Beispielgeschichte: Das Mühlenviertel BI

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Einleitung

Wenig unterscheidet das Mühlenviertel von anderen mischbebauten Wohngebieten deutscher Großstädte. Auch in der Flüchtlingsthematik gibt es kaum Unterschiede zur allgemeinen Lage in Deutschland. Eine Abschiebung – nur von wenigen bemerkt – ist Auslöser für die Gründung einer Bürgerinitiative, von der wir hier berichten wollen...

Gunda ist 40 Jahre alt und hat vor ihrer Familienphase einige Jahre im Ausland gelebt. An fremden Kulturen und an den Menschen, die diese repräsentieren, ist sie noch heute interessiert. Sie ist Krankenschwester und hatte vor der Geburt ihrer inzwischen fast volljährigen Kinder eine kurze politische Phase in einer Basisgruppe. Aus dieser Zeit rührt ihre – inzwischen längst passive –  Mitgliedschaft in einer der großen Volksparteien.

Inge ist jetzt 52 Jahre und arbeitet freiberuflich als Innenarchitektin. Sie beteiligt sich hin und wieder an Demonstrationen, bisweilen auch an Spontanaktionen, ohne sich allerdings noch einer festen Gruppe zugehörig zu fühlen. Von Revolutionsromantik und ideologischen Scheuklappen hat sie sich ebenso verabschiedet wie von einer früher bestehenden Bindung an eine Partei. Stattdessen hält sie viel von konkretem Eingreifen zu Gunsten von Nachhaltigkeit und einer human und zivil orientierten Gesellschaft. Sie ist dabei, sobald etwas Bekämpfenswertes vor Ort passiert, denn wenn ihr wirklich etwas abgeht, dann der Glaube, dass Politiker/innen es schon richten würden.

Matthias ist 29 Jahre alt und noch Student (Sport). Seine Aktivitäten sind eher lustbetont: Er reist leidenschaftlich gern und viel. Er ist befreundet mit Beate, mit der er auch privat viel gemeinsam unternimmt.

Bastian, 24 Jahre, arbeitet als Koch in einem Feinschmecker-Restaurant. Zusammen mit Berufskollegen engagiert er sich für Dinge, zu denen er persönlichen Zugang hat. Zur Zeit kocht er deshalb einmal wöchentlich ehrenamtlich in einem Flüchtlingswohnheim, ohne darum groß Aufhebens zu machen. Als Skandal empfindet er, dass diese schlechtes Essen auf Einkaufsgutscheine erwerben müssen, statt frische Lebensmittel selbst einkaufen zu können.

Fariba, 32 Jahre, ist Tunesierin. Sie arbeitet als Zahntechnikerin und lebt seit ihrer Geburt in Deutschland. Politisch gearbeitet hat sie – zumal als Ausländerin – noch nie, aber »möchte jetzt auch mal bei so was mitmachen«.

Klaus, 46 Jahre, kann auf eine bewegte politische Karriere als Aktiver in der Anti-Atom-Bewegung und in der Friedensbewegung zurückblicken. Als Lehrer und Vater von zwei Kindern ist ihm sehr am Aufbau zivilgesellschaftlicher Strukturen gelegen. Er glaubt, dass eine demokratische Weiterentwicklung der Gesellschaft nur von unten erfolgen kann.

Beate ist 19 Jahre alt. Sie studiert im ersten Semester Foto-Design und ist leidenschaftliche Salsa-Tänzerin. Bisher ist sie nicht politisch engagiert, aber sie hilft, wo sie kann, z.B. ihrer 90jährigen Nachbarin, für die sie regelmäßig Einkäufe erledigt.