Wie funktioniert Projektförderung?

Seite 7: Bewilligung, Zweck der Prozedur

Bewilligung

Wenn Sie eine Bewilligung oder auch Förderzusage erhalten, ist dies natürlich ein wesentlich schöneres Erlebnis als eine Ablehnung. Holen Sie den Champagner aus dem Kühlschrank oder feiern Sie auf eine andere Art und Weise. Eine solche Zusage bedeutet, dass der Geber mit Ihnen eine Partnerschaft eingehen will und Ihr Projekt fördert.

Denken Sie aber daran, dass sich aus diesem Bescheid keine Rechtsansprüche ableiten lassen. Insbesondere bei größeren Fördersummen folgt nach der Bewilligung der Abschluss eines Vertrages, der die jeweiligen Rechte und Pflichten von Fördermittelgeber und Zuwendungsempfänger fixiert. In solchen Verträgen ist oft formuliert, dass eine Förderung nur »unter Vorbehalt« erfolgt. Sollte sich die Haushaltssituation des Gebers ändern, so kann er die Förderung aussetzen, unterbrechen oder beenden, ohne dass Sie etwas dagegen tun können. Beruhigt können Sie also erst sein, wenn das Geld auf Ihrem Konto gelandet ist. Seien Sie aber nicht zu pessimistisch. In der Regel haben Sie es geschafft, wenn Sie die Zusage in den Händen halten. Herzlichen Glückwunsch! Jetzt müssen Sie das Projekt nur noch durchführen.

Es kommt durchaus vor, dass die angeforderte Summe nicht in voller Höhe bewilligt wird. Dann müssen Sie mit dem Fördermittelgeber in Verhandlungen treten. Einigen Sie sich darauf, in welcher Form Ihr Projekt durchgeführt werden soll. Denn eine Kürzung des Budgets wirkt sich selbstverständlich auf Ihre Projektaktivitäten aus.

Weiterhin rate ich Ihnen davon ab, nach einer erfolgten Zusage einen Rückzieher zu machen, es sei denn, es liegen gewichtige Gründe dafür vor. Zum einen wirft eine Absage ein schlechtes Licht auf Ihre Verlässlichkeit. Zum anderen bedeutet eine Umverteilung der Fördermittel für den Geber in der Regel einen großen administrativen Aufwand. Der Geber hat Sie als Partner ausgewählt und möchte das Geld loswerden. Ziehen Sie die Sache jetzt durch.

Was ist der Zweck dieser Bewerbungsprozeduren?

Warum muten Ihnen institutionelle Geber zu, Stapel von Antragsunterlagen auszufüllen, sich durch komplizierte Bewerbungsprozeduren durchzuquälen und monatelang auf eine Antwort zu warten?

Versetzen Sie sich in die Lage des Fördermittelgebers. In der Regel bewerben sich mehr Organisationen um eine Förderung als Gelder zur Verfügung stehen. Stellen Sie sich ein Vogelnest vor; die Vogel-Mutter kommt mit einem Wurm nach Hause und es recken sich ihr die aufgesperrten Schnäbel der Jungen entgegen. So ähnlich muss man sich als fördernde Einrichtung fühlen.

Der Geber muss also eine Auswahl treffen. Er benötigt ein Verfahren, nach dem er sein Geld verteilt.

Die fördernden Einrichtungen legen ihre Förderbedingungen fest und veröffentlichen sie. Auf dieser Grundlage können sich Organisationen schriftlich mit Projektvorschlägen bewerben, die dann bewertet werden.

Für den Geber hat dieses Verfahren den Vorteil, dass er anhand der vorgegebenen Kriterien überprüfen kann, ob eine Einrichtung ein förderungswürdiges Konzept eingereicht hat. Die Fördererentscheidungen sind zudem dokumentiert und nachvollziehbar. Sie können gerechtfertigt werden – sowohl intern als auch gegenüber der Öffentlichkeit.

Natürlich neigen diese Prozeduren dazu, ein wenig bürokratisch zu werden. Eine mögliche Alternative zu bürokratischen Verfahren wäre, Fördermittel nach Verwandtschaftsgrad oder innerhalb von undurchsichtigen Verflechtungen zu vergeben. In manchen Gegenden der Welt ist dies der Normalfall, es kommt allerdings auch in Deutschland vor.

Wenn Sie etwas genervt sind über die umständlichen Prozeduren, dann machen Sie sich klar, dass die bürokratische Organisation der Fördermittelvergabe auch positive Auswirkungen hat. So haben junge Organisationen eine realistische Chance, Fördermittel zu erhalten, wenn sie eine gute Bewerbung einreichen (auch wenn sie nicht mit dem Leiter der fördernden Einrichtung verschwägert sind).