Die Arbeit am Antrag planen

»Now I stay awake all night - I wish I‘d seen this coming«
(Die amerikanische Band »Warrant« in dem Song »Ultraphobic«)

Es ist aufwendig, einen Fördermittelantrag zu schreiben. Was muss alles getan werden, bis Sie den fertigen Antrag in den Briefkasten werfen können? Sie müssen

  • ein gutes Projektkonzept entwickeln.
  • längere Texte verfassen.
  • das Projektbudget des Antrags erstellen.
  • sich mit Partnerorganisationen (wenn es welche gibt) abstimmen und nicht zuletzt
  • den gesamten administrativen Aufwand der Antragstellung bewältigen, wie z. B. die Zusammenstellung von Dokumenten, die Beschaffung von Unterschriften oder der Kampf mit elektronischen Formularen, die sich seltsam verhalten.

In der Regel planen Non-Profit-Organisationen diesen Prozess nicht. Sehr viele Organisationen scheitern daran, Fördermittel einzuwerben, weil nicht genügend Zeit oder personelle Ressourcen für diese Aufgaben zur Verfügung stehen. Die Konsequenz ist, dass

  • Anträge nicht fertig werden und der Prozess abgebrochen werden muss,
  • die Deadline für die Einreichung verpasst wird.

Mangelhafte Zeitplanung ist der häufigste Grund, warum Antragstellungen im Sande verlaufen. Vermeiden Sie diesen Fehler, in dem Sie realistisch planen. Zeitplanung ist der entscheidende Faktor.

Verfügen Sie über die notwendigen Ressourcen?

Das erste, was Sie tun können, ist: Machen Sie sich klar, dass Sie Zeit benötigen, um einen Projektantrag zu erstellen.

Der Zeitaufwand steigt mit der Höhe der Förderung. Die Arbeiten für den Antrag eines großen mehrjährigen Projekts ziehen sich über Monate hin. Aber auch der Antrag von ein paar Tausend Euro bei einer Stiftung wird Sie mindestens einige Tage oder sogar Wochen kosten, wenn Sie kein Profi sind.

Eine Sonderstellung nimmt jegliche Art von EU-Förderung ein. Hier gilt die Regel: Der Aufwand für den Antrag eines kleinen Projekts ist groß, der Aufwand für den Antrag eines großen Projektes mit mehreren internationalen Partnern ist gigantisch.

Stellen Sie sicher, dass Sie über diese zeitlichen Ressourcen verfügen, bevor Sie sich an die Arbeit machen. Mangelt es an Ressourcen, organisieren Sie sich unbedingt kompetente Unterstützung. Oder stellen Sie sich auf schlaflose Nächte ein.

Zeitplanung: Setzen Sie sich Ihre eigenen Deadlines

Wenn Sie sich dazu entschieden haben, loszulegen, dann benötigen Sie einen vorläufigen Zeitplan. Als Erstes sollten Sie das Datum festlegen, an dem der Antrag fertig sein sollte. Sie wissen bereits, dass es bei den meisten Antragsverfahren eine Antragsfrist (Deadline) gibt, also ein bestimmtes Datum, nach dem keine Anträge mehr entgegengenommen werden.

Es ist ratsam, dass Sie sich Ihre eigene Deadline setzen. Idealerweise sollte dieses Datum vor der offiziellen Deadline liegen. Manche Leute verfügen leider nicht über die Fähigkeit, sich eigene Termine zu setzen. Sie benötigen äußeren Druck, um Arbeiten zum Abschluss zu bringen. Falls Sie zu diesen Menschen gehören: Genießen Sie die Nachtschichten, siehe oben.

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Letztlich ist eine offizielle Frist auch nur ein Datum. Sie könnte an einem beliebigen anderen Tag sein. Wählen Sie sich Ihr eigenes Datum. Schicken Sie den Antrag ein paar Tage vor der offiziellen Deadline ab.

Wenn Sie mit einem Team an dem Projektantrag arbeiten oder Partnerorganisationen einbezogen sind, dann müssen Sie die interne Deadline Ihren Partnern kommunizieren. Dies sollte auf verbindliche und eindeutige Art und Weise geschehen. Es ist ärgerlich, aber durchaus legitim, Kooperationspartner auszuschließen, wenn sie den internen Vereinbarungen nicht nachkommen und bis zu einem bestimmten Zeitpunkt ihre Zuarbeiten erledigen.

Arbeitsprozesse planen

Wenn Sie Ihre eigene Deadline definiert haben, können sie beginnen, die zur Verfügung stehende Zeit zu verplanen. Treffen Sie hierbei eine wichtige Unterscheidung: Es gibt zum einen Tätigkeiten, die Sie allein oder relativ flexibel erledigen können. Dazu gehört das Schreiben der Textpassagen, wenn das Konzept des Projekts bereits ausgereift ist.

Dann gibt es Teile des Antrags, bei denen Sie auf die Zuarbeit von anderen angewiesen sind. Dazu zählen

  • Absichtserklärungen (»letters of intent«) von Partnereinrichtungen, die unterschrieben im Original vorliegen müssen,
  • Kostenvoranschläge, die beigelegt werden müssen,
  • Bestandteile des Antrags, die von Partnerorganisationen ausgefüllt werden müssen,
  • Dokumente, die ein Vertreter oder eine Vertreterin Ihrer Bank unterschreiben muss,
  • die Unterschrift durch eine vertretungsberechtigte Person auf der letzten Seite des Antrags (z. B. durch die Geschäftsführerin oder den Vorstand Ihrer Organisation).

Überprüfen Sie das Antragsprozedere unbedingt auf solche Erfordernisse. Sie sollten diese Arbeitsaufgaben möglichst sofort erledigen.

Manchmal ist es nicht möglich, bestimmte Aufgaben frühzeitig zu erledigen, beispielsweise weil ein verantwortungsbewusster Geschäftsführer erst den fertigen Projektantrag durchlesen möchte, bevor er ihn unterschreibt. Es ist aber klar, dass der Antrag erst zu einem relativ späten Zeitpunkt in der abschließenden Form vorliegen wird. Was Sie sofort tun sollten: Verabreden Sie mit dem Geschäftsführer einen festen Termin, an dem er auch zur Verfügung steht (nicht im Skiurlaub unterwegs ist), um die Unterschrift zu leisten.

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Generell gelten die üblichen Regeln für gutes Zeitmanagement:

  • Erledigen Sie dringende und wichtige Dinge zuerst.
  • Nicht dringliche, aber wichtige Aufgaben können Sie später erledigen oder sofort delegieren.
  • Delegieren Sie Kleinkram und Tagesgeschäft.
  • Ignorieren Sie Unwichtiges.

Zusammenarbeit mit Partnern und Teamwork

Planen Sie besonders viel Zeit ein, wenn Sie einen Antrag gemeinsam mit anderen Institutionen verfassen. Planen Sie noch mehr Zeit ein, wenn es sich um ein internationales Konsortium handelt. Diese Zeit benötigen Sie für die Kommunikation untereinander.

Treffen Sie sich persönlich mit Ihren Partnern, wenn sich das machen lässt. Es ist durchaus üblich, dass internationale Konsortien ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu einem Planungstreffen schicken, wenn ein umfangreicher Projektantrag gestellt werden soll.

Sobald Sie mit mehreren Menschen oder Organisationen an einem Antrag arbeiten, sollten Sie eine Person bestimmern, die den Prozess der Zusammenarbeit koordiniert. Zum Beispiel Sie. Im Idealfall handelt es sich um eine Person, die im Projektmanagement Erfahrung hat. Zu ihren Aufgaben gehört der Aufbau einer entsprechenden Kommunikationsstruktur und die Verteilung der Arbeitsaufgaben.

Nützliche Instrumente oder Arbeitsmethoden, die Sie anwenden können:

  • Telefonkonferenzen,
  • Interne E-Mail-Verteiler,
  • Web-Telefonie und Chat-Software,
  • File-Sharing-Services,
  • webbasierte Tools zum gemeinschaftlichen Arbeiten.

Bedenken Sie bei ihrer Zeitplanung, dass in manchen Ländern ein anderes Verständnis von Zeit vorherrscht. Wenn ein deutscher Projektmanager eine E-Mail herumschickt mit dem Vermerk »absolut dringend und sofort zu erledigen« (mit drei Ausrufezeichen), dann wird das in manchen Kulturen eher als lockere Aufforderung verstanden. Berücksichtigen Sie bei Ihrer Planung kulturelle Besonderheiten.

Vorlagen

Es ist hilfreich, wenn Sie bei der Antragstellung auf Anträge zurückgreifen können, die in dem Programm gestellt worden sind, in dem Sie sich bewerben wollen. Am Besten ist es natürlich, wenn es sich um Anträge handelt, die bewilligt worden sind.

Aber auch abgelehnte Anträge können hilfreich sein. Wenn der Geber seine Anträge nach einem bestimmten Verfahren evaluieren lässt, erhalten Antragsteller/innen manchmal schriftliche Rückmeldungen oder Bewertungen. Dort steht zum Beispiel, was den Evaluatorinnen und Evaluatoren gefallen hat (oder auch nicht) oder mit wie vielen Punkten ein Antrag bewertet wurde.

Dieses Material ist Gold wert. Es kann Ihnen helfen, Fehler zu vermeiden und in den wichtigen Bereichen »zu punkten«. Fast alle Geber veröffentlichen Informationen über die Antragstellung und die Förderprioritäten. Erfahrungsgemäß lernen Antragsteller/innen die »wirklich entscheidenden Dinge« erst aus einem bewilligten (oder abgelehnten) Projektantrag.

Natürlich werden solche Anträge von den Besitzern und Besitzerinnen eifersüchtig gehütet, aber wenn Sie gute Kontakte haben, dann erhöht das die Chance, dass Ihnen jemand einen alten Projektantrag zur Verfügung stellt.

Auch Anträge aus verwandten Programmen können hilfreiche Vorlagen sein. Aber Vorsicht! Fördermittelprogramme unterscheiden sich stark voneinander. Selbst die einzelnen Fördermaßnahmen oder Calls innerhalb eines Programms weisen große Unterschiede auf.

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Wenn Sie Ihren ersten Antrag schreiben, dann sollten Sie versuchen, den ein oder anderen vergleichbaren Antrag zu lesen. Dadurch bekommen Sie ein Gefühl, »wie so etwas aussehen kann«.

Gemeinschaftliches Schreiben

Prosaisch betrachtet ist ein Projektantrag ein mehr oder weniger umfangreiches Dokument. Noch einfacher ausgedrückt: ein langer Text. Die Herausforderung besteht darin, dass in den meisten Fällen mehrere Leute an diesem Text mitarbeiten: Ihre Kollegen, Ihre Vorgesetzten, Ihre Kooperationspartner.

Nicht selten führt dies dazu, dass Sie irgendwann auf eine Textdatei blicken werden, die von verschiedenen Leuten überarbeitet worden ist und aufgrund des »Überarbeiten / Änderungen nachverfolgen« -Modus Ihres Textverarbeitungsprogramms in voller Farbenpracht erstrahlt. Man kann schnell den Überblick über die verschiedenen Versionen des Dokuments verlieren.
wichtig

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Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einen Text gemeinschaftlich zu erstellen. Keine davon stellt einen Königsweg dar. Wichtig ist, dass Sie die gemeinschaftliche Schreibarbeit von Anfang an planen und dass irgendwo die Fäden zusammenlaufen. Am besten bei Ihnen.

Bereits vor längerer Zeit wurde eine Open-Source-Software entwickelt, die schon viele Antragsteller/innen begeistert hat. Die Software heißt Etherpad. Verschiedene Anbieter unterhalten kostenlose Etherpad-Services im Internet. Das Etherpad ist ein online-basiertes Programm zum gemeinschaftlichen Schreiben von Texten. Das Besondere daran ist: Mehrere Personen, die sich auf der gleichen Arbeitsfläche befinden, können nacheinander oder auch gleichzeitig an einem Text arbeiten. Jeder Autor und jede Autorin hat eine eigene Farbe für seinen Text. Die Funktionen sind sehr eingeschränkt, aber genau das macht den Arbeitsprozess übersichtlich. Und das Beste ist: Man muss keine Software installieren, sondern kann mit einem Mausklick eine gemeinschaftliche Arbeitsfläche erstellen. Ich habe bereits unzählige Male Antragstexte gemeinsam mit Anderen in einem solchen Pad erarbeitet. Wir haben dazu die wichtigsten Fragen des Antrags in die Arbeitsfläche hineinkopiert und uns dann gemeinschaftlich ausgetobt. Den fertigen Text haben wir ins Antragsdokument kopiert, damit eine Person die letzte Überarbeitung vornehmen kann.

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Sie verwenden Services wie das Etherpad auf eigene Gefahr. Klären Sie unbedingt, ob die entsprechenden Werkzeuge Ihrem Bedürfnis nach Sicherheit (oder Geheimhaltung) entsprechen.

Die Welt des Internets entwickelt sich so schnell, dass die Etherpad-Software möglicherweise wieder Schnee von gestern ist, wenn Sie dieses Buch lesen. Es gibt eine Vielzahl anderer Tools oder Möglichkeiten. Wählen Sie die Arbeitsweise, die Ihnen am besten gefällt – und vor allem eine, die funktioniert.

Die Tücken der Technik

Die Erstellung eines Fördermittelantrages findet am Computer statt. Sie erstellen den Antrag mittels einer Textverarbeitungssoftware und drucken ihn aus, wenn er fertig ist. Immer mehr Anträge werden heutzutage ausschließlich »online« gestellt.

Wo Computer im Spiel sind, passieren unvorhergesehene Dinge. Sorgen Sie dafür, dass kompetente Unterstützung zur Verfügung steht, falls technische Herausforderungen auftreten. Dieser Punkt wird oft vernachlässigt, die Folgen können bitter sein. Zwei Hinweise, die Sie im Hinblick auf die Technik unbedingt berücksichtigen sollten:

Backups, Backups, Backups ...

Machen Sie immer, wirklich immer regelmäßig zusätzliche Sicherungen (Backups) ihrer Texte an verschiedenen Stellen – selbst wenn viele Anwendungen automatisch Sicherheitskopien erstellen. Wenn Sie Online-Tools benutzen, gewöhnen Sie sich an, die Texte hin und wieder auf ihren Rechner zu kopieren. Wenn Sie Texte auf ihrem Büro-Rechner gespeichert haben, dann schicken Sie ab und zu einmal eine E-Mail mit der Datei an ein separates E-Mail-Postfach. Wie auch immer: Verteilen Sie Ihre Backups. Ansonsten kann es passieren, dass Sie bei Null anfangen müssen, wenn Sie einmal Ihren Kaffee über das Notebook kippen oder Ihr Computer gestohlen wird.

Vom Kampf mit elektronischen Formularen

Viele Geber stellen Ihnen elektronische Fomulare zur Verfügung, die Sie benutzen müssen, wenn Sie einen Antrag einreichen. Dies sind oft Dateien im .pdf, .doc oder .dot-Format. Diese Formulare enthalten vorgegebene Fragen, die Sie mit Hilfe von Textfeldern beantworten.

Generell verhalten sich solche Formulare ziemlich zickig. So gibt es oft Kompatibilitätsprobleme zwischen PC- und Apple-Systemen. Weiterhin mögen es die meisten Formulare überhaupt nicht, wenn sie nacheinander von verschiedenen Leuten mit verschiedenen Textverarbeitungsprogrammen bearbeitet werden. Gerade letzteres kann beim gemeinschaftlichen Schreiben schnell passieren. Irgendwann haben Sie interessante Formatierungen in Ihrem Dokument, die Sie einfach nicht mehr entfernen können. Manchmal wird auch die ganze Datei beschädigt und Sie können sie nicht mehr ausdrucken.

Ein paar Faustregeln zur Bändigung von Formularen:

  • Vermeiden Sie gemeinschaftliche Arbeitsprozesse mit Formularen – erstellen Sie Texte lieber in einer einfachen .doc- oder .txt-Datei. Kopieren Sie dann die fertigen Texte ins Formular. Das Gleiche gilt, wenn ein elektronisches Übermittlungsverfahren zum Einsatz kommt und Sie die Inhalte Ihres Antrags mit einem Online-Zugang direkt in eine Datenbank eintragen: gemeinschaftliche Arbeitsprozesse sollten Sie anderswo organisieren.
  • Benutzen Sie niemals verschiedene Textverarbeitungsprogramme oder Betriebssysteme, um ein und dasselbe Formular zu bearbeiten
  • Verwenden Sie das Programm zum Ausfüllen der Formulare, dass der Geber benutzt hat, um es zu erstellen.
  • Meistens arbeiten fördernde Einrichtungen mit PC-Systemen. Benutzen Sie lieber keine Apple-Computer oder Linux-Systeme für Fördermittelanträge.

Eigentlich sollten Fördermittelgeber darauf achten, dass ihre Formulare auch mit anderen Betriebssystemen und Dateiformaten kompatibel sind (wie z. B. der Open Source-Software Open Office). Leider legen viele Institutionen keinen Wert darauf.

Das schönste Erlebnis, an das sich der Autor beim Umgang mit Formularen erinnern konnte, ist das folgende: Eine Klientin schickte ihm ein Dokument zu, das offensichtlich mehrere Umwandlungen erfahren hatte. Als es ausgedruckt werden sollte, erschienen in den Textfeldern, statt einer wohlformulierten Aussage, lauter kleine Noten – wie in einer Mozart-Sinfonie. Ein musikalischer Antrag! Der Ausdruck hängt nun im Büro des Autors und soll irgendwann einmal einem Klavierspieler übergeben werden.

Holen Sie sich professionelle Unterstützung!

Für größere Anträge benötigen Sie erfahrene Berater und Beraterinnen, die Sie maßgeblich dabei unterstützt, das Projekt zu konzipieren und den Projektantrag zu erstellen. Diese Person sollte Erfahrungen gesammelt haben mit dem Fördermittelprogramm, für das Sie sich bewerben wollen.

Dies gilt besonders für EU-Anträge. Die EU-Antragsverfahren sind in der Regel so kompliziert und aufwendig, dass Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit formale oder inhaltliche Fehler machen werden, wenn Sie das Ganze nicht bereits einmal durchexerziert haben. Dabei hat jedes Unterprogramm, jede Ausschreibung und jede Aktion ihre eigenen Fallstricke. In vielen Fällen müssen sogar »Antrags-Profis« die Bewerbung auf eine spezielle Ausschreibung einmal durchlaufen haben, um zu wissen, wo die Knackpunkte sind.

Aus diesem Grund haben größere Organisationen, Unternehmen und Forschungseinrichtungen spezialisierte Mitarbeiter/innen für diese Aufgabe. Wenn Sie für eine kleinere oder mittelgroße Non-Profit-Organisation arbeiten, dann befinden Sie sich wahrscheinlich nicht in dieser privilegierten Situation. Dann sind Sie wahrscheinlich der Leiter der Drittmittelabteilung, die aus Ihnen besteht und niemandem sonst.

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Es ist dringend davon abzuraten, ein größeres Vorhaben ohne Unterstützung durch eine erfahrene und kompetente Person zu beantragen. Die Chance, dass Sie scheitern, ist hoch. Sie hätten dann viele Arbeitsstunden in die Erstellung des Projektvorschlages investiert und keinen Erfolg erzielt.

Professionelle Agenturen

Es gibt spezialisierte Agenturen oder freiberufliche Experten und Expertinnen, die Sie als Berater anheuern können und die Ihnen sogar den Antrag schreiben. Allerdings müssen Sie dafür bezahlen. Ein übliches Honorarmodell: es wird ein Basishonorar berechnet, um den Antrag zu erstellen. Sollte das Projekt bewilligt werden, so müssen Sie darüber hinaus eine Erfolgsprämie bezahlen. Für die Erstellung eines größeren Antrags können mehrere Tausend Euro fällig werden.

Weiterhin müssen Sie berücksichtigen, dass auch Experten auf inhaltliche Zuarbeit angewiesen sind. Das heißt, auch Sie, Ihre Mitarbeiter bzw. Mitarbeiterinnen oder Kollegen und Kolleginnen müssen Arbeitszeit investieren.

Was ist das Resultat? Unterbezahlte, überarbeitete oder ehrenamtliche Mitarbeiter/innen arbeiten sich mühsam in ein Fördermittelprogramm ein und benötigen dafür ein halbes Jahr (ein Profi hingegen hätte den Antrag innerhalb eines Monats fertiggestellt). Zu allem Ärger ist der Antrag auf Fördermittel nicht hinreichend professionell gestaltet und wird abgelehnt. Arbeitszeit umsonst investiert.

Wenn Sie für die Antragstellung einen kompetenten Experten hinzuziehen, erhöhen sich die Chancen Ihrer Organisation auf einen Erfolg. Sie investieren eine gewisse Summe und verbessern damit Ihre Aussichten auf eine ungleich größere Summe.

Leider sind Abwägungen dieser Art im Non-Profit-Bereich selten. Viele Organisationen nutzen lieber die zur Verfügung stehende Arbeitskraft. Sie scheuen sich, Honorare an externe Personen zu bezahlen.

Wenn Sie die Geschäftsführerin oder der Geschäftsführer einer Non-Profit-Organisation sind, dann prüfen Sie, ob es nicht sinnvoll ist, einen externen Experten oder eine Expertin hinzuzuziehen. Stellen Sie einen Teil des Budgets Ihrer Einrichtung für Honorare zurück, die für solche Zwecke ausgegeben werden können.

Geförderte Beratungsservices

Vielleicht haben Sie Glück, und Ihre Organisation kann ein gefördertes Beratungsangebot in Anspruch nehmen. Dies bedeutet: Kompetente Menschen unterstützen Sie bei der Beantragung von Fördermitteln, es bezahlt aber jemand anderes dafür. Solche Serviceagenturen werden beispielsweise von einzelnen Bundesländern oder Bundesministerien finanziert.

Gerade für Organisationen, die knapp bei Kasse sind, ist dies ein attraktives Angebot. Die entscheidende Frage ist, ob es ein solches kostenloses Beratungsangebot für Ihr Vorhaben gibt.

Das Ausmaß der Unterstützung kann sehr unterschiedlich sein. Bedenken Sie, dass kostenlose Angebote gerne in Anspruch genommen werden. Eine mögliche Folge: Mitarbeiter/innen in solchen Einrichtungen haben weniger Zeit für Sie als ein Experte, den Sie dafür bezahlen. Nichtsdestotrotz können diese Beratungsservices wertvolle Unterstützung leisten.

»Erfahrene Freunde«

Auch Freunde, Kollegen oder Bekannte, die schon einmal einen Antrag in dem entsprechenden Fördermittelprogramm gestellt haben, können für die Antragstellung wertvoll sein: Zum einen können Sie auf diesem Weg möglicherweise einen Antrag als Vorlage erhalten. Zum anderen können Sie von dem unschätzbaren Erfahrungswissen profitieren und erfahren, was während der Antragstellung wichtig war. Wenn diese Menschen bereit sind, Ihnen Informationen zur Verfügung zu stellen, dann verbessert das Ihre Erfolgaussichten.

Beratungsangebote des Gebers

Viele Geber haben bemerkt, dass die Antragsverfahren kompliziert sind und dass Antragsteller/innen Unterstützung benötigen. Aus diesem Grund haben Sie Beratungs- und Informationsangebote eingerichtet. Damit ist die Hoffnung verbunden, dass die Qualität der Bewerbungen steigt und der Arbeitsaufwand der Geber bei der Begutachtung sinkt.

Beispiele für solche Unterstützungsangebote sind:

Symbol: »Beispiel« (Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger)
  • Infoveranstaltungen
  • Kontaktseminare zum Austausch und zur Partnersuche
  • Persönliche Beratungsangebote durch die Mitarbeiter/innen (meist telefonisch)
  • Begutachtung von Projektideen und -skizzen.

In manchen Fällen wird die Teilnahme an Informationsveranstaltungen oder Kontaktseminaren durch den Geber finanziell gefördert. Machen Sie von dieser Möglichkeit Gebrauch.

Besonders interessant ist die Option, beim Geber vorab eine Skizze des Projekts einzureichen. So können Sie ohne großen Aufwand feststellen, ob Sie mit Ihrer Projektidee eine Chance haben. Weiterhin werden Sie auf mögliche Schwachpunkte Ihres Projekts aufmerksam gemacht.

Es ist nie falsch, mit dem Geber in persönlichen Kontakt zu treten. Beratungs- und Informationsangebote sind eine gute Gelegenheit. Es kann Ihnen wertvolle Pluspunkte einbringen, schon einmal vorab »ihr Gesicht zu zeigen«.

Bei Kontaktseminaren, Präsentationen und Konferenzen können Sie zudem potentielle Kooperationspartner kennenlernen. Ein Beispiel: Um ein größeres EU-Projekt beantragen zu können, benötigen Organisationen kooperierende Einrichtungen aus verschiedenen Ländern. Veranstaltungen zu EU-Födermittelprogrammen dienen aus diesem Grund als internationale Kontaktbörse für Organisationen. Dass die wichtigen Kontakte besonders während der Kaffeepausen oder beim gemeinsamen Umtrunk nach dem offiziellen Teil geschlossen werden, versteht sich von selbst.

Mitarbeiter, Vorgesetzte, Freunde, Bekannte ...

Wenn Ihnen keines der genannten Unterstützungsangebote zur Verfügung steht, sollten Sie dennoch versuchen, sich das Leben etwas leichter zu machen:

  • Bitten Sie Ihren Vorgesetzten, Sie zu unterstützen und Sie für die Zeit der Antragstellung von anderen Aufgaben freizustellen,
  • Fragen Sie einen befreundeten Native Speaker, ob er Ihnen eine Passage ins Englische übersetzten kann,
  • Bitten Sie Ihre Familie und Freunde, in den Tagen vor der Deadline viel Verständnis für Sie aufzubringen.