Stiftungen

Eine Stiftung ist eine Einrichtung, die einen bestimmten Zweck verfolgt. Dazu steht Ihr dauerhaft Kapital zur Verfügung. Aus den Erträgen dieses Stiftungsvermögen werden die laufenden Ausgaben bestritten, wie z. B. die Finanzierung der Stiftungsstruktur oder die Förderung von Projekten.

Es ist übrigens ein weit verbreiteter Irrtum, dass alles gesagt ist, wenn eine Institution als »Stiftung« firmiert. Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine Vielzahl von Rechtsformen. So ist etwa die Robert Bosch Stiftung eine GmbH, während die Heinrich-Böll-Stiftung in Form eines gemeinnützigen Vereins organisiert ist. Falls Ihnen die Auseinandersetzung mit dem deutschen Steuerrecht Freude bereitet, dann könnten Sie zur Abwechselung die juristischen Grundlagen des deutschen Stiftungswesens studieren.

Operative und fördernde Stiftungen

In der Praxis ist die Frage nach der Rechtsform einer Stiftung weitgehend uninteressant. Eine andere Unterscheidung ist für Sie bedeutsamer, nämlich ob es sich um eine operative Stiftung oder eine Förderstiftung handelt.

  • Eine operative Stiftung investiert ihr Budget in ihre eigenen Projekte und Aktivitäten.
  • Eine Förderstiftung hingegen unterstützt andere Organisationen, Projekte oder Einzelpersonen, die in ihrem Sinne tätig sind.


Natürlich kann eine Stiftung auch operativ und fördernd zugleich tätig sein. Auch eine operativ tätige Stiftung sucht sich manchmal Partner für die Umsetzung ihrer Aktivitäten. Die Partnereinrichtung profitiert dann finanziell oder in anderer Form von der Zusammenarbeit.

Lange Rede, kurzer Sinn: Nicht alle Stiftungen fördern. Wenn Sie an eine Stiftung herantreten wollen, dann sollten Sie zuerst überprüfen, ob die Stiftung überhaupt die Möglichkeit anbietet, sich  um eine Förderung zu bewerben. Wie es so schön auf der Website der Bertelsmann-Stiftung heißt: »Die Bertelsmann Stiftung arbeitet gemäß ihrer Satzung ausschließlich operativ und nicht fördernd. Sie vergibt daher keine Stipendien und unterstützt auch keine Projekte Dritter. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass Förderanträge nicht bearbeitet werden können.«

Die gute Nachricht ist, dass die Mehrzahl der Stiftungen in Deutschland fördernd tätig ist.

Förderprioritäten

Die nächste Frage ist, welche Stiftung als Förderer Ihrer Organisation oder Ihrer Projekt infrage kommt. Das hängt in hohem Maße von den Zielen und den Themenschwerpunkten der Stiftung ab. Die Website informiert in der Regel darüber, in welchen Themenbereichen die Stiftung tätig ist. Manche Stiftungen beschränken sich in ihrer Arbeit zudem auf ein bestimmtes geographisches Einzugsgebiet.

Symbol: »Beispiel« (Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger)

Ein kurzer Blick auf die Website der Dietmar-Hopp-Stiftung genügt, um festzustellen, dass die Stiftung Förderanträge entgegennimmt, also eine Förderstiftung ist. Die Stiftung ist in den Bereichen Medizin, Sport, Bildung und Soziales tätig. Schaut man noch genauer hin, dann stellt man fest, dass es für den Bereich »Soziales« keine Antragsmöglichkeit gibt, da die Stiftung dort ausschließlich operativ tätig ist, wohl aber für die anderen drei Bereiche. Voraussetzung ist allerdings, dass Projekte »einen regionalen Bezug zum Stiftungssitz« haben müssen. Mit anderen Worten: Förderanträge, die nichts mit der »Metropolregion Rhein-Neckar« zu tun haben, sind »zwecklos«.

Umfang der Förderung

Die nächste Frage, die in der Praxis wichtig ist: In welchem Umfang vergibt die Stiftung Fördermittel? Genauer:

  • Wie oft werden Fördermittel vergeben?
  • Wie hoch ist die zu erwartende Fördersumme?
  • An wie viele Projekte oder Organisationen werden Fördermittel vergeben?


Im Rahmen des »Stiftungs-Booms« ist in Deutschland eine Vielzahl von kleineren Stiftungen entstanden, die pro Jahr ein paar Tausend Euro an einige wenige Projekte vergeben. Oder auch nur an eines. Manchmal beläuft sich die Förderung nur auf ein paar Hundert Euro. Der Grund dafür ist, dass die Erträge eines kleineren Stiftungsvermögens nach Abzug aller weiteren Kosten nicht für größere Fördersummen ausreichen.

Über den Zweck der Gründung einer solchen Stiftung lässt sich streiten. Meiner Meinung nach hätten die Stiftungsgründer besser daran getan, ihr Vermögen direkt und unmittelbar für gemeinnützige Zwecke zu spenden. Aber viele Beweggründe spielen bei der Gründung einer Stiftung eine Rolle, nicht zuletzt emotionale.

Symbol: »Tipp« (eine stilisierte Glühbirne)

Überprüfen Sie, inwiefern sich der Antrag bei einer Stiftung überhaupt lohnt. Manche Organisationen sind enttäuscht, wenn Sie nach längerer Recherche endlich die optimale Stiftung für ihre Projektidee gefunden haben. Dann stellen sie fest, dass die maximale Fördersumme, die sie von der Stiftung erhalten können, 600 Euro beträgt. Zudem sind die Chancen, eine Förderung zu erhalten, schlecht, weil nur ein Projekt pro Jahr gefördert wird.

Antragstellung bei einer Stiftung

Die Förderpolitik und »Organisationskultur« unterscheiden sich von Stiftung zu Stiftung stark. Berücksichtigen Sie die allgemeinen Hinweise aus Teil II und Teil III. Wenn eine Stiftung eine Person wäre, dann wäre sie eine leicht exzentrische Person mit ganz eigenen Vorlieben. Versuchen Sie, zu verstehen, was dieser Person besonders wichtig ist und gestalten Sie Ihren Antrag entsprechend.

Antragstellungen bei Stiftungen sind oft weniger formalisiert als bei staatlichen Gebern. In vielen Fällen können sogar selbst gestaltete Konzepte oder kurze Skizzen eingereicht werden. Auf der Grundlage dieser Dokumente entscheidet die Stiftung, ob ein Projekt zur eigenen Förderpolitik passt. Wenn Ihr Projektvorschlag auf Interesse stößt, werden Sie in der Regel aufgefordert, weitere Informationen einzureichen oder einen umfangreicheren Antrag zu stellen.

Einige allgemeine Ratschläge

  • Wenn Sie eine Skizze oder eine kurzes Konzept gestalten können, dann orientieren Sie sich an der Gliederung, die dieses Buch vorschlägt. Berücksichtigen Sie die Hinweise der Stiftung. Oft finden Sie dort Informationen, was eine Projektskizze beinhalten soll.
  • Wird ein kurzes Konzept erwartet, dann sollte es auch kurz sein. Erkundigen Sie sich über den gewünschten Umfang. Mitarbeiter/innen von Stiftungen wollen relativ schnell entscheiden, ob Ihr Projektvorschlag grundsätzlich infrage kommt. Genauere Informationen über Ihr Vorhaben werden erst in einem nächsten Schritt eingeholt. Gerade bei kleineren Stiftungen stehen nur begrenzte Ressourcen für die Prüfung von Förderanfragen zur Verfügung.
  • Viele Stiftungen verstehen sich als Impulsgeber oder als »Innovationslabore«. Insofern darf Ihr Antrag in der Regel etwas »frischer« geschrieben sein, als wenn er sich z. B. an ein Amt oder ein Ministerium richtet.
  • Wenn die Bewerbungsprozeduren weniger formal gestaltet sind, dann steigt die Bedeutung der persönlichen Kontakte. Nutzen Sie Ihr Netzwerk, um Informationen über die Stiftung zu erlangen oder Ihre Förderanfrage zu unterstützen. Es kann schon hilfreich sein, jemanden zu kennen, der jemanden kennt. Sollte dies nicht der Fall sein, dann suchen Sie aktiv den Kontakt zu den Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeitern und Entscheiderinnen bzw. Entscheidern innerhalb der Stiftung.