Wie funktioniert Projektförderung?

Seite 5: Bewerbungsprozedur, Begutachtung

Die Bewerbungsprozedur

Das Prozedere der Bewerbung auf Fördermittel kann sehr unterschiedlich sein. Bei manchen Gebern beginnt der Prozess mit der Einreichung einer einfachen Ideenskizze oder vielleicht sogar einem Gespräch. Das andere Extrem bilden formal durchorganisierte, komplizierte Verfahren, die in mehreren Schritten abgewickelt werden und einem bürokratischen Kraftakt gleichkommen. Manchmal können Sie Dokumente frei gestalten, manchmal müssen Sie vorgefertigte Formulare nutzen. Manchmal muss das Ganze in Papierform verschickt werden, in anderen Fällen darf es nur elektronisch eingereicht werden. Wichtig ist, dass Sie das Verfahren des Gebers verstehen, an den Sie sich wenden. Auch dafür sollten Sie Zeit einplanen.

Die Grundstruktur von Anträgen ist in vielen Fällen ähnlich. Sie stellen das Projekt vor, das Sie durchführen wollen. Der inhaltliche Teil des Antrags gliedert sich meistens in Punkte wie z. B. die Beschreibung des Hintergrunds des Projekts, die Darstellung Ihrer Organisation, die Beschreibung der Projektziele und -aktivitäten. Im dritten Teil dieses Ratgebers finden Sie zu jedem Teil, der in einem typischen Fördermittelanträgen ausgefüllt werden muss, ein eigenes Kapitel mit vielen Hinweisen.

Abgesehen von dem inhaltlichen Teil, der recht umfangreich sein kann, müssen dann in mehr oder weniger detaillierter Form Angaben zum Budget des Projekts gemacht werden. Umgangssprachlich bezeichnen viele Antragsteller/innen dies als den »Zahlenteil« oder den »Finanzteil«. Manchmal genügt eine grobe Aufstellung von verschiedenen Posten auf einer DINA4-Seite; in anderen Projektanträgen müssen seitenlange komplizierte Tabellen ausgefüllt werden. Letztendlich geht es um eine sehr einfach Sache: Sie berechnen, was Ihre Projektaktivitäten kosten. Denn dies sind die Finanzmittel, die Ihnen der Geber zur Verfügung stellen soll. Wie bereits erwähnt, können solche Finanzpläne sehr unterschiedlich sein. In einem späteren Teil dieser Arbeitshilfe finden Sie einen Exkurs, in dem einige allgemeine Grundprinzipien erläutert werden.

Die Begutachtung von Vorschlägen

Wenn Sie einen schriftlichen Antrag auf Fördermittel stellen, dann wird dieser nach der Einreichung von Menschen gelesen, die darüber entscheiden, ob Sie eine Förderung bekommen oder nicht. Im Folgenden spreche ich von der »Begutachtung« Ihres Antrags. Die Menschen, die diese Aufgabe haben, nennt man Gutachter/innen. Nicht immer tragen Entscheider/innen offiziell diese Bezeichnung. Ich verwende diesen formalen Begriff jedoch, um deutlich zu machen, dass sich Ihr Projektantrag an Adressaten richtet, die ihn lesen, bewerten und darüber entscheiden.

Der Prozess der Begutachtung ist bei den fördernden Einrichtungen sehr unterschiedlich organisiert. Bei manchen Gebern entscheidet ein Gremium, ein Kuratorium oder eine Jury gemeinsam darüber, welcher Antrag bewilligt wird. In anderen Fällen gibt es offizielle Begutachtungsverfahren: Externe Gutachter/innen werden dafür bezahlt, Anträge anhand von vorgegebenen Rastern zu bewerten und Punkte zu vergeben. Die Anträge mit der besten Bewertung werden gefördert.

Die Begutachtung wird in der Regel so organisiert, dass die Antragsteller/innen keinen Einfluss darauf nehmen können. Aber letztendlich sollte Sie das nicht darüber hinwegtäuschen, dass es Menschen sind, die über Ihr Projekt entscheiden, und wo Menschen Entscheidungen treffen, kann viel passieren.

Beispiele sind:

Symbol: »Beispiel« (Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger)
  • Ein Gutachter hat gerade schlechte Laune oder Zahnschmerzen und bewertet Ihren Antrag deswegen schlecht,
  • der Inhalt ihres Antrags entspricht einer persönlichen Vorliebe einer Gutachterin, die ihn dann gut bewertet,
  • ein Gremium von Gutachterinnen und Gutachtern erhält mündlich eine Vorgabe, die besagt, dass aus politischen Gründen bestimmte Inhalte gefördert werden soll
  • eine Gutachterin soll einen Antrag bewerten, der nicht in ihrer Muttersprache geschrieben wurde; sie versteht ihn nur unzureichend und bewertet ihn deswegen schlecht,
  • ein Gutachter, der das Projekt bewerten soll, ist ein alter Kumpel von Ihnen.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden Sie von dem Prozess der Begutachtung und Entscheidungsfindung nicht viel mitbekommen, es sei denn, Sie sind sehr gut vernetzt. Der Prozess der Begutachtung ist eine »Black Box«, und Sie können nur abwarten, welche Antwort Sie erhalten.