Säulen der Konfliktlösung

Seite 2: Säule 1 und 2

Säule 1: Aufmerksamkeit und Wahrnehmung

  • Wahrnehmungsformen und –mechanismen kennen lernen sowie Wahrnehmung und Interpretation unterscheiden können
  • Sensibilisierung für eigene und fremde Körpersprache
  • Erkennen, wie Wahrnehmungen durch Vorerfahrungen eingeschränkt werden
  • Selbstwahrnehmung stärken

Oft wird in Konfliktsituationen mit eingefahrenen Mustern reagiert. Die zur Verfügung stehenden Handlungsmöglichkeiten scheinen sich dann häufig auf Angriff oder Flucht zu reduzieren. Um den Blick zu öffnen für die vielen Möglichkeiten, die zwischen diesen Alternativen liegen, sind Inhalt dieses Trainingsbereiches Übungen, die die Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Formen der Wahrnehmung ermöglichen.

Die Wahrnehmung bestimmt das eigene Verhalten wesentlich mit. Wie wir uns verhalten, hängt zu großen Teilen davon ab, wie wir die uns umgebende Welt wahrnehmen. Wahrnehmung ist ein Prozess, in dem Sinnesempfindungen, Gedächtnisinhalte, Interessen und Gefühle sowie Erwartungen zu entscheidungs und handlungsverwertbaren Informationen organisiert werden.

Zum einen beruht die Wahrnehmung auf den verschiedenen menschlichen Sinnen: Sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen (tasten), zum anderen auf gedanklichen Aktivitäten wie sich etwas Erklären oder Vorstellen, Interpretieren, Vermuten, Denken und Vergleichen.

Entsprechend können drei Wahrnehmungsformen unterschieden werden, die durch Übungen sensibilisiert und gestärkt werden können:

  • innere Wahrnehmung (Gefühle, Selbsteinschätzung): Was spüre/fühle ich? Was empfinde ich?
  • äußere Wahrnehmung (Umgebung, äußere Welt, andere Personen): Was sehe ich? Was höre ich? Was beobachte ich?
  • mediative Wahrnehmung (Phantasie, Assoziationen): Welche Bilder, Phantasien, Erinnerungen, Vorstellungen nehme ich bei mir wahr?

Aufmerksamkeit, ein wacher, bewusster Zustand der Aufnahme- und Auffassungsbereitschaft, ist Voraussetzung für die Wahrnehmung der gegenwärtigen Wirklichkeit (dessen, was jetzt ist).

Säule 2: Eigene Sicherheit und Stabilität

  • Eigene Kraft erfahren
  • Grenzen wahrnehmen, Grenzen setzen
  • Sensibilisierung für unterschiedliche Körperhaltungen
  • Zusammenhang von Körperhaltungen und Gefühl erfahren
  • Selbstbewusst mit der Stimme umgehen
  • Loslassen können, Vertauen aufbauen
  • Eigene Unsicherheiten reflektieren, mit Unsicherheit besser umgehen
  • Über Ängste reden, über neue Umgehensweisen nachdenken und mit Handlungsmöglichkeiten experimentieren
  • Wahrnehmung eigener Aggression und Reflexion ihrer Entstehung
  • Wut ausdrücken und die Kraft in Handlungen umsetzen

In diesem Bereich geht es darum, achtsam die eigenen Gefühle wahrzunehmen, die eigenen Möglichkeiten realistisch einschätzen zu können und sich nicht zu überfordern. Der Blick geht dahin, nach »meinen Lösungen« zu suchen, anstatt etwas zu machen, von dem ich weiß, dass ich es nicht kann. Dann ist es sinnvoller, Hilfe zu holen. Die eigene Risikobereitschaft soll ebenso geklärt werden, wie Maßnahmen für die eigene Sicherheit. Atemübungen, Körperübungen und Wertschätzungsübungen sollen helfen, ein Gefühl für die eigene Mitte zu entwickeln.

Angst lähmt uns in Konfliktsituationen initiativ zu werden, in Bewegung zu kommen und zu handeln. Eigene Agressivität trägt oftmals zur Eskalation einer Situation bei und steht nach unserem inneren Gefühl deeskalierenden Handlungen im Wege.

Wenn wir unsere Angst annehmen und klären, können wir erkennen, dass sie eine nützliche Hilfsquelle ist. Sie zeigt uns unsere Grenzen und unsere Möglichkeiten zu wachsen. Sie kann uns helfen, in Sicherheit zu bleiben und aus dieser Situation heraus mutig zu handeln. Verschiedene Übungen, vor allem der gegenseitige Austausch sollen unterstützen, mit der Angst zurechtzukommen.

Aggression meint zum einen Verhaltensweisen, die bewusst eine Sache oder Person physisch oder psychisch verletzen oder gefährden. Andererseits hat Aggression auch eine positive, konstruktive Seite im Sinne des Sich-Näherns, des An-etwas-Herangehens, des Entdeckens und Erforschens. Ziel eines konstruktiven Umgangs mit Aggressionen ist es, ein alternatives Verhaltensrepertoire zu erlernen. Dazu gehört, mit seinen eigenen Bedürfnissen und Gefühlen sowie mit fremden Aggressionen umgehen zu lernen und sich Konfliktregulierungkompetenzen anzueignen. Gefühle wie Wut, Ärger oder Unmut sollen dabei angenommen und ernst genommen werden, aggressives (schädigendes) Verhalten abgebaut und vermindert werden.