Notwendige Ressourcen der Gemeinwesenarbeit

Notwendige Ressourcen der Gemeinwesenarbeit

Professionelle Gemeinwesenarbeiter/innen

Um Veränderungsprozesse im Sozialraum zu begleiten, braucht es ein professionelles, interkulturelles Team aus Gemeinwesenarbeiter/innen mit Festanstellung und langfristiger Perspektive. Die anspruchsvollen Aufgaben im Sozialraum erfordern eine umfassende Auseinandersetzung mit theoretischen Inhalten (Inklusions- und Integrationskonzepten, Diversität, Empowerment, Soziales Kapital, Sozialraumorientierung, Raumtheorien) und methodischem Handwerkszeug.

Lokale Räumlichkeiten

Um lokal vor Ort arbeiten zu können, benötigen die Gemeinwesenarbeiter/innen einladende und barrierefreie Räume. Diese sollten am besten an einem zentralen Platz oder Markt gelegen sein, wobei mehrere Räume für die verschiedenen Nutzungen benötigt werden. In einigen Gebieten gibt es bereits Stadtteilzentren und Nachbarschaftshäuser mit etablierten Strukturen, in denen Begegnungen stattfinden. Diese gilt es, ggf. für weitere Nutzer/ innen zu öffnen und um weitere dezentrale Nachbarschaftstreffpunkte zu ergänzen. Im Bereich und Umfeld von Einrichtungen zur Unterbringung sowie in Quartieren, in denen Geflüchteten neu hinzuziehen, ist der Aufbau neuer Nachbarschaftstreffpunkte erforderlich. So können sich die neuen Nachbar/innen auf neutralem Boden begegnen und kennenlernen.

Langfristige statt kurzfristige Finanzierung

Veränderungsprozesse im Stadtteil zu begleiten und umzusetzen, erfordert Zeit. Auch der Aufbau vertrauensvoller Beziehungen in heterogenen Nachbarschaften muss wachsen. Daher ist für heterogene oder/und sich verändernde Gebiete eine langfristige Finanzierung und Planungssicherheit statt einer kurzfristigen, projektbezogenen Finanzierung wichtig.

Budget für Verantstaltungen und Material

Für die Arbeit im Sozialraum muss eine angemessene Ausstattung der Nachbarschaftsräume gewährleistet werden. Weiterhin wird ein unbürokratisch zu verwaltendes Budget benötigt, um kreative und innovative Prozesse und Begegnungen zu ermöglichen.

Träger/innen

Mögliche Träger/innen von inklusiver Gemeinwesenarbeit sind Vereine, Migrant/innenorganisationen, freie Träger/innen, Städte, Baugenossenschaften, kooperative Trägerstrukturen oder hochschulnahe Institute.

Kooperation und Forschungsprojekte

Der fachliche Austausch der Akteur/innen in den neuen Nachbarschaften soll durch Netzwerkstrukturen und Tagungen verstärkt gefördert werden. Zur Begleitung der sozialräumlichen Veränderungsprozesse müssen Forschungsprojekte zwischen Hochschule und Praxis zeitnah auf den Weg gebracht werden.

Symbol: »Tipp« (eine stilisierte Glühbirne)

Gemeinwesenarbeit fungiert als eine Art Seismograf im Stadtteil, erkennt frühzeitig aktuelle Themen und Probleme und weist Politik sowie Verwaltung auf (strukturelle) Probleme im Stadtteil hin. Die Gemeinwesenarbeiter/innen sind also auch als intermediäre Mittler/innen zwischen Bewohner/innen und Verwaltungsebene tätig. Gleichzeitig wird maßgeblich an Beziehungs- und Bildungsprozessen im Stadtteil gearbeitet. Die Investition in Empowermentprozesse für alle Menschen ist eine gesellschaftliche Pflichtaufgabe und ein wesentlicher Beitrag, um Ungleichheiten auszugleichen bzw. zu reduzieren. Diese Investitionen kommen allen Menschen vor Ort zugute, da sie sich positiv auf das soziale Miteinander und Zusammenleben der Menschen im Stadtteil auswirken. Damit wird einer wachsenden (sozialen) Spaltung etwas entgegengesetzt. Um zu lebendigen, vielfältigen, zukunftsfähigen Nachbarschaften zu gelangen, gilt es, das Konzept der Gemeinwesenarbeit zu (re-)aktivieren und systematisch auszubauen.