Fundraising und Community Organizing

Seite 2: Möglichkeiten der Finanzierung

Möglichkeiten der Finanzierung

Gerade dann, wenn die Finanzierung durch öffentliche Mittel gesichert zu sein scheint, wird in Deutschland vielfach die Bedeutung einer eigenständigen Finanzierung der geschaffenen Bürgerorganisation – insbesondere durch Beiträge und Spenden – unterschätzt. Das Fundraising (7) hat für den Aufbau einer selbstbewussten, starken Bürgerorganisation eine prägende Bedeutung.

Was ist unter Fundraising zu verstehen?

Eine Organisation der Zivilgesellschaft/Bürgerorganisation kann, unter der Voraussetzung, dass sie selber eine rechtsfähige Person/eingetragener Verein ist oder sich eine vergleichbare Hilfskonstruktion (8) geschaffen hat, eigene Mittel über verschiedene Wege beschaffen:

  • Mitgliedsbeiträge von Einzelpersonen und/oder Organisationen, die auch in »symbolischer« Höhe erhoben werden können,
  • Spenden, die einmalig oder regelmäßig von Unterstützer/innen, Sympathisierenden sowie von örtlichen Gewerbetreibenden (Wirtschaft) eingeworben werden,
  • Fördermittel, die bei Stiftungen oder sonstigen fördernden Organisationen (z. B. Serviceclubs) beantragt werden (9),
  • Partnerschaften mit Unternehmen/lokaler Wirtschaft, die häufig unter dem Stichwort »Corporate Social Responsibility (CSR)« entwickelt werden. Unter CSR ist allerdings ein umfassendes Konzept für das gesamte Unternehmen zu verstehen und bedeutet deshalb weit mehr als eine Spende an eine soziale Organisation.

Auf »Sponsoring« – eine vertraglich geregelte finanzielle oder materielle Unterstützung, bei der sich die empfangene Organisation zu Gegenleistungen (z. B. Werbung o. ä.) verpflichten muss, gehe ich hier nicht genauer ein.

Symbol: »Wichtig« (ein Ausrufezeichen in einem blauen Kreis)

Vielfach wird in Deutschland das »Fundraising« immer noch mit »Betteln« verwechselt und befürchtet, dass sich eine Organisation mit der Annahme von Spenden/Fördermitteln von ihren Förderern die Inhalte diktieren lassen muss. Dies muss nicht so sein. Es hängt entscheidend davon ab, ob die Organisation eine eigene Fundraisingsstrategie entwickelt hat und dementsprechend selbstbewusst mit ihren Förderern umgeht. (10)

Auch Firmenspenden oder (Firmen-)Stiftungsmittel sind kompatibel mit CO

In der (amerikanischen) Geschichte des CO gibt es viele Beispiele, wo Community Organizations Geld von großen Firmen, Unternehmensstiftungen und sogar auch von Konfliktgegnern angenommen haben. (11) Wichtig ist dabei, dass sich die Organisation durch die Annahme der Spende nicht in ihrer Entscheidungsfreiheit und Unabhängigkeit begrenzen lässt. Grundsätzlich gilt: Die Annahme einer Spende verpflichtet zu keiner Gegenleistung (sonst wäre es keine Spende), und sie muss auch nicht veröffentlicht werden. Allerdings sollte man sich auf eine Form des angemessenen Dankes verständigen. Die Bürgerorganisation sollte sich vorher genau in den Förderrichtlinien informieren, ob sie sich mit der Annahme der Förderung zu Gegenleistungen verpflichten muss und sich vor Beantragung strategisch überlegen, ob die Förderbedingungen mit ihren Zielen kompatibel ist. Zahlreiche große Unternehmen haben Stiftungen gegründet, mit denen eigene Ziele verfolgt und gefördert werden sollen. Bisher gibt es in Deutschland – im Gegensatz zu den USA, wo CO für einige große Stiftungen zu einem bevorzugt geförderten Arbeitsbereich gehört – noch nicht sehr viele Beispiele von gelungenen Förderpartnerschaften. Hier wird sich hoffentlich in der Zukunft noch einiges ändern.

Für die Bedenkenträger ist zu beachten: eine Förderpartnerschaft ist etwas anderes als Sponsoring (wo eine Gegenleistung Bestandteil der Vereinbarung ist). In jedem Fall ist es ratsam, bei jeder Kooperation ein »Memorandum of Understanding« zu formulieren, das die Ziele und die gegenseitigen Bedingungen der Zusammenarbeit festhält.
Um sicher zu gehen, dass keine, die Bürgerorganisation selbst blockierende »Grundsatzrecherche« (12) unternommen wird, ist eine pragmatische Prüfung folgender Fragen empfehlenswert, die jeweils immer auch noch einmal auf die konkrete Situation vor Ort bezogen werden sollten. (13)

  • Gibt es für unsere Organisation Unternehmen/Unternehmensfelder, mit denen wir aufgrund unserer ethischen Werte auf keinen Fall in Verbindung gebracht werden wollen (z. B. Rüstungsproduktion, Tabak)?
  • Gibt es spezifische Personen, Unternehmen, Stiftungen oder Regierungsagenturen, die wir auf keinen Fall um Unterstützung bitten wollen? Welche Art von Gegenleistung (z. B. in Form von Öffentlichkeitsarbeit) erwartet diese fördernde Organisation? Welchen Gestaltungsspielraum sehen wir, um diese Gegenleistung positiv für uns nutzen zu können?
  • Die Sorge, dass mit der Annahme von Fördermitteln und Spenden »Greenwashing« passiert, müssen sich Organisationen machen, die über eine große Bekanntheit und ein attraktives Image verfügen (wie z. B. Greenpeace, NaBu oder Robin Wood). Davon sind lokal tätige Bürgerorganisationen/Community Organizations in der Regel aber noch weit entfernt. Während größere Organisationen vor umfangreichen Unternehmenskooperationen auch mal eine »Risikoanalyse« in Auftrag geben können (Welches Risiko gehen wir für unsere Glaubwürdigkeit ein, wenn wir uns von Firma xy fördern lassen?), kann es für kleinere Organisationen ratsam sein, sich an den Bewertungen von unabhängigen, anerkannten Instituten zu orientieren (z. B. »Oekom-research/Ökovision« oder »naturaktienindex«), die Unternehmen nach wissenschaftlichen Nachhaltigkeitskriterien (sozial, ökologisch) bewerten.
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Eine mögliche Kooperation mit der Wirtschaft einzugehen, muss nicht bedeuten, dass man vorschnell auf mögliche öffentliche Förderungen verzichtet und stattdessen nur noch auf private Spenden und Förderungen aus der Wirtschaft setzt.