Tipps und Tricks für einen prägnanten Schreibstil

Seite 4: Tipps und Tricks für gutes Schreiben

Tipps und Tricks für gutes Schreiben

Hier werden nun einige Techniken vorgestellt, die Ihnen dabei helfen sollen, Ihren Schreibstil zu verbessern. Betrachten Sie diese Vorschläge als einen Werkzeugkasten, aus dem Sie sich bedienen können. Es geht um stilistische Fehler, die beim Schreiben von Projektanträgen häufig auftreten.

1) Aus eins mach zwei. Machen Sie kurze Sätze

Lesen Sie bitte den folgenden Satz. Es handelt sich um einen Auszug aus einem Antrag für ein fiktives Bildungsprojekt.

Symbol: »Beispiel« (Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger)

Im Schiller-Kiez, der als der ärmste Stadtbezirk von Musterstadt gilt und der von einer Vielzahl von Herausforderungen geprägt ist, lebt ein hoher Anteil von Menschen, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind oder die von Armut bedroht sind, wobei letzteres nach Auskunft des Statistischen Landesamtes (Stand von 2008) auf 30 % der im Kiez lebenden Familien zutrifft.

Dieser Satz ist nicht schlecht geschrieben und gewinnt durch seine Verschachtelung sogar einen nahezu akademischen Charakter. Aber er ist nicht prägnant. Stellen Sie sich vor, Sie müssten den ganzen Tag solche Satzgebilde lesen.

Schreiben Sie lieber mehrere kurze Sätze als einen langen. Kurze Sätze sind angenehmer zu lesen.

Zum Beispiel so:

Symbol: »Beispiel« (Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger)

Der Schiller-Kiez gilt als der ärmste Stadtbezirk von Musterstadt. Er ist geprägt von einer Vielzahl von sozialen Herausforderungen. Dazu gehört ein hoher Anteil an Menschen, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. 30 % der Familien, die im Schiller-Kiez leben, sind von Armut bedroht (Quelle: Statistisches Landesamt, 2008).

Vielleicht denken Sie: Auf den ersten Blick wirkt die erste Version seriöser. Ich rate Ihnen dennoch zu kurzen Sätzen. Sie bringen mehr »Energie« in den Text. Darüber hinaus bleiben Sie einfacher im Gedächtnis haften, wenn Gutachter/innen den Text nur überfliegen oder »quer lesen«. Und damit müssen Sie rechnen.

2) Vermeiden Sie Einschübe.

Was ist damit gemeint? Nehmen wir den folgenden Satz:

Symbol: »Beispiel« (Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger)

Das Konzept für die Weiterbildungsmaßnahmen haben die beteiligten Organisationen, zu denen die Handelskammer, zwei in den erwähnten Berufsfeldern tätige Ausbildungseinrichtungen und ein Oberstufenzentrum für Maschinenbau zählen, über einen Zeitraum von drei Jahren in gemeinschaftlicher Zusammenarbeit entwickelt.

Dieser Satz ist einerseits zu lang, aber was macht ihn besonders schwer verdaulich? Sie müssen sich als Leserin durch das gesamte Satzgebilde bis zum Ende durchquälen, um die Information zu bekommen, was die beteiligten Organisationen mit dem »Konzept« angestellt haben: Sie haben es »entwickelt«.

Das entscheidende Verb fällt erst am Ende des Satzes. Ein Leser bleibt in der Mitte stecken und sucht nach dem rettenden Verb.

Auch wenn Sie ein Fan von Thomas Mann sind: Vermeiden Sie solche Satzkonstruktionen. Setzen Sie Satz auf Satz wie einen Stein auf den anderen. Aus den Einschüben, die Subjekt, Objekt und Verb in einem Satz auseinanderziehen, können Sie eigene Sätze formen.

Symbol: »Beispiel« (Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger)

Die beteiligten Organisationen haben das Konzept für die Weiterbildungsmaßnahmen gemeinschaftlich entwickelt. Diese Zusammenarbeit fand über einen Zeitraum von drei Jahren statt. Beteiligt waren die Handelskammer, zwei Ausbildungseinrichtungen aus den erwähnten Berufsfeldern und ein Oberstufenzentrum für Maschinenbau.