Exkurs: Budget und Finanzen

Seite 10: Honorare, Unteraufträge, Ausgewogenheit

Honorare und Vergabe von Unteraufträgen

Die Vergabe von Unteraufträgen (auch Subcontracting) oder die Zahlung von Honoraren an Dritte muss bereits im Antrag angekündigt werden. Eine solche Weitergabe von Mitteln wird oft nur in einer bestimmten Größenordnung akzeptiert – wenn überhaupt. Dies erwähne ich explizit, weil es Organisationen gibt, die auf die folgende Idee kommen: »Wir wollen einen innovativen Webservice erstellen. Dazu hätten wir als koordinierende Organisation gerne 5.000 Euro. 30.000 Euro vergeben wir dann an die Programmieragentur, die die technische Umsetzung übernimmt.« Vielleicht ist dies der sinnvollste Weg, um das Projekt zu realisieren. Für viele Fördermittelgeber verstößt diese Aufteilung gegen das Prinzip der Ausgewogenheit. Sie erwarten, dass das Budget von den antragstellenden Organisationen »umgesetzt« wird. Diese sollen die Hauptarbeit im Projekt leisten. Subcontracting beschränkt sich auf eingegrenzte Aufgaben, für die eine spezielle Expertise vonnöten ist, über die die Partner des Konsortiums nicht verfügen.

Der Fördermittelgeber schließt einen Vertrag mit den antragstellenden Organisationen ab. Auf der Grundlage dieser Vereinbarung kann der Geber die Antragsteller kontrollieren und gegebenenfalls zur Rechenschaft ziehen. Die Empfänger von Unteraufträgen werden hingegen nicht vom Fördermittelgeber ausgewählt und kontrolliert, sondern von den Zuwendungs­empfängern selbst. Also beispielsweise von Ihnen. Aus diesem Grund achten die Geber darauf, dass die Aufträge an Dritte ein bestimmtes Maß nicht überschreiten – wobei gegebenenfalls mit dem Geber zu klären ist, was ein »bestimmtes Maß« ist.

Die meisten Fördermittelgeber möchten nicht, dass die Fördermittel bei Ihnen als Vertragspartner lediglich einen durchlaufenden Posten bilden und direkt bei gewerblichen Anbietern landen. Beim Beispiel oben stellt sich die Frage: Warum ist dieser Subcontractor nicht Projektpartner geworden, wenn er soviel Arbeit im Projekt übernimmt?

Ausgewogenheit

In einem Projekt, an dem mehrere Organisationen beteiligt sind, sollten die Budgetanteile der Partner in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen. Natürlich kann ein Partner auch ein größeres Budget bekommen, wenn er mehr Verantwortung im Projekt oder aufwändigere Aktivitäten übernimmt. Manche Fördermittelgeber veröffentlichen zu dieser Frage Vorschriften und Regeln. Meist ist es eine Frage des gesunden Menschenverstandes, ob die Verteilung eines Budgets ausgewogen ist oder nicht.

Ein Beispiel: In einem Projekt geht es um den gleichberechtigten inhaltlichen Austausch von fünf europäischen Organisationen zu einem bestimmten Thema. In diesem Fall ist es erklärungsbedürftig, wenn die koordinierende Organisation 70 % des Budgets für sich beansprucht und die anderen vier Organisationen sich den Rest teilen dürfen.