Chancen und Risiken

Zivilgesellschaftliche Bündnisse und Vernetzungen sind in bundesweiten und internationalen Zusammenhängen ebenso anzutreffen wie auf der lokalen Ebene. Meist handelt es sich dabei um Kampagnenbündnisse, die zum Erreichen eines bestimmten Ziels temporär zusammenarbeiten. Aber auch institutionelle und auf Dauer angelegte Bündnisse spielen mehr und mehr eine wichtige Rolle. Das Eingehen von Bündnissen bietet einige Chancen, aber auch Herausforderungen für die Kooperationspartner/innen.

Chancen

  • Bündnisse sind in der Regel mehr als die Summe ihrer Teile.
  • Bündnisse stärken die inhaltliche Überzeugungskraft einer Idee.
  • Starke Bündnisse erhöhen die Erfolgsaussichten, ein gemeinsam definiertes Ziel zu erreichen.
  • Bündnisse erleichtern es, vorhandene Ressourcen effektiver zu nutzen.

Bündnisse tragen in der Regel dazu bei, die öffentliche Aufmerksamkeit für ein Thema zu steigern. So kann beispielsweise der Zugang zu Presse oder der Kontakt zu Entscheidungsträger/innen über unterschiedliche Bündnispartner erfolgen. Durch die Öffentlichkeitsarbeit der einzelnen Beteiligten lässt sich eine breitere Öffentlichkeit herstellen und mobilisieren, um z.B. mehr Aktive für Aktionen im Rahmen einer Kampagne zu gewinnen. Unbestreitbar können durch Bündnisse die einzelnen Aktivitäten und Projekte der beteiligten NGOs und Initiativen besser koordiniert und gebündelt werden.

Symbol: »Tipp« (eine stilisierte Glühbirne)

Durch Bündnisse kann mehr Druck und Sichtbarkeit für ein Thema erzeugt werden.

Um diese positiven Effekte mitnehmen zu können, müssen sich die Organisator/innen eines Bündnisses zugleich einer ganzen Reihe von Herausforderungen stellen.

Herausforderungen

Ein in der Praxis oftmals anzutreffendes Problem ist, das intern oder in der Öffentlichkeit der Eindruck entsteht, ein Bündnis würde von einem oder von wenigen Bündnispartner/innen dominiert.

Ob richtig oder falsch: eine solche Einschätzung kann die innere Stabilität eines Bündnisses aus dem Gleichgewicht bringen und für Unmut bei den anderen Beteiligten sorgen. Dieser Eindruck kann zwar auch durch die Medien und weniger durch die Organisationen selbst entstehen, ist aber gleichwohl für ein gut funktionierendes Bündnis ein Problem.

Auch die gegenseitigen Vorbehalte einzelner Bündnispartner/innen können zu erheblichen Spannungen führen.

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Je mehr Organisationen sich in einem Bündnis engagieren, desto heterogener wird es. Nicht immer gelingt vor diesem Hintergrund die konfliktfreie Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure, wenn beispielsweise lose verfasste basisdemokratische Gruppen auf hierarchisch organisierte traditionelle NGOs treffen.

Die in einem Bündnis notwendige Abstimmungskultur und (inhaltliche) Kompromissfähigkeit gilt es deshalb entlang den zum Teil unterschiedlichen Organisations- und Entscheidungsstrukturen der beteiligten Organisationen demokratisch zu gestalten. Wenn es einem Bündnis nicht gelingt, die zwangläufig vorhandenen unterschiedlichen Handlungslogiken der Mitgliedsorganisationen zielgerichtet zusammenzuführen, ist die Handlungsfähigkeit in Gefahr.

Klar ist aber auch: keine Organisation oder Initiative ist gezwungen, Teil eines Bündnisses zu sein. Wenn die inhaltlichen und organisationsspezifischen Unterschiede als zu belastend empfunden werden, ist eine Trennung vielleicht der bessere Weg.

Auch beim Thema Geld hört bisweilen die Bündnisfreundschaft auf. Hier stellen gewisse Restriktionen einzelner Bündnispartner/innen die Gemeinschaft vor Herausforderungen. Dies ist häufig im Bereich des Fundraisings anzutreffen. Hier wird oft heftig über die Frage diskutiert, von wem ein Bündnis Geld annehmen darf und von wem nicht. Auch über die Verwendung von Spenden oder eingesammelten Adressen wird nicht selten gestritten.

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Viele der in diesem Abschnitt exemplarisch geschilderten Herausforderungen lassen sich im Vorfeld mit einer klaren Herangehensweise und mithilfe klarer Absprachen verhindern oder zumindest reduzieren.