GWA muss Selbstvertretungen stärken

GWA muss Selbstvertretungen stärken

Symbol: »Tipp« (eine stilisierte Glühbirne)

Bewohner/innen mit Migrations- und Fluchterfahrung und ihre Angehörigen sollten als politische Subjekte gesehen und anerkannt werden, die sich nicht ihren Platz in der Gesellschaft zuweisen lassen, sondern diesen gleichberechtigt mitgestalten wollen.

Das Expertenwissen aus sogenannten Einwanderercommunities gilt es in der Arbeit der GWA konsequent mitzudenken und zurate zu ziehen. Der hohe Grad an sozialer und politischer Selbstorganisierung als Ausdruck des Wunsches nach echter Partizipation schafft Strukturen, für die z. B. in stadtpolitischen Netzwerken und Bündnissen Raum geboten werden kann. Mit dieser Herangehensweise können Gemeinwesenarbeiter/innen bei Themen wie »Wahlrecht für Alle« oder »Bleiberecht für Alle« den Raum der Selbstvertretungen mit dem der Stellvertretungen zusammenbringen – als ersten Schritt in eine solidarische und inklusive Nachbarschaft.

Indem Raum für echte Partizipation vorbereitet wird und Zugänge zu Wissen und damit zu sozialen und politischen Rechten vermittelt werden, unterstützen Gemeinwesenarbeiter/innen die Menschen darin, sich selbst als politische und handlungsfähige Subjekte wahrzunehmen. Denn die Entscheidung zur Flucht, ob aus politischen oder sozialen Gründen, ist ein politischer Akt. Der Überlebenskampf auch hier vor Ort, die Suche nach Grauzonen und Schlupflöchern, die Organisierung des Alltags und der Aufbau von informellen Strukturen, das Ausfindigmachen von diesen – all das sind politische Handlungen. Ein Aktivist im Bündnis »Wahlrecht für Alle« sagte in einem Gespräch: »Als ich nach Deutschland kam, legte ich mein Ich als politisches Subjekt ab. Ich hatte keine Stimme mehr, nur noch Hände, die arbeiten sollten.«

Nach wie vor sollen sich Geflüchtete schnell in die Arbeitswelt integrieren, da dies der erste Schritt in die gesellschaftliche Integration sei. Begleitet wird diese Forderung von Debatten um qualifizierte und nicht qualifizierte Geflüchtete. Was ist mit Analphabet/innen, Kranken, Beeinträchtigten und Älteren unter den Geflüchteten? Ja, Arbeit ist ein Baustein auf dem Weg in diese Gesellschaft, so wie für andere Gruppen auch.

Aber der erste Schritt wäre die Stärkung der Menschen als selbstbestimmte, selbstwirksame und aktive Mitglieder dieser Gesellschaft, als politische Subjekte, die Rechte haben und dieser nicht erneut beraubt werden dürfen – unabhängig davon, ob sie Lohnarbeiter/innen sind oder nicht. Hier kann bzw. könnte Gemeinwesenarbeit einen wesentlichen Beitrag leisten. Arbeit, Wohnen und Bildung sind Bausteine, die auf diesem Fundament aufbauen.

Symbol: »Tipp« (eine stilisierte Glühbirne)

Die Aufgabe von Gemeinwesenarbeiter/innen sollte vor allem darin bestehen, die Frage nach menschenwürdigem, bezahlbarem Wohnen, nach gerechten Löhnen und guten Arbeitsbedingungen und nach einem inklusiven Bildungssystem ohne Klassismus und Rassismus öffentlich zu stellen. Diese Fragen sollte die GWA in die Öffentlichkeit tragen und dabei deutlich die Überschneidungen zu anderen marginalisierten Gruppen aufzeigen und die Ursachen der stattfindenden Verteilungskämpfe benennen.