Wie lernt man Community Organizing?

Seite 2: Zuhörprozess

Die vier Phasen eines Organizing Prozesses

Die tabellarische Zusammenstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und bietet nur stichpunktartig Anhaltspunkte dafür, was in einem Training gelernt und vor allem auch ausprobiert werden kann.
Die vier Phasen sind ein Versuch, den Prozess zu strukturieren. Sie dürfen aber nicht als strenge Abfolge gesehen werden. Insbesondere die vierte Phase, der Aufbau einer nachhaltig wirksamen, demokratischen Organisation der Zivilgesellschaft (Bürger/innen-Organisation), ist von anderer Qualität als die vorhergehenden Phasen, da sie fortlaufend mitgedacht und weiterentwickelt werden muss.
Die Grafik ist ein Versuch zu verdeutlichen, dass es sich beim CO um einen fortlaufenden Prozess der Weiterentwicklung einer zivilgesellschaftlichen Organisation handelt, bei dem sich einzelne Schritte regelmäßig wiederholen.

Die vier Phasen und ihre einzelnen Schritte – und was dabei jeweils zu bedenken ist

Vorphase: Bevor ein CO-Prozess beginnen kann, muss es Menschen geben, die eine Vision von den Möglichkeiten eines solchen Prozesses haben und ggf. bereit sind, ihn in der Startphase zu finanzieren. Nur wenn es einen klaren Auftrag gibt, kann ein/e Organizer/in tätig werden. Um welche Region/Nachbarschaft soll es gehen? Wie soll der/die Organizerin finanziert werden?

Phase 1: Zuhörprozess. Das Zuhören organisieren

Schritte und Fragen, die zu klären sindWas ist zu tun und zu bedenken – einige Praxistipps
  • Entscheidung: welches Gebiet/Region
  • Ressourcenbedarf klären
  • Training für »Eins-zu-eins« Besuche
  • Zeitplan
  • Durchführen der Zuhöraktion (6-8 Wochen)
  • Auswerten
  • Wer ist der Aktionskern?
  • Wer ist als Zuhörer/in zu gewinnen?
  • Ankündigung der Zuhöraktion
  • Entwicklung eines Gesprächsleitfadens
Versammlung aller Interessierten
  • Die Versammlung niedrigschwellig planen.
  • Den Austausch unter den Interessierten ermöglichen.
  • Dafür sorgen, dass alle Interessierten kommen (eingeladen und ggf. auch angerufen werden).
Vorstellung der Ergebnisse aus der ZuhöraktionWer macht das? Eine gute Chance für neue Schlüsselpersonen: Die Bürger/innen stellen ihre eigene Tagesordnung auf und reagieren nicht nur auf Vorschläge, die von anderen entwickelt worden sind
Entscheidung über PrioritätenDie Themen, die gemeinsam bearbeitet werden sollen, müssen von den Anwesenden entschieden werden.

Aus den genannten Themen wird das (erste) Aktionsthema gewählt:

  • dringend
  • gewinnbar
  • es stärkt die Gruppe
  • sehr konkret

Das bedeutet, es ist zu benennen:

  • Wer tut etwas oder tut etwas nicht?
  • Was tut er oder sie (nicht)?
  • Wem schadet dies? Wer sind die Opfer?
  • Wo passiert das alles?

Der/Die Organizer/in ist hier nicht in der »ersten Reihe«, sondern stärkt die engagierten Bürger/innen, damit sie als Vertretung der Betroffenen agieren können.


Ein Aktionskern muss sich finden, mit Menschen, die Verantwortung übernehmen wollen und (Eigen-)Interesse an dem Thema haben.

 

Verabredung von Arbeitsgruppen, in denen weiter gearbeitet wird.Wichtig ist, das Problem nicht vorschnell an Vertreter/innen von Parteien oder andere Interessenverbände abzugeben, sondern ggf. die Sicht der verschiedenen Parteien zu diesem Thema herauszufinden.
Sich über eine »vorläufige« Organisationsform und die Grundlage der gemeinsamen Werte und Normen verständigenWas ist unser Absender, wenn wir gemeinsam einen Brief schreiben? Wer unterschreibt? Wer sind unsere vorläufigen Sprecher/innen?
Für Verbindlichkeit in den Absprachen sorgen.


Sich gut überlegen, ob die Presse zur Versammlung eingeladen werden soll oder ob man besser selber berichtet. Die interessierten Einwohner/innen müssen sich ja erstmal selber »finden« und sollten selber entscheiden können, wie sie sich nach außen darstellen.