EU-Fördermittel

Die EU ist ein Staatenverbund, der aus 27 Mitgliedstaaten besteht (Stand 2011). Wichtige Organe der EU sind der Rat der Europäischen Union und das Europäische Parlament. Die Europäische Kommission ist das Exekutivorgan der EU.

Ein Bestandteil der EU-Politik ist die Initiierung von internationalen Projekten durch die Vergabe von Fördermitteln. Über umfangreiche und langfristig angelegte Programme fördert die EU in den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen. Ein wichtiger Bereich sind beispielweise die Wissenschaften: Die EU finanziert das größte Forschungsförderungsprogramm der Welt. Zum anderen gibt es Förderprogramme für berufliche Bildung, für die Aktivitäten von jungen Menschen, für Erwachsenenbildung, für den schulischen Bereich, für soziale Integration, für den Umweltschutz, für Entwicklungszusammenarbeit – eigentlich für alles, was man sich nur vorstellen kann.

Die Förderung von Projekten ist ein wichtiges Instrument der EU-Politik. Die EU will auf diesem Wege neue Impulse in der europäischen Gemeinschaft setzen. Zudem haben EU-Projekte auch die Aufgabe, die Politik der EU für ihre Bürger/innen erlebbar zu machen. Es geht dabei um die persönliche Begegnung mit Menschen aus anderen Ländern und die transnationale Kooperation von Einrichtungen.

Der »Förderdschungel«

Wenn Sie planen, sich um EU-Gelder zu bewerben, werden Sie schnell bemerken, dass der Bereich der EU-Fördermittel aufgrund seiner Vielfalt sehr unübersichtlich ist. Dies zeigt sich auch daran, dass berufliche Weiterbildungen zum »EU-Fundraiser« entstanden sind. Sie sollen die Kenntnisse vermitteln, die benötigt werden, um sich in der EU-Förderlandschaft zu orientieren und Anträge zu schreiben.

Das Verfassen von EU-Anträgen ist somit eine »Wissenschaft für sich«. Wenn Sie aber einige grundlegende Prinzipien verstanden haben, dann können Sie sich auch ohne eine Zusatz­ausbildung an eine Antragstellung wagen. Sie sollten sich jedoch von einer Person unterstützen lassen, die in diesem Bereich Erfahrung hat.

Strukturförderung und Aktionsprogramme

Zuerst müssen Sie unterscheiden zwischen den EU-Stukturfonds und den Aktionsprogrammen.

EU-Strukturfonds
Die Strukturfonds sind Werkzeuge der EU-Regionalpolitik. Die Mittel aus diesen Fonds fließen nach bestimmten Regeln zurück in die Mitgliedstaaten und sollen dort Regionen mit »Strukturproblemen« unterstützen. Beispiele sind der Europäische Sozialfonds ESF oder der Europäische Fonds für Regionale Entwicklung EFRE. Mittel der Strukturfonds können oft lokal eingesetzt werden, d. h. die Projekte brauchen nicht unbedingt eine starke internationale Komponente.

Aktionsprogramme
Diese fördern Maßnahmen innerhalb eines bestimmten Zeitraums und dienen zur Erreichung von politischen oder wirtschaftlichen Zielen der EU. Beispiele sind das Programm Lebenslanges Lernen mit seinen verschiedenen Unterprogrammen oder das EU-Programm KULTUR. Bei vielen Aktionsprogrammen steht die Mobilität der europäischen Bürger/innen und die internationale Kooperation im Vordergrund. Größere Projekte müssen in der Regel von mehreren kooperierenden Organisationen aus verschiedenen Ländern durchgeführt werden.

Wer verwaltet die Programme?

Allein die Klärung der Frage, wo man Informationen über ein EU-Programm findet und an wen man sich überhaupt wendet, kann eine ganze Menge Zeit in Anspruch nehmen. Planen Sie diese Zeit für die Recherche und die Orientierung im »EU-Förderdschungel« ein.

Verwaltung der Strukturfonds
Die Mittel der Strukturfonds werden von staatlichen Einrichtungen verwaltet und vergeben. Im Falle des Europäischen Sozialfonds ESF kann das z. B. ein Bundesministerium sein oder eine Landesbehörde. Die Informations- und Vergabepolitik dieser Einrichtungen ist manchmal wenig transparent: Es kann durchaus eine Herausforderung sein, an die entscheidenden Informationen zu gelangen. Eine Antragstellung kann aussichtslos sein, wenn Sie nicht von der verwaltenden Stelle mehr oder weniger direkt dazu aufgefordert werden. Manchmal werden Interessensbekundungsverfahren gestartet, auf die sich Ihre Organisation bewerben kann. In anderen Fällen werden die EU-Fördermittel direkt für Aktivitäten eingesetzt, was praktisch bedeutet, dass sich Ihre Organisation nicht darauf bewerben kann, weil es keine Ausschreibung gibt. Sie merken: Die Welt der EU-Strukturfonds ist bunt und vielfältig.

Verwaltung der Aktionsprogramme
Manchen Aktionsprogrammen sind sogenannte Nationalagenturen (National Agencies) in den Mitgliedstaaten zugeordnet. In Deutschland wurde z. B. 2011 das Programm LEONARDO und das GRUNDTVIG-Programm für Erwachsenenbildung vom Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn verwaltet und das Programm JUGEND IN AKTION von der Nationalagentur JUGEND für Europa, ebenfalls in Bonn.

Im Vergleich zur den EU-Strukturfonds sind die meisten Aktionsprogramme besser zugänglich. Auf den Webseiten der Nationalagenturen können Sie sich über Fördermöglichkeiten und Antragstermine informieren. Jede förderfähige Einrichtung kann Anträge einreichen, die dann bewertet werden.

In manchen Unteraktionen oder Maßnahmen der Aktionsprogramme müssen Sie sich zentral bewerben. Das bedeutet, dass Ihr Antrag nicht an die Nationalagentur, sondern nach Brüssel geschickt wird. In manchen Programmen gibt es sowohl zentrale als auch dezentrale Antragsmöglichkeiten. Ein Beispiele dafür ist das Programm Lebenslanges Lernen mit seinen vielen Unterprogrammen. Wichtig ist: wenn Sie sich mit einem Projekt zentral bewerben, können Sie durch den Brüsseler Institutionen keine oder nur eingeschränkte Beratungsleistungen erwarten. Unerfahrene Antragstelle/innen haben ohne intensive und professionelle Unterstützung praktisch keine Chancen auf Erfolg.

Zuletzt gibt es Programme, bei denen Sie sich ausschließlich zentral bewerben können. Beispiele sind das EU-Programm EUROPE FOR CITIZENS oder das Programm KULTUR. In Deutschland gibt es Einrichtungen (sogenannte Kontaktstellen), die über diese Programme informieren, aber keine Anträge entgegennehmen.

Welches Förderprogramm kommt für Sie infrage?

Es existiert eine große Vielfalt an EU-Förderprogrammen. Mit ein bisschen Fantasie und Kreativität sollte Ihre Organisation in der Lage sein, ein Projektkonzept zu entwickeln, das in eines der Programme hineinpasst.

Hier ist eine Liste von EU-Programmen, die gerade für Non-Profit-Organisationen und soziale Einrichtungen interessant sein können:

  • GRUNDTVIG (Erwachsenenbildung),
  • LEONARDO (Berufsbildung),
  • JUGEND IN AKTION (Jugend),
  • EUROPE FOR CITIZENS (Bürgerschaft & politische Bildung),
  • LIFE+ (Umweltschutz),
  • der Europäische Sozialfonds ESF (Unterstützung von Menschen durch Ausbildung und Qualifizierung, arbeitsmarktbezogene Maßnahmen), inklusive der verschiedenen Unterprogramme und Maßnahmen.

Vorsicht Kofinanzierung

EU-Projekte benötigen in der Regel eine Kofinanzierung. Das bedeutet, dass ein bestimmter, prozentual definierter Anteil des Projektbudgets aus anderen (Nicht-EU-)Quellen stammen muss. Der Kofinanzierungsanteil kann 10 % betragen, aber auch 50 %. Akzeptierte Formen der Kofinanzierung sind beispielsweise staatliche Mittel oder Eigenmittel. Es ist nicht erlaubt, eine EU-Förderung in ein und demselben Projekt mit einer anderen EU-Förderung zu kombinieren.

Sie müssen bereits während der Antragstellung Angaben darüber machen, wie Sie das Projekt kofinanzieren werden. Berücksichtigen Sie die allgemeinen Hinweise zum Thema Kofinanzierung. Mehr als das: Ziehen Sie jemanden hinzu, der sich auskennt.

Die Kofinanzierung für ein EU-Projekt auf die Beine zu stellen, ist oft eine organisatorische und administrative Herausforderung. Viele Antragsstellungen kommen wegen der Kofinanzierung nicht zustande. Wenn Sie ein kleine Organisation sind, die nur über geringe Einnahmen verfügt, sollten Sie sich besser von der Idee verabschieden, ein größeres EU-Projekt zu beantragen. Die Auffassung, dass eine Organisation mit geringen Ressourcen »einfach so« ein paar EU-Millionen beantragen kann, ist ein Irrtum. Andererseits gibt es eine Vielzahl kleinerer Förderoptionen, die für Ihre Organisation wertvoll sein können. Manche Organisationen haben mit kleinen Projekten begonnen und sich im Verlauf einiger Jahre zu großen internationalen Projekten hochgearbeitet. Wenn Sie es so weit schaffen, können Sie auch Personalstellen mit EU-Geldern finanzieren. Wichtig ist, dass die »Europäisierung« der Aktivitäten ein geplanter und gewünschter Teil ihrer Organisationsentwicklung ist.

Formate und Vorgaben der EU-Förderung

Die meisten EU-Programme haben sehr genaue Vorgaben im Hinblick auf die Formate, in denen ein Projekt umgesetzt werden soll. So kann eine Fördermaßnahme nur Veranstaltungsformate fördern, eine andere nur Fortbildungen für benachteiligte Menschen.

Viele Organisationen haben eine Idee und möchten dann wissen, welches EU-Programm geeignet ist, um Gelder dafür einzuwerben. Manchmal suchen sie auch »einfach nur nach Geld« für ihre Aktivitäten. Wenn Sie so vorgehen, werden Sie wenig Erfolg haben, denn die EU fördert nur Projekte, die bestimmte Kriterien erfüllen. Institutionelle Förderungen gibt es selten.

Was das passende Förderprogramm zu einer Idee angeht: Es ist hilfreich, sich einen groben Überblick über die geeigneten Förderoptionen zu verschaffen. Oft bieten die verwaltenden Stellen Informationsveranstaltungen an, um die Fördermöglichkeiten vorzustellen. Diese Angebote sollten Sie nutzen. Selbst wenn Sie eine phantastische Idee für ein Projekt haben, müssen sie aus dieser Idee ein Projektkonzept entwickeln, das mit den entsprechenden Förderbedingungen harmoniert. Die Entwicklung eines Projektkonzepts ohne Kenntnisse der Förderbedingungen ist in der EU-Förderbranche vergeudete Zeit.

Mobilität und internationale Zusammenarbeit

Viele EU-Förderprogramme bieten die Möglichkeit für Reisen und Auslandsaufenthalte. Beispiele sind Auslandspraktika für Auszubildende, Fachkräftereisen oder internationale Fortbildungs­kurse. Die EU möchte Mobilität fördern.

Zudem ermöglichen die Programme internationale Kooperationen: Organisationen aus verschiedenen europäischen Ländern entwickeln gemeinsam ein Bildungsangebot oder organisieren eine Konferenz. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Verständigung ist ein Grundgedanke der EU-Förderprogramme.

Dies heißt aber auch, dass die meisten EU-Projektformate Mobilität und internationale Zusammenarbeit erfordern. So können Sie ein multilaterales Projekt im Programm Lebenslanges Lernen nur beantragen, wenn im Rahmen des Projekts Organisationen transnational kooperieren. Projekte, die ausschließlich lokale oder nationale Aktivitäten beinhalten, sind nicht förderfähig.

Dies sei hier erwähnt, weil viele kleine Non-Profit-Organisationen sich genau das wünschen – sie suchen nach einer Möglichkeit, dass ihre Aktivitäten »vor Ort« gefördert werden, am besten durch die Finanzierung von Personalstellen. Und genau das ist in vielen EU-Programmen nicht möglich.

Es gibt allerdings auch Ausnahmen. So sind Mittel aus den EU-Stukturfonds zum Einsatz in den Mitgliedstaaten gedacht. Diese Mittel dürfen für lokale Aktivitäten eingesetzt werden, zum Beispiel zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in einem bestimmten Gebiet. Die Frage ist, ob es Ihnen gelingt, an diese Mittel heranzukommen. Denn die Voraussetzungen für eine Bewerbung sind sehr hoch, Organisationen mit geringen Ressourcen haben kaum eine Chance. Sie erfüllen beispielsweise die Anforderungen der Kofinanzierung nicht.

Zudem werden in einigen Programmen auch kleinere lokale Projekte gefördert, z. B. im Programm JUGEND IN AKTION oder bei der Unterstützung von »Mikroprojekten« zur sozialen Stadtentwicklung. Da die Höhe der Förderung recht gering ist, ist eine nachhaltige Finanzierung von Personalstellen kaum möglich.

Viele EU-Förderprogramme zielen also darauf, sich mit anderen Akteuren auszutauschen, voneinander zu lernen und die Aktivitäten von Organisationen zu »internationalisieren«. Diese Förderpolitik ermöglicht die Durchführung von zusätzlichen Projekten, nicht die »Basisfinanzierung« einer Einrichtung. Behalten Sie dies im Hinterkopf, wenn Sie sich mit EU-Förderprogrammen beschäftigen. Wenn Sie klug eingesetzt werden, können EU-Mittel allerdings durchaus als zusätzliches Standbein zur Finanzierung einer Organisation beitragen.

Prozedere der Antragstellung

Die EU ist die Königin der Formalitäten. Wenn Sie eine EU-Antragstellung von vorne bis hinten bewältigt haben, dann kann Sie kein Antragsverfahren mehr erschrecken. Hier einige allgemeine Regeln, die bei EU-Anträgen fast immer zutreffen:

  • Bei der Antragstellung sind Fristen (Deadlines) zu berücksichtigen. Manchmal kann nur einmal im Jahr ein Antrag eingereicht werden.
  • Es müssen für die Antragsstellung vorgefertigte elektronische Formulare verwendet werden, die nach genau festgelegten Regeln ausgefüllt werden müssen.
  • Formale Bedingungen müssen bei der Einreichung des Antrags berücksichtigt werden. Viele Organisationen scheitern an den Formalia.
  • Auch die Prüfung der Anträge ist sehr formal organisiert, mit externen Gutachtern bzw. Gutachterinnen und genau vorgegebenen Prüfkriterien.
  • Sie müssen mit langen Wartezeiten rechnen, während ihr Antrag geprüft und bewertet wird.

Europäischer Mehrwert

In vielen Anträgen taucht die Frage nach dem »Europäischen Mehrwert« oder der »europäischen Dimension« des Projekts auf (»European Added Value« oder auch »European Dimension«). Viele Antragsteller/innen zerbrechen sich den Kopf darüber, was hiermit gemeint ist. Entsprechend schwer fällt es Ihnen, die Frage zu beantworten. In der Regel spielt der Europäische Mehrwert bei der Begutachtung von Anträgen eine große Rolle. Oft muss er in in einem eigenen Textabschnitt im Antrag dargestellt werden. Ferner wird gefordert, ihn bei der Beschreibung des Problems zu berücksichtigen.

Was ist damit gemeint? Stellen Sie sich einfach mal die Frage, warum ein europäischer Staatenverbund Ihr Projekt fördern sollte. Denken Sie europäisch. Hier sind einige Anhaltspunkte, wie Sie den europäischen Mehrwert Ihres Projekts beschreiben können.

  • Mit Ihrem Projekt versuchen Sie, ein Problem zu lösen. Gibt es dieses Problem in anderen europäischen Ländern auch, handelt es sich um eine gemeinsame Herausforderung der europäischen Länder? Führen Sie Belege aus verschiedenen Ländern an, nicht nur aus Deutschland.
  • Kann ein Problem letztendlich nur auf europäischer Ebene gelöst werden? Oder kann durch die europäische Zusammenarbeit ein großer Beitrag zur Lösung eines Problems geleistet werden?
  • Werden Projektinhalte von Organisationen in verschiedenen Ländern gemeinsam entwickelt, unter Berücksichtigung der jeweiligen Besonderheiten? Sind die Lösungsansätze, die Sie entwickeln, übertragbar?
  • Fördern Sie mit Ihren Projektinhalten die interkulturelle Verständigung und wenn ja, wie?
Symbol: »Tipp« (eine stilisierte Glühbirne)

Auch wenn es Ihnen übertrieben erscheinen mag: Zitieren Sie auch in einem kleinen Projektantrag aus offiziellen EU-Veröffentlichungen. Durch den Einsatz von Internet-Suchmaschinen können Sie fast zu jedem Thema eine geeignete EU-Veröffentlichung aufstöbern und Ihre Argumentation damit untermauern.

In welcher Sprache schreiben?

Gerade bei grenzüberschreitenden Kooperationen stellt sich oft die Frage, in welcher Sprache ein Antrag geschrieben sein kann oder muss. Hierfür gibt es in den verschiedenen Programmen unterschiedliche Regeln. Grundsätzlich können EU-Anträge in allen Mitgliedssprachen gestellt werden. Sie können auch einen Antrag mit deutschen Texten nach Brüssel schicken.

In der Regel soll der Antrag in der Arbeitssprache des Projekts verfasst sein. Dies ist einerseist manchmal vorgegeben und andererseits eine inhaltliche Überlegung: Die Gutachter/innen könnten sich die Frage stellen, wie die mitwirkenden Partnerorganisationen die Inhalte des Antrags verstehen sollen, wenn dieser in einer Sprache geschrieben ist, die sie nicht verstehen. Die übliche Arbeitssprache für viele europäische Projekte ist Englisch. Projekte mit einer geringeren transnationalen Komponente, die bei einer nationalen Stelle eingereicht werden, sind oft in der Landessprache verfasst, also z. B. in Deutsch.

Manchmal werden Anträge oder Teile davon in Datenbanken oder Katalogen veröffentlicht, da Sie sich an Teilnehmer/innen aus ganz Europa wenden. Ein Beispiel dafür sind Europäische Weiterbildungsangebote im Programm Lebenslanges Lernen. Potentielle Interessenten für Ihre Maßnahme lesen dann diese Texte. Wenn Sie diese Informationen nur in deutscher Sprache veröffentlichen, schränkt dies den Adressatenkreis ziemlich ein. Besser ist es, wenn Sie die Texte in englischer Sprache, oder besser noch: in zwei oder drei Sprachen veröffentlichen.

European English

Falls Sie einen Antrag in englischer Sprache schreiben wollen oder müssen, so ist der folgende Hinweis vielleicht für Sie beruhigend. Orthographische Korrektheit ist schön – aber nicht unbedingt vonnöten.

Bleiben Sie also locker, wenn Sie englischsprachige Texte verfassen (müssen). Wenn Sie einmal ein europäisches Projekttreffen oder eine europäische Konferenz besucht haben, dann merken Sie sofort, dass das fröhliche Radebrechen zur europäischen Zusammenarbeit dazugehört.

Eine Praktikantin aus England prägte in meiner Agentur dafür einmal den Begriff »European English«. »European English« ist oft auch die Sprache der Antragstellung. The European English is very often not so correctly.

Wenn es Ihnen möglich sein sollte, dann bitten Sie dennoch eine Muttersprachlerin oder einen Muttersprachler, Sie zu unterstützen und Texte zu überarbeiten oder zu übersetzen. Meiner persönlichen Meinung nach wirkt ein fehlerfreier und gut formulierter Antrag überzeugender, aber das ist auch ein wenig Geschmackssache. Because you could be on the wood way with some of the expressions.

Beim Überarbeiten von englischen Texten sollten Sie zwei Dinge unbedingt berücksichtigen:

Symbol: »Wichtig« (ein Ausrufezeichen in einem blauen Kreis)
  • Verständlichkeit: Ihr Antrag könnte Menschen zur Bewertung vorgelegt werden, für die die Sprache des Antrags eine Fremdsprache ist. Aus diesem Grund sollte der sprachliche Stil nicht zu elaboriert sein. Achten Sie darauf, dass die Texte so geschrieben sind, so dass Sie von Menschen mit unterschiedlichen Sprachfähigkeiten verstanden werden können. Einfach schreiben, aber dennoch kompetent wirken – das ist die Kunst.
  • Fachbegriffe aus dem EU-Projektjargon: Das European English beinhaltet Begriffe, die im europäischen Projektmanagement eine bestimmte Bedeutung haben und von allen Beteiligten verstanden werden. Diese Begriffe kennen die oben erwähnten muttersprachlichen Lektorinnen und Lektoren nicht unbedingt. Beispiele sind dissemination oder european added value. Ihre Lektorinnen und Lektoren könnten wohlmeinend auf die Idee kommen, diese Begriffe umzuformulieren oder wegzukürzen. Dies wäre aber ein Fehler. Behandeln Sie diese Begriffe wie Buzzwords. Sie müssen im Antrag gebührend Verwendung finden, auch wenn den Muttersprachlerinnen und Muttersprachlern die Haare zu Berge stehen.

Häufige Fehlerquellen beim Schreiben in englischer Sprache

Vorsicht ist angebracht bei Begriffen, deren Bedeutung in verschiedenen Ländern variiert. So bezeichnet »Student« in Deutschland einen Studenten. Ein »student« kann in England auch ein Schüler oder ein Doktorand sein.

Weiterhin sind false friends gefährlich: Wörter, die gleich oder ähnlich klingen, aber eine unterschiedliche Bedeutung haben. Insofern sollte das erste Projekttreffen besser nicht im »bureau« vom »chef« stattfinden, denn es könnte die Frage aufkommen, was Sie im Büro des Kochs machen wollen (sie meinten wohl das Büro des Geschäftsführers).

Auch wortwörtliche Übersetzungen resultieren oft in Fehlern. Wenn man von einer staatlichen oder öffentlichen Schule in Deutschland spricht, so wäre die Übersetzung mit »public school« irreführend, denn dies wäre in England eine elitäre Privatschule.

Weiterhin ist das Bildungssystem in den verschiedenen europäischen Ländern unterschiedlich aufgebaut, und so existieren bei manchen Begriffen gar keine genauen Entsprechungen. So ist in Deutschland eine »Auszubildende« eine Person, die im Rahmen des dualen Ausbildungssystems ausgebildet wird. Dieses Ausbildungssystem gibt es in dieser Form in England nicht. Begriffe wie »apprentice« oder »trainee« haben in England eine leicht andere Bedeutung. Manchmal muss man bei einer Antragstellung einfach den Begriff wählen, der am besten passt und der von den meisten Beteiligten verstanden wird.

Internationale Zusammenarbeit

Sollten Sie ein EU-Projekt mit mehreren beteiligten Partnereinrichtungen beantragen wollen, die in ganz Europa verteilt sind, dann sind hier noch einige praktische Hinweise:

a) Partnersuche
Bei vielen EU-Projektformaten ist es eine formale Voraussetzung, dass Sie den Antrag gemeinsam mit Organisationen im europäischen Ausland stellen. Insofern ist es hilfreich, wenn Sie über ein gut ausgebautes internationales Netzwerk und viele persönliche Kontakte verfügen. Das Knüpfen solcher Kontakte ist ein essentieller Bestandteil der europäischen Projektarbeit. Das bedeutet im Umkehrschluss: Wenn Sie kurz vor einer Antragstellung stehen, aber nicht die notwendige Anzahl von Projektpartnern beisammen haben, dann ist es oft zu spät. Denn der Aufbau eines solchen Netzwerks kann Monate oder Jahre dauern. Erfahrene EU-Projektmanager/innen verfügen deshalb über eine Vielzahl von Kontakten zu Organisationen, die zur Zusammenarbeit bereit sind und die für eine Antragstellung »aktiviert« werden können.

Wie baut man ein solches Netzwerk auf? Sie können an Projekten teilnehmen, die Mobilität fördern. Beispiele sind individuelle Fortbildungsmaßnahmen im Ausland oder Fachkräftereisen. Die EU bietet in vielen Programmen sogar Kontaktseminare an, die genau dem Zweck dienen, dass sich potentiell interessierte Antragsteller/innen kennenlernen. Die Teilnahme an diesen Veranstaltungen wird von der EU gefördert.

Wenn Sie auf internationaler Ebene tätig werden, können Sie damit rechnen, dass Sie Anfragen von Organisationen aus anderen Ländern erhalten. Manchmal geht es darum, bei Ihrem Projekt als Partner mitwirken dürfen, manchmal erhalten Sie das Angebot, Ihre Organisation an einem Projektantrag zu beteiligten. Generell rate ich Ihnen davon ab, einen Partner in ein Projektkonsortium aufzunehmen, den Sie nicht kennen.

b) Größe des Konsortiums
In vielen EU-Programmen ist eine Mindestzahl von teilnehmenden Einrichtungen und Ländern angegeben, die für eine Antragstellung notwendig sind. Oft haben Projekte, die bewilligt werden, eine größere Anzahl von teilnehmenden Einrichtungen als die angegebene Mindestzahl. Versuchen Sie herauszufinden, welche Anzahl von teilnehmenden Partnern und Ländern sie zusammenbekommen müssen, um nicht nur förderfähig, sondern auch »konkurrenzfähig« zu sein.

c) Akteursvielfalt
Die EU liebt die Akteursvielfalt und die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Es kann von Vorteil für eine Antragstellung sein, aus einer »bunten Truppe« von Organisationen, Unternehmen und Einrichtungen ein schlagkräftiges Team zu formen. Natürlich sollten die teilnehmenden Akteure einen Bezug zum Thema und dem Ziel des Projekts haben. Orientiert an ihren Kompetenzen übernehmen die einzelnen Partner bei der Projektabwicklung dann eine passende Rolle.

d) Kommunikation
Wenn Sie mit Menschen aus verschiedenen Ländern gemeinsam an einem Antrag arbeiten, dann sollten Sie besonders viel Zeit für die Kommunikation miteinander und den gemeinsamen Arbeitsprozess einplanen. Berücksichtigen Sie kulturelle Unterschiede in Zeitverständnis und Arbeitsweise.