Wie funktioniert Projektförderung?

Seite 4: Fördermittelantrag als Bewerbung

Ein Fördermittelantrag ist eine Bewerbung

Gehen wir davon aus, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt Fördermittel zur Verfügung stehen. Der nächste Schritt ist, dass sich Ihre Organisation um diese Fördermittel bewirbt. In der Regel müssen sich Organisationen schriftlich bewerben. Das heißt, Sie müssen einen Antrag schreiben, in dem Sie einen Vorschlag machen, was Sie mit dem bereitgestellten Geld Nutzbringendes anstellen wollen. Genauer: Sie müssen das Projekt beschreiben, dass Sie durchführen würden, wenn Sie das Geld bekämen.

Man bezeichnet diesen Prozess bewusst als Bewerbung. Wenn Sie dies verstanden haben, dann sind Sie schon einen großen Schritt weiter. Wenn institutionelle Geber Fördermittel vergeben wollen, dann ist dies nicht das Ergebnis von Gnade oder Willkür. Organisationen haben auch keinen Anspruch auf Fördermittel – ganz gleich, wie wichtig die Aktivitäten sind, denen Sie nachgehen. Eine Organisation bittet auch nicht um ein Almosen, wenn sie sich um Fördermittel bewirbt. Dies alles sind Vorstellungen, die Ihnen nicht weiterhelfen, wenn Sie mit institutionellen Gebern kommunizieren.

Richtig ist vielmehr: Geber suchen geeignete Partner, die für sie operativ tätig werden. Um zu überprüfen, ob Ihre Organisation für eine Zusammenarbeit infrage kommt, haben Geber in vielen Fällen nur die schriftliche Bewerbung (den Projektantrag) zur Verfügung. Wenn diese Bewerbung den Adressaten überzeugt, dann sind die Chancen hoch, dass der Geldgeber Ihre Organisation auswählt und fördert.

Ein Fördermittelantrag hat eine gewisse Ähnlichkeit mit einer individuellen Bewerbung um einen Arbeitsplatz. Den meisten Menschen in Deutschland wird spätestens ab dem Jugendalter eingebleut, wie wichtig es ist, eine gute Bewerbung verfassen zu können. Es gibt Bewerbungsratgeber und Bewerbungstrainings. Denn eine solche Bewerbung muss bestimmten Standards entsprechen. Weiterhin muss sich eine Person in einer Bewerbung kompetent und selbstbewusst darstellen. Die Inhalte der Bewerbung müssen auf die Stellenausschreibung abgestimmt sein. Kurz: Es geht darum, sich als geeigneten Kandidaten für einen Job zu präsentieren.

Auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen ist es wichtig, eine gute Bewerbung verfassen zu können. Wenn sich Unternehmen um Aufträge bewerben, so ist dies in der Regel »Chefsache«. In manchen Firmen arbeitet eine ganze Abteilung daran, dafür zu sorgen, dass diese Bewerbungen und Präsentationen von guter Qualität sind. Denn wenn ein Unternehmen keine Aufträge erhält, geht es pleite. Auch angehende Unternehmensgründer/innen lernen, wie wichtig es ist, einen überzeugenden Business-Plan vorlegen zu können, wenn sie sich mit ihrer Idee um Gründungskapital bewerben.

Im Gegensatz dazu sind die Bewerbungen von Non-Profit-Organisationen um Fördermittel oft von minderer Qualität. Gründe dafür sind Desinteresse an einer »Vermarktung« der eigenen Aktivitäten oder die Ablehnung von formalen oder bürokratischen Prozeduren. Auch die bereits erwähnte Fehlwahrnehmung, dass gemeinnützige Aktivitäten und deren Finanzierung nichts miteinander zu tun hätten, trägt ihren Teil dazu bei.

Symbol: »Wichtig« (ein Ausrufezeichen in einem blauen Kreis)

Fazit: Genau wie eine individuelle Bewerbung um einen Arbeitsplatz muss auch die Bewerbung Ihrer Organisation auf Fördermittel

  • selbstbewusst verfasst sein,
  • die Organisation kompetent erscheinen lassen,
  • auf die Ausschreibung und die Förderbedingungen des Gebers abgestimmt sein.

Ein Unterschied liegt darin, dass Sie bei einer Fördermittelbewerbung die Aufgabe haben, ein Projektkonzept vorzustellen. In diesem Punkt ähnelt eine Bewerbung auf Fördermittel eher der Bewerbung eines Unternehmens, das sich mit einem Konzept um einen Auftrag bewirbt.

Symbol: »Achtung« (Ausrufezeichen im Dreieck)

Merke: Ein Fördermittelantrag ist die schriftliche Bewerbung einer Organisation um Fördermittel. Zentraler Gegenstand der Bewerbung ist die Darstellung des Projekts, das mit den Fördermitteln durchgeführt werden soll.