Zur Geschichte des Community Organizing in Deutschland

Seite 6: Aktuelle Entwicklung

Internationale Zusammenarbeit

Ab dem Jahr 2006 verstärkte FOCO seine internationalen Kontakte, insbesondere zu Initiativen und Organisationen aus den Staaten Mittel- und Osteuropas (MOE). So konnte mit Unterstützung der Evangelischen Kirche im Rheinland in den Jahren 2006 bis 2008 in Paris jährlich ein europaweites fünftägiges Training in CO mit jeweils 20–30 Aktiven durchgeführt werden. Hieraus gründete sich im Januar 2008 das Europäische Community Organizing Netzwerk (ECON) mit entsprechenden Ansprechpartner/innen in 13 Ländern Europas, vorwiegend aus der Region MOE, aus Österreich und Schweden. Deutschland ist in dem Netzwerk durch FOCO vertreten. Gemeinsames Ziel der in ECON zusammengeschlossenen Dachverbände ist es, »ein wachsendes Netzwerk für die Förderung, Unterstützung und Verbreitung von CO in Europa zu entwickeln, auf der Grundlage gemeinsamer Wertvorstellungen von Gerechtigkeit, Mitgefühl, demokratischer Mitbestimmung und unter Anerkennung ethnischer, kultureller und religiöser Vielfältigkeit«. (36)

Gefördert aus Geldern des Grundtvig-Programms für lebenslanges Lernen der Europäischen Union führte FOCO vom August 2009 bis Juli 2011 das Projekt »ECON – Learning partnership for active citizen’s participation of disadvantaged groups« durch. Die Kooperationspartner in diesem Projekt kamen aus Turnu Severin (Rumänien), Debrecen (Ungarn) und Stettin (Polen). Neben der Veröffentlichung eines Handbuchs mit Best-Practice-Beispielen wurden im Rahmen der europäischen Zusammenarbeit auch vielfältige Arbeitsmaterialien für Leadershiptrainings zusammengetragen sowie zahlreiche Praxisberichte der Öffentlichkeit online zugänglich gemacht.

Aktueller Stand zu Community Organizing in Deutschland

  • Das Forum Community Organizing hat sich als bundesweit anerkannte Adresse für CO in seinen vielfältigen Umsetzungsformen etabliert. Seit November 2009 gibt FOCO (wieder) zweimal jährlich einen Newsletter zu den aktuellen Entwicklungen auf nationaler und internationaler Ebene heraus. Der Verein hat aktuell 60 Mitglieder, ist Gründungsmitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft Soziale Stadtentwicklung und Gemeinwesenarbeit sowie des Europäischen Community Organizing Netzwerkes (ECON). Über die Website wird regelmäßig eine Vielzahl von an CO interessierten Menschen – auch weit über Deutschland hinaus – erreicht und bundesweit werden in derzeit insgesamt 13 Städten zum Teil mehrere Projekte bei der Umsetzung von CO oder von einzelnen Elementen hieraus beraten.
  • Mit dem Deutschen Institut für Community Organizing (DICO) an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin existiert eine zweite in diesem Feld bundesweit aktive Institution, die sich auf das IAF-Modell »Broad Based Organizing« konzentriert, mit Bürgerplattformen in Berlin und Hamburg sowie weiteren in der Sondierung. (37)
  • CO in Deutschland wird darüber hinaus in den letzten Jahren verstärkt auch in den beiden großen Kirchen, in den Gewerkschaften und in Sozialen Bewegungen bis hin zu Parteien und Stiftungen diskutiert. Eine Debatte um die Stärkung der Zivilgesellschaft ist ohne die Diskussion des CO kaum noch vorstellbar.
  • Auch in der Wissenschaft hat sich CO zumindest in Ansätzen etabliert. In den Ausschreibungen für Professuren im Bereich Gemeinwesenarbeit ist in den letzten Jahren regelmäßig der Hinweis auf CO enthalten und auch die Jahrestagungen der Deutschen Gesellschaft für Soziale Arbeit widmen sich regelmäßig dem CO. In diesem Bereich des Wissenschaftsbetriebs kommt man an Community Organizing nicht mehr vorbei.