Exkurs: Mittel sind keine Ziele

»Mittel und Ziele werden gerade beim helfenden Handeln vielfach verwechselt. Die Unterscheidung zwischen beiden scheint kaum geübt. So nannten beispielsweise Mitarbeiter einer Beratungsstelle als wichtigstes Ziel ihrer Arbeit die ›stetige Erhöhung von Personalstellen‹, ohne genaue Angaben über die Entwicklung der Nachfrage oder über messbare Erfolge ihrer Beratungstätigkeit im Verhältnis zum Personaleinsatz machen zu können. Es gab kein definiertes Ziel, an dem die Vertretbarkeit der Forderung ›mehr Personal‹ hätte nachgewiesen werden können. Was allenfalls als Mittel diskutierbar war, wurde zum Ziel ernannt.

Wenn Ziele helfender Einrichtungen überhaupt benannt werden, dann nicht selten so: ›Menschen beistehen‹, ›vertrauensvolle Kontakte herstellen‹ oder ›wohnliche Atmosphäre schaffen‹. Doch auch dies sind Mittel, die das Erreichen bestimmter Ziele, wie der Befähigung zur Selbsthilfe, erst ermöglichen. Ähnlich werden bei Tagen der offenen Tür in Hilfeeinrichtungen Aktionen und Angebote wie ›Informationen geben‹, ›Menschen ansprechen‹ oder ›zum Mitmachen bewegen‹ als Ziel benannt. Auch damit werden nicht Ziele, sondern lediglich Mittel und Wege benannt, um einem Ziel, beispielsweise den Bekanntheitsgrad oder die Akzeptanz der Hilfeeinrichtung zu erhöhen, näher zu kommen.«

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Hartwig Drude: Hilfe als Vertrag, in: Blätter der Wohlfahrtspflege 7,8/94, S. 144