Was bedeutet Freiwilligenmanagement?

Freiwilligenmanagement ist als eine Chiffre für Methoden des strukturierten Umgangs mit Freiwilligen in Organisationen zu verstehen. Es umfasst Hilfen zur Koordination und zum Umgang mit den Freiwilligen. Dabei wird die professionell verstandene Begleitung von Freiwilligen idealtypisch auf drei unterschiedlichen Ebenen betrachtet: auf der Ebene des Freiwilligenmanagements, auf der Ebene der Freiwilligenkoordination und auf der Ebene der lokalen Ansprechpersonen.

Gerade bei kleineren und vollständig ehrenamtlich getragenen Organisationen wird im Rahmen von Kampagnen oder Aktionen nicht zwischen den idealtypischen Ebenen von Freiwilligenmanagement und Freiwilligenkoordination unterschieden. Deren Aufgaben und Anforderungen sind oft in einer einzigen Person oder einem ehrenamtlichen Team konzentriert. Für eine gute Freiwilligenarbeit ergeben sich dadurch verschiedene Voraussetzungen und Herausforderungen.

Symbol: »Beispiel« (Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger)

Ein Beispiel: Eine lokale Initiative plant eine Aktion auf dem Marktplatz einer mittelgroßen Stadt, um auf die Folgen des geplanten Autobahnbaus für Menschen und Tiere aufmerksam zu machen. Die neugegründete Initiative ist eine Gruppe aus betroffenen Bürgerinnen und Bürgern. Sie möchte öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema wecken, mehr Menschen aus der Region zum Aktiv-Werden mobilisieren und so politischen Druck erzeugen. Bei solchen Aktionen ergeben sich oft spontan oder geplant große Gestaltungsmöglichkeiten für Freiwillige. Jedoch ist für Freiwillige oder Interessierte, die am Aktionstag neu dazukommen, nicht gleich ersichtlich, an wen sie sich wenden können und wo welche Entscheidungen getroffen werden, weil sich niemand der Aktiven für die Freiwilligen zuständig fühlt. Wenn sich daher eine oder mehrere Aktive als Freiwilligenkoordinator/in verstehen und für die Ansprechbarkeit und Begleitung der Freiwilligen sorgen, trägt dies sehr zum Gelingen der Aktion bei.

In der Gegenüberstellung zum idealtypischen Freiwilligenmanagement wird deutlich: gerade bei stark ehrenamtlich geprägten Initiativen und Organisationen fehlt es bisweilen am Verständnis und den Ressourcen für professionelle Freiwilligenarbeit. Durch die Kenntnis entsprechender Techniken, Methoden und Bausteine des Freiwilligenmanagements – wie sie beispielsweise in den eher formalisierten Organisationsabläufen großer NGOs zur Anwendung kommen – können sie lernen, wie sie die Kraft der Freiwilligen für die Vorbereitung und Durchführung ihrer Kampagnen und Aktionen für beide Seiten gewinnbringend einsetzen können.

Prozess des Freiwilligenmanagements (Quelle: Reifenhäuser/Reifenhäuser 2013).