Tipps und Tricks für einen prägnanten Schreibstil

Seite 2: (Fach-)Sprache

Die richtige Sprache finden

Im angelsächsischen Sprachraum bedient man sich der Redewendung: »When in Rome do as the Romans do.« Das heißt: Je nachdem, an welchen Geber Sie sich wenden, kann es nützlich sein, sich eines bestimmten Schreibstils zu bedienen. Wenn Sie sich mit einem Jugendprojekt bewerben, dann kann der Stil durchaus etwas jugendlicher und frischer sein. Dies erreichen Sie z. B. indem Sie kurze Sätze verwenden und die »Wir«-Form. Die einzelnen Stilmittel sind unten erläutert.

Damit ist allerdings nicht die Verwendung von umgangssprachlichen Redewendungen gemeint (»Wir finden Integration voll cool!«). Umgangssprache hat in einem Antrag auf Fördermittel nichts zu suchen.

Wenn das Fördermittelprogramm von einem Geber verwaltet wird, der sich durch eine etwas »trockerene« Organisationkultur auszeichnet (z. B. eine Behörde), dann kann die Sprache durchaus nüchterner und technischer sein. Weiterhin kann es hilfreich oder sogar notwendig sein, dass Sie Fachbegriffe im Text unterbringen – vorausgesetzt, Sie können sich sicher sein, dass die Adressaten die Bedeutung der Begriffe kennen. Auch darauf wird weiter unten eingegangen.

Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. Adressieren Sie also den Geber in »seiner Sprache«. Dazu gehört auch die Verwendung von »Buzzwords«. Ob und in welchem Ausmaß Sie Ihre Schreibweise anpassen, ist Ihre Entscheidung. Bleiben Sie in jedem Fall authentisch. Wenn Sie zu opportunistisch formulieren, dann bekommen Sie Bauchschmerzen, wenn Sie Ihre eigenen Texte lesen und was für ein Projekt soll daraus entstehen?

Verwendung von Fachsprache

Spannend ist die Frage, ob diejenigen, die Ihren Antrag lesen, Fachexperten sind oder nicht. In den meisten Fällen sind die Gutachter/innen mit dem Thema vertraut, kennen aber nicht jeden einzelnen Aspekt davon. Die Zeit der Universalgenies ist vorbei. Beschreiben Sie also das Problem allgemeinverständlich – es sollte einer breiten Gruppe von Adressaten mit einer gewissen Vorbildung verständlich sein. Wenn es in Ihrem Text von Fachbegriffen und komplizierten Argumentationen nur so wimmelt, besteht die Gefahr, dass die Gutachter/innen Ihr Vorhaben schlichtweg nicht verstehen und es aus diesem Grund ablehnen.

Ein Beispiel:

Symbol: »Beispiel« (Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger)

Sie erörtern in der Einleitung zu einem Antrag, dass deutsche Schüler/innen bei textimmanenten Verstehensleistungen hohe Werte aufweisen, wohingegen der Wert für wissensbasierte Verstehensleistungen vergleichsweise niedrig ist (Mittelwertdifferenz für alle Bundesländer signifikant (p < .05)).

Hier ist Vorsicht angebracht. Ein Gutacher, der kein Experte auf diesem Gebiet ist, wird Schwierigkeiten haben, die Bedeutung dieses Satzes zu verstehen. Es handelte sich übrigens um ein Ergebnis der Lesestudie IGLU-E von 2006. Streichen Sie den Satz lieber wieder, wenn es sich bei Ihrem Projekt nicht um eine Studie oder eine eng umrissene fachspezifische Ausschreibung handelt.

Andererseits kann ein Fachausdruck hier und dort Ihre Kompetenz unterstreichen. Generell empfiehlt sich das folgende Vorgehen:

  • Verwenden Sie allgemeinverständliche Begriffe und Formulierungen.
  • Wenn Sie Fachausdrücke verwenden, dann verwenden Sie solche, unter denen sich die Leser/innen noch etwas vorstellen können, selbst wenn sie nicht mit der wissenschaftlichen Bedeutungen dieser Begriffe vertraut sind (z. B. »Lesefähigkeiten« oder »Lesekompetenz«).
  • Vermeiden Sie hingegen Fachbegriffe, deren Bedeutung ausschließlich von einem Expertenpublikum verstanden wird. Dies gilt besonders für juristische oder wissenschaftliche Fachausdrücke.

Ausnahmen bilden eng umrissene, fachspezifische Ausschreibungen, die von herausragenden Persönlichkeiten ihres Fachgebietes bewertet werden. Hierzu zählen auch wissenschaftliche Studien. Hier dürfen und sollen Sie demonstrieren, wie tief Sie in die komplexen Zusammenhänge eingedrungen sind. Werfen Sie in diesem Fall ruhig mit Fachbegriffen um sich.