Organizing ohne Organizer

Seite 2: Finanzierung & Ziele

Unterschiedliche Rollen und Aufgaben

Aus der Initiativgruppe heraus koordinierte eine Gruppe Ehrenamtlicher das Projekt. In regelmäßigen Treffen entwickelten sie Entscheidungs- und Kommunikationsstrukturen weiter. Unterstützt wurden sie hierbei von Paul Cromwell, der seine Erfahrung und sein Wissen einbrachte und die Gruppe in Entscheidungsfindungsprozessen unterstützte. Von August 2011 bis Juli 2012 konnte eine Projektkoordinatorin eingestellt werden. Die Einrichtung einer Teilzeitstelle (50 Prozent) mit eigenem Büro in einer beteiligten Kirchgemeinde war in der akuten Vorbereitungsphase einer Aktion hilfreich, um alle am Projekt beteiligten Initiativen und Bürger/innen zu koordinieren und ihnen als Ansprechpartner/in zur Verfügung zu stehen. Die Koordinatorin kümmerte sich um die kontinuierliche Weiterentwicklung der Strukturen, die Netzwerkarbeit auf Akteursebene, die Verankerung des Projektes im Stadtteil und die Öffentlichkeitsarbeit.

Finanzierung

Die Anstellung einer Projektkoordinatorin in Teilzeit gelang durch eine Mischung aus finanzieller Unterstützung durch das Landeskirchenamt und die Akquise von Eigenmitteln. Die Akquirierung solcher Mittel ist aufwendig. Gut gelingt die Finanzierung von Weiterbildungsangeboten oder Tagungen für Bürger/innen, die nicht nur der Fortbildung, sondern auch dem Austausch der Ehrenamtlichen dienen. Beispielsweise gelang mit der Unterstützung der Bürgerstiftung Leipzig und der Stadt Leipzig die Ausrichtung einer Fortbildung mit dem Schwerpunkt »Demokratieförderung«. Das Projekt finanziert sich aktuell durch Fördermittelakquise und Privatspenden.

Ziele

Die Ziele des Projektes liegen auf unterschiedlichen Ebenen. Wir haben die Ebene der im Stadtteil lebenden Bürger/innen und deren Interessenlagen, die Ebene der Gemeindeglieder und die politische Ebene der Demokratie. Alle drei Ebenen spielen bei den beteiligten Bürger/innen in unterschiedlicher Ausprägung eine Rolle, dabei sind die Ebenen nicht klar voneinander zu trennen. Zum besseren Verständnis der Ziele und Motivationen des Projektes »Starke Nachbarschaften durch aktive Beteiligung« werden die Ebenen im Folgenden getrennt dargestellt.

Auswertung der Zuhöraktion

Auf der Ebene der im Stadtteil lebenden Bürger/innen sind als kurzfristige und mittelfristige Ziele die Belange der Bewohner/innen zu nennen. Der »Zuhörprozess« diente dem Herausarbeiten dieser Belange sowie der Aktivierung der Bewohner/innen. Ziele sind beispielsweise die Wiederbelebung eines Spielplatzes durch die dortigen Anwohner/innen, Kindergärten und Familien. Das soziale Miteinander in einem Stadtteil, der von Überalterung und entwicklungsbedürftiger Infrastruktur geprägt ist, soll entwickelt werden. Ein wichtiges Thema in den Jahren 2011 und 2012 war die Reaktivierung des sogenannten »Zooschaufensters«. Durch Umbau- und Begrünungsmaßnahmen des Leipziger Zoos gab es das Schaufenster, das einen Einblick in den Leipziger Zoo bot, nicht mehr. Als mittelfristiges und langfristiges Ziel nennen die Bürger/innen den Aufbau einer Machtposition im Stadtteil, um die Belange der Bürgerschaft durchsetzen und mit vielen kleinen Teilschritten die Lebenszufriedenheit im Stadtteil verbessern zu können.

Die Kirchgemeinden engagieren sich von je her für das Gemeinwesen. Auf der Ebene der Gemeindeglieder dominieren mittelfristige und langfristige Ziele. Durch das offene soziale Engagement sollen neue Kontakte und neues Ansehen gewonnen werden. Gleichzeitig sollen die Beziehungen unter den Gemeindemitgliedern verbessert und/oder reaktiviert werden. Das Projekt bietet Möglichkeiten zum Engagement auch für Gemeindeglieder, die sich noch nicht aktiv einbringen.

Auf der Ebene der Politik soll mittel- und langfristig das demokratische Verständnis der Beteiligten gefördert werden. Demokratie braucht den kontinuierlichen Dialog und Toleranz, wenn sie lebendig werden soll. Es geht um das Erkennen der Machtstrukturen, Machtprozesse und der Gestaltungsmöglichkeiten dieser Prozesse. Alle Beteiligten lernen Strategien, um Veränderungen erfolgreich zu gestalten.