Wie funktioniert Projektförderung?

Seite 3: Ausschreibung, Aufrufe, Calls

Ausschreibung, Aufrufe, Calls

Wie machen die Geber potentielle Interessenten darauf aufmerksam, dass Sie Gelder zu vergeben haben? Ein übliches Verfahren ist es, einen Aufruf zu publizieren. Andere Begriffe dafür sind eine Ausschreibung oder – international – ein call. In dem Aufruf finden sich mehr oder weniger genaue Angaben darüber, was gefördert werden soll. Die Bandbreite reicht von einer kurzen Mitteilung bis zu hundertseitigen Dokumenten mit Informationen, Verfahrensregeln und Vorschriften (z. B. in EU-Programmen). Der Aufruf ist eine Aufforderung, sich mit einem Projektantrag um bereitgestellte Fördermittel zu bewerben.

Zentrales Element eines Aufrufes ist die Bewerbungsfrist (die Deadline). Alles was bis zu diesem Zeitpunkt beim Geber eingegangen ist, wird berücksichtigt. In der Regel gilt das Datum des Poststempels. Was später eintrifft oder abgestempelt wird, landet im Papierkorb.

Andere Geber veröffentlichen keine Aufrufe, sondern vergeben ihre Fördermittel kontinuierlich. Oft gibt es aber auch hier einen Termin oder mehrere Termine im Jahr, die Organisationen bei der Bewerbung einhalten müssen, um für die jeweilige »Förderrunde« berücksichtigt zu werden. In einigen Fällen nehmen Geber auch laufend Projektvorschläge entgegen, ohne dass Beantragungsfristen berücksichtigt werden müssen.

Wenn Sie sich an einen Geber wenden, der Aufrufe veröffentlicht oder eine Einreichung zu einem bestimmten Zeitpunkt erwartet, wirkt sich das entscheidend auf Ihre Arbeit aus. Viele Non-Profit-Organisationen haben Schwierigkeiten, ihre Arbeit mittel- oder langfristig zu planen, und stolpern über diesen Aspekt des Fördermittelgeschäfts.

Symbol: »Beispiel« (Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger)

Ein Beispiel: In vielen EU-Programmen dürfen Organisationen einmal im Jahr einen Projektantrag einreichen.

Nehmen wir weiterhin an, es dauert vier Monate, bis Sie erfahren, ob Ihr Antrag bewilligt worden ist oder nicht. Dann dauert es noch einmal zwei Monate, bis die Verträge abgeschlossen sind, die erste Rate der Förderung eingegangen ist und Ihr Projekt beginnen kann. Wenn Sie eine Antragsfrist gerade verpasst haben, dann bedeutet das konkret (vom Zeitpunkt X an gerechnet):

  • Sie können erst in einem Jahr in diesem Programm einen neuen Projektvorschlag einreichen,
  • Nach 16 Monaten erfahren Sie, ob Ihr Projekt bewilligt oder abgelehnt wird,
  • Sie können im Falle einer Bewilligung in anderthalb Jahren mit dem neuen Projekt beginnen!

Wenn Sie mit solchen Gebern zu tun haben, dann können Sie gar nicht anders, als Ihre Arbeit an die entsprechenden Zyklen anzupassen – und langfristig zu planen.

Was passiert sonst? Sie haben vielleicht ein tolles Konzept, das hervorragend zu einem bestimmten Fördermittelprogramm passt – aber Sie können sich nicht bewerben. »Sorry, we are closed. Try again next year.«

Fördermittelprofis verschaffen sich durch aktive Recherche einen Überblick über Antragsfristen, die innerhalb der nächsten zwei oder drei Jahren auf sie zu kommen, und planen ihre Arbeit entsprechend. Da die Informationsangebote von vielen institutionellen Gebern – gelinde ausgedrückt – nicht besonders übersichtlich sind, kann es eine Kunst sein, diese Aufrufe mitzubekommen. Neben der aktiven Recherche und Planung ist es besonders hilfreich, wenn Sie in Ihrer Branche über ein gut ausgebautes persönliches Netzwerk verfügen. So werden Informationen über eine Ausschreibung zu einem bestimmten Thema oft über branchenspezifische E-Mail-Verteiler ausgetauscht.

Bei sehr arbeitsintensiven Anträgen kann das Insider-Wissen, dass voraussichtlich zu diesem und jenen Zeitpunkt eine Ausschreibung erfolgt, einen entscheidenden Vorteil verschaffen. Bei manchen Antragsverfahren liegt zwischen dem Zeitpunkt der Ausschreibung und der Deadline nur ein kurzer Zeitraum. Praktisch heißt das: Sie haben nur eine Chance, einen guten Projektantrag einzureichen, wenn Sie vorher von der Angelegenheit Wind bekommen haben.

Symbol: »Achtung« (Ausrufezeichen im Dreieck)

Sie merken: Die Vergabepolitik von institutionellen Gebern ist nicht immer kunden- oder bürgerfreundlich. Lassen Sie sich davon nicht abschrecken.