Wie funktioniert Projektförderung?

Seite 6: Begutachtung, Ablehnung

Auf jeden Fall ist der Zufall mit im Spiel. Was können Sie tun,um Ihre Chancen auf eine Bewilligung zu maximieren, abgesehen von Gebeten oder anderen Ritualen, die das Schicksal gnädig stimmen sollen?

Sie sollten sich klar machen, dass Ihr Antrag von Menschen gelesen wird, die darüber entscheiden. Das heißt, Sie sollten den Antrag so schreiben, dass es diesen Menschen Spaß macht, ihn zu lesen. Sie müssen diese Menschen überzeugen. Je mehr Sie den Prozess der Begutachtung verstanden haben, desto besser wird Ihnen das gelingen.

Symbol: »Tipp« (eine stilisierte Glühbirne)

In einigen EU-Programmen kann man sich die Bewertungsbögen, die die Gutachter/innen benutzen müssen, von der Website herunterladen. Dies ist sogar ausdrücklich erwünscht. Natürlich ist es empfehlenswert, sich diese Bögen schon beim Schreiben des Antrags direkt neben den Antrag zu legen. Auch wenn Sie die Gutachter/innen und ihre jeweiligen Vorlieben nicht kennen, so verfügen Sie zumindest über die »Brille«, durch die die Gutachter/innen auf Ihr Werk schauen.

Was können Sie ansonsten tun? Natürlich die Vorschläge berücksichtigen, die Ihnen in den folgenden Kapiteln unterbreitet werden.

Übrigens: In vielen Fördermittelprogrammen werden Anträge zuerst formal geprüft, bevor sie inhaltlich begutachtet werden: Ist der Antrag vollständig? Ist er richtig ausgefüllt? Erfüllen Anträge die formalen Kriterien nicht, werden sie erst gar nicht bearbeitet. Sie landen direkt im Papierkorb. Die formalen Anforderungen werden häufig unterschätzt. Aus diesem Grund wurde dem Thema ein eigenes Kapitel gewidmet.

Ablehnung

Der Prozess der Prüfung Ihres Projektantrags benötigt bei den meisten institutionellen Gebern etwas Zeit. Irgendwann ist jedoch die Entscheidung gefallen, und Ihnen wird das Ergebnis mitgeteilt, meistens in schriftlicher Form. Briefe, die mit dem Satz beginnen »Leider müssen wir Ihnen mitteilen...«, nennt man Ablehnung. Das heißt: Sie erhalten keine Fördermittel.

Manche Geber informieren Sie darüber, wie ihr Projektantrag bewertet worden ist. Sie erfahren beispielsweise, wie viele Punkte ihr Antrag bei einer formaleren Bewertungsprozedur erhalten hat. Oder Ihnen wird mitgeteilt, dass das entscheidende Gremium den Antrag zwar grundsätzlich gut fand, dass aber ein wichtiges Argument gegen eine Förderung sprach und das Projekt aus diesem Grund nicht berücksichtigt werden konnte. Andere Geber machen gar keine Angaben zu den Gründen der Ablehnung.

Wie dem auch sei: Die Würfel sind gefallen. Sie können eine Absage nicht anfechten, denn Sie hatten zu keinem Zeitpunkt Anspruch auf die Förderung. Es bleibt Ihnen nur, sich in Ihr Schicksal zu fügen. Die Investition an Zeit und Mühe, die Sie für die Antragstellung aufgebracht haben, hat sich diesmal nicht ausgezahlt. Vielleicht klappt es beim nächsten Mal.

Ablehnungen gehören dazu. Sie sind ein Teil des Fördermittel-Geschäfts und auch ein wichtiger Teil Ihres individuellen Lernprozesses. Der Unterscheid zwischen erfolgreichen Fundraisern bzw. Fundraiserinnen und Anfängern besteht darin, dass erstere weniger Ablehnungen erhalten als letztere und sich die investierte Arbeitszeit irgendwann auszahlt.

In seltenen Fällen erhalten Sie zwar keine Zusagen, aber Ihr Projektvorschlag landet auf einer Warteliste. Das bedeutet, dass Sie die Chance auf eine Förderung haben, wenn andere bewilligte Projekte wieder abspringen. Letzeres kommt vor, allerdings selten.

Selbst wenn Ihr Projektvorschlag unwiderruflich abgelehnt wurde, muss dies nicht heißen, dass er schlecht war. Im Gegenteil: In manchen Fördermittelprogrammen sind die Anforderungen und die Bewerberzahlen so hoch, dass nur wenige Bewerber/innen gefördert werden können. Es kann nie schaden, wenn Sie Informationen einholen, wie Ihr Antrag bewertet wurde – außer, der Geber wünscht sich ausdrücklich, dass Sie von Rückfragen absehen. Andernfalls greifen Sie zum Telefon und rufen Sie Ihre Ansprechpartner an. »Leider wurde unser Projektantrag nicht bewilligt. Wir möchten aber gerne aus unseren Fehlern lernen und unser Konzept verbessern. Können Sie uns Informationen darüber geben, was bei unserem Antrag verbesserungswürdig war? Sie würden uns damit wirklich sehr helfen.«

Diese Informationen können sehr hilfreich sein, wenn Sie Ihre Bewerbung zu einem späteren Zeitpunkt erneut in verbesserter Form einreichen wollen. Dies ist in vielen Fördermittel­programmen üblich. Erkundigen Sie sich, ob eine solche Neueinreichung möglich ist, und wenn ja, zu welchem Zeitpunkt. Ein erneuter Versuch hat viele Vorteile: Erstens wird die Erstellung des Antrags viel weniger Zeit in Anspruch nehmen, da Sie bereits eine Vorlage haben (nämlich den alten Antrag). Zweitens können Sie die Rückmeldungen nutzen, um den Antrag zu verbessern. Es kann sehr vorteilhaft sein, wenn Sie wissen, an welchen Stellen ein Antrag verbessert werden muss.