Analyse

Jede Kampagne braucht eine gute Analyse – sie ist die Basis für die Kampagnenstrategie. Je nach Thema und Kampagnenfokus ist es sinnvoll und nötig, vor allem bezüglich der Aspekte Umwelten, Problem & Lösung und Struktur & Prozess tiefer einzusteigen.

Gute Recherche ist unabdingbar

Die Analysephase im Rahmen von Kampagnenplanung ist zumeist ein Prozess, in dem sich Recherche und Analyse von gesammelten Informationen abwechseln. Gute Recherche ist aber unabdingbar. Diese kann fokussiert zu konkreten Fragen erfolgen:

  • Was ist das Problem, wie äußert es sich und wie wird es von verschiedenen Akteuren beurteilt?
  • Welche Lösungen gibt es und werden von wem mit welcher Begründung vorgeschlagen? Welche Kritiken und Alternativen gibt es an und zu den vorgeschlagenen Lösungen?
  • Welche Akteure spielen beim gewählten Thema eine Rolle? Wie äußern sich mögliche Gegner/innen und Befürworter/innen zu dem Thema?
  • Wie berichten die Medien über das Thema? Wie ist der Tenor der Berichterstattung? Wo gibt es Unterschiede in der Berichterstattung, welche Gemeinsamkeiten gibt es?
  • Was lässt sich über relevante Akteure herausfinden? Wie sind sie strukturiert und ggf. verflochten? Vertreten sie zu unserem Anliegen eine einheitliche Position (z.B. Parteien)?
  • Sofern es um die Einflussnahme auf politische Entscheidungsprozesse geht: Wo steht der politische Prozess? Wie weit ist die politische Meinungsbildung im Themenfeld der geplanten Kampagne fortgeschritten? Wann stehen welche Entscheidungen an und von welchem Gremium werden sie getroffen? Was wurde bisher diskutiert bzw. entschieden?
  • Öffentlichkeit: welcher Kenntnisstand und welche Meinungen gibt es in der (Fach-)Öffentlichkeit unserem Anliegen gegenüber? Gibt es repräsentative Umfragen zum geplanten Thema der Kampagne?

In der Praxis hat es sich bewährt, zu jedem dieser Themenkreise (nach Bedarf können weitere Fragestellungen hinzu kommen) zunächst den eigenen Wissenstand zu sammeln und dann gezielt zu recherchieren.

Recherche heißt aber mehr, als nur das Internet zu befragen. Sicherlich lassen sich in Online-Medien und den Webseiten von Firmen, Parteien, Ministerien oder NGOs viele relevante und nützliche Informationen finden, beispielsweise Studien oder Ähnliches. Aber für die Analyse ist es darüber hinaus in den allermeisten Fällen auch nötig, Menschen zu befragen, die sich im Themenfeld der geplanten Kampagne auskennen. Dies können z.B. erfahrene Fachreferent/innen von NGOs sein, die »ihr Themenfeld« oft schon über Jahre bearbeiten. Eine Übersicht dieser »gut informierten« und oftmals rar gesäten Expertinnen und Experten ist eine eigene Rechercheaufgabe. Diese Expert/innen zu kennen, kann für den späteren Verlauf der Kampagne sehr sinnvoll sein. Zugleich können sie bzw. die durch sie repräsentierten Organisationen auch zu potentiellen Bündnispartner/innen avancieren, wobei eine solche »Bündnisfrage« vorher gut überlegt sein muss.

Symbol: »Tipp« (eine stilisierte Glühbirne)

Dennoch: Keine Scheu vor dem direkten Kontakt und Gespräch.

Analyse = Systematisieren und Bewerten von Informationen

  • Bezüglich Problem & Lösung kristallisiert sich ein (Kern-)Problem heraus, das konkret benannt und auch in seinen Dimensionen beschrieben werden kann. Für dieses Kernproblem liegt eine Lösung vor.
  • Hinsichtlich des Akteursumfelds zeigt sich ein klares Bild: welche Akteure sind potentielle Bündnispartner/innen, welche Zielgruppe(n) sollen angesprochen und erreicht werden? Klar ist auch, wer potentielle Gegner/innen der Kampagne sind (hierfür muss aber das Ziel der Kampagne klar sein).
  • Für besonders relevante Akteur/innen zumindest aber für die vermutlichen Kampagnengegner/innen hat das Kampagnenteam ein vertieftes Verständnis von deren Stärken und Schwächen, Ressourcen, internen Strukturen und möglichen Verwundbarkeit erarbeitet.   
  • Bezüglich des politischen Prozesses (sofern relevant) weiß das Kampagnenteam, wann welche Entscheidung von wem vermutlich getroffen wird und welche Entscheidungswege dem voraus gehen. Das Team weiß, wo auf diesem Weg mögliche Interventionspunkte sind.
  • Bezüglich der Ressourcen der eigenen Organisation verfügt das Kampagnenteam über eine belastbare Einschätzung, welche eigenen personellen, finanziellen und sonstigen Ressourcen voraussichtlich bereit gestellt werden können.