Wollen Sie überhaupt ein Projekt?

Seite 1: Aufwand, Bewilligungsquote, Finanzen

Lohnt sich der Aufwand für die Antragstellung?

Das Schreiben von Projektanträgen kann viel Zeit in Anspruch nehmen, vor allem, wenn Sie kein Profi sind. Ein Projektantrag schreibt sich nicht quasi nebenbei. Dass dies so ist, wird oft übersehen. Die Frage, die Sie sich unbedingt stellen sollten, lautet: Lohnt sich der Aufwand?

Wenn Sie mehrere Monate lang damit beschäftigt sind, um eine eher unbedeutende Fördersumme aufzutreiben, dann rechnet sich die Angelegenheit schlichtweg nicht. Es ist kein effizientes Vorgehen. Wahrscheinlich werden Sie sich fragen: Wer macht den so was? Ich kann ihnen verraten: Mehr Leute, als Sie denken.

Symbol: »Achtung« (Ausrufezeichen im Dreieck)

Bedenken Sie, dass Ihre Organisation den Aufwand für die Antragstellung in jedem Fall trägt. Wenn eine Mitarbeiterin wochenlang an einem Antrag arbeitet, dann haben Sie diese Zeit investiert. Sie haben die Arbeitszeit dafür bezahlt oder wertvolle Ressourcen verbraucht (z. B. Ihre Zeit oder die von ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen). Eine rückwirkende Erstattung des Aufwandes für die Antragstellung ist in keinem Förderprogramm möglich.

Es ist also wichtig, dass Sie sich am Anfang einen groben Überblick über die Arbeiten verschaffen, die im Rahmen der Antragstellung erledigt werden müssen. Am besten schlagen Sie noch etwas Zeit darauf. Noch einmal: Diese Arbeitszeit ist eine Investition, die Sie tätigen. Setzen Sie diese Investition ins Verhältnis mit den möglichen Fördereinnahmen.

Wenn der organisatorische und zeitliche Aufwand und der zu erwartende Gewinn in einem ungünstigen Verhältnis stehen, sollten Sie lieber darüber nachdenken, in Ihrer Freizeit Zeitungen auszutragen und die erzielten Einnahmen Ihrer Organisation zu spenden. Das lohnt sich mehr.

Berücksichtigen Sie die Bewilligungsquote!

Berücksichtigen Sie auch die Möglichkeit einer Ablehnung. Berücksichtigen Sie bei Ihren Kosten-Nutzen-Überlegungen auch die sogenannte Bewilligungsquote: Wie hoch ist der Prozentsatz der Bewerbungen, die eine Förderung erhalten? In einem Programm, in dem 50 % der eingereichten Anträge gefördert werden, ist die Antragstellung weniger riskant als in einem Programm, das 3 % aller eingereichten Anträge bewilligt. Im letzteren Fall muss ihr Antrag herausragend sein, und das Risiko, dass Sie von einem anderen Bewerber ausgestochen werden, ist hoch.

Wie finden Sie die Bewilligungsquote heraus? Die Quote hängt von der Anzahl der eingereichten Bewerbungen ab, die Sie noch nicht kennen. Aber Sie können die Quote schätzen.

Symbol: »Tipp« (eine stilisierte Glühbirne)

Viele Geber veröffentlichen Zahlen über die eingereichten und bewilligten Bewerbungen aus der Vergangenheit, die eine gute Grundlage für eine solche Schätzung abgeben. Wenn Sie keine Informationen finden können, dann setzen Sie sich mit dem Geber in Verbindung. Das ist absolut üblich. Vielleicht teilt Ihnen Ihr Ansprechpartner mit, dass die Einrichtung händeringend nach Bewerbungen sucht, um ihre Fördermittel loszuwerden. Wenn Sie eine solche Information erhalten, dann sollten Sie nicht lange zögern! Ein solcher Glücksfall kommt allerdings selten vor, da sich Fördermöglichkeiten schnell herumsprechen.

Lohnt sich das Projekt finanziell?

Denken Sie daran, dass Sie das Projekt nicht nur beantragen, sondern auch durchführen müssen. Stellen Sie sich deshalb die Frage: Wenn Sie eine Bewilligung erhalten, wird das durchgeführte Projekt für Ihre Organisation nützlich sein?

Das erste, woran Antragsteller und Antragstellerinnen denken, ist das Geld. Alle wollen Geld. Aber schauen Sie einmal genau hin! Überschlagen Sie, wieviel Geld Sie bekommen und wofür Sie es ausgeben dürfen.