Die Selbstdarstellung der Organisation

Seite 1: Fragen des Gebers, Vertrauen, Kompetenz

In allen Fördermittelanträgen taucht die Frage auf: Wer sind Sie eigentlich? Der Geber möchte wissen, wer von ihm eine finanzielle Förderung erhalten möchte. Eine berechtigte Frage. Das bedeutet: Sie müssen Ihre Organisation beschreiben. Gängige Aufforderungen und Fragen sind beispielsweise:

  • Beschreiben Sie die antragstellende Institution.
  • Profil der antragstellenden Organisation oder Gruppe.
  • Selbstdarstellung der Organisation, die das Projekt durchführt.


Bevor Sie mit der Selbstdarstellung beginnen, sollten Sie sich in die Perspektive des Gebers versetzen. Was interessiert diesen am meisten?

Die großen Fragen des Gebers

Drei Fragen sind für den Geber von besonders großem Interesse:

  • Kann ich der Organisation vertrauen?
  • Ist die Organisation kompetent?
  • Können wir Freunde werden?

1. Vertrauen

Ein Geber trifft mit einer geförderten Organisation eine Vereinbarung. Ein Bestandteil dieser Vereinbarung ist, dass der Geber der Organisation Geld zur Verfügung stellt. Aus diesem Grund stellt sich der Geber die Frage:

Kann ich der Organisation vertrauen? Oder anders formuliert: Wird sich die geförderte Organisation an unsere Vereinbarung halten und ihren Teil der Verpflichtungen erfüllen?

Warum ist es so wichtig, dass der Geber Ihnen vertrauen kann? Hat ein Geber eine Zuwendung gewährt, so ist es sehr umständlich, die Finanzmittel wieder zurückzuverlangen. Dies findet in der Regel nur bei schwerwiegenden Verstößen gegen die getroffene Vereinbarung statt. Oft ist eine Rückzahlung schlichtweg unmöglich, weil das Geld während der Projektlaufzeit ausgegeben worden ist. Der Geber müsste in eine juristische Auseinandersetzung gehen. So etwas macht erstens keinen Spaß, und zweitens sind die Chancen, das Geld zurückzuerhalten, minimal.

Zudem können Geber die Aktivitäten von laufenden Projekten nur eingeschränkt kontrollieren. Auch größere fördernde Einrichtungen haben gar nicht die Ressourcen, ständig jemanden vorbeizuschicken, der Ihnen auf die Finger schaut. In der Regel erfolgen detaillierte Prüfungen fast ausschließlich auf der Ebene der Buchhaltung. Inhaltliche Aktivitäten werden meistens durch mehr oder weniger umfangreiche Berichte nachgewiesen.

Es kommt hinzu, dass es gerade in sozialen Projekten oft schwierig oder aufwändig ist, den Erfolg eines Projekts zu überprüfen. Wenn ein soziales Projekt zum Ziel hat, das friedliche und tolerante Miteinander von Menschen in einem Stadtteil zu fördern – wie soll man das messen?

Aus diesen Gründen muss Ihnen der Geber Ihrer Organisation vertrauen können. Er muss sich sicher sein können, dass Sie mit den bereitgestellten Fördermitteln tatsächlich engagiert das Ziel des Projekts verfolgen. Die Informationen über Erfolg und Misserfolg des Projekts erhält er überwiegend von Ihnen.

Anträge von Organisationen mit zweifelhaftem Ruf oder schlechten Referenzen werden deshalb in der Regel sofort abgelehnt. Der Geber wird Ihnen mehr Vertrauen entgegenbringen, wenn Ihre Organisation bereits bekannt ist und Sie sich durch ihre Arbeit einen guten Ruf erworben haben.

2. Kompetenz

Die nächste Frage, die sich der Geber stellt, zielt auf Ihre Kompetenzen: Ist dieser Akteur kompetent genug, um das Projekt erfolgreich durchzuführen?

Dies ist nicht schwer zu verstehen. Der Geber sucht jemanden, der »den Job gut macht«. Er wird sich hüten, sein Geld einer wenig kompetenten Organisation anzuvertrauen. Da niemand in die Zukunft blicken kann (außer der Schildkröte Cassiopeia im Roman Momo), dienen häufig Informationen aus der Vergangenheit dazu, um darauf zu schließen, ob eine Organisation Ihren Job gut machen wird. Dieses Prinzip kennen Sie wahrscheinlich von individuellen Bewerbungen um einen Arbeitsplatz. Aus genau diesem Grund werden in Projektanträgen Referenzprojekte von Organisationen angegeben.