
  • ist nicht dazu da, den anderen Mitspielenden ihre Rolle hinterher auf's Brot zu schmieren: »Habe ich mir schon gedacht, du hast einen fiesen Charakter«, sondern diejenigen, die eine »Bösewicht-Rolle« übernehmen, geben damit den anderen überhaupt erst die Möglichkeit, mit der Situation zu arbeiten.

Auch hier gilt natürlich, dass jeder und jede jederzeit aus dem Spiel gehen oder das Spiel stoppen kann, wenn ein Punkt erreicht ist, an dem er/sie nicht mehr weitermachen möchte. Wenn ihr das Spiel abbrecht, ist es natürlich auch zu Ende.«

Nach diesen einleitenden Worten können Sie den weiteren Ablauf vorstellen und Freiwillige für die Rollenbesetzung suchen.