Lebendiges Community Organizing

Seite 2: Projekte

Ein Bildungsprojekt für Kinder im Stadtteil Horn

In einem räumlich relativ kleinen Quartier im Stadtgebiet Horn meldeten sich innerhalb der Bürgerplattform verstärkt Mütter zu Wort und machten auf die schwierige Situation von Familien in diesem Gebiet aufmerksam. Ein Thema, das sie dabei besonders bewegte, war die Frage der Bildung für ihre Kinder. Viele dieser Mütter sind türkischstämmig, leben aber schon seit ihrer Kindheit in Deutschland. Ihnen ist einerseits bewusst, wie wichtig eine qualifizierte Bildung für ihre Kinder sein wird, andererseits aber auch, dass sie selbst ihre Kinder nur begrenzt unterstützen können. Da das Leben in diesem Quartier zudem durch z. B. eine schwierige Wohnungssituation auf engem Raum oder durch offenen Drogenhandel zwischen den Wohnhäusern erschwert ist, war diesen Eltern ein Angebot in einem geschützten Rahmen wichtig.

ImPuls-Mitte gewann Partner, um ein Hausaufgabenhilfe-Projekt einzurichten. Nach etlichen Gesprächen und Recherchen im Stadtteil und mit der in der Siedlung liegenden Grundschule veränderte sich der Fokus des Projekts. Denn was zunächst als ein »Angebot zur Hausaufgabenhilfe« begann, entwickelte sich zu einem Bildungs- und Beteiligungsprojekt für Eltern und Kinder. Der Grundgedanke dabei war, dass die Unterstützung der Grundschulkinder nur dann nachhaltig Erfolg zeigen kann, wenn die Eltern »mit im Boot sind«. Darum wurde das Angebot so entwickelt, dass die Eltern stärker in die Begleitung der Kinder und in die Verantwortung für das Projekt mit einbezogen wurden. Zweimal in der Woche fand dieses Angebot der Bürgerplattform für Kinder zwischen 6 und 13 Jahren statt. In den Räumlichkeiten einer katholischen Kirchengemeinde, die selbst aktives Mitglied der Bürgerplattform ist, konnten die Kinder ihre Hausaufgaben mit ehrenamtlicher Unterstützung u. a. von Gemeindemitgliedern, erledigen und gemeinsam spielen. Bei den regelmäßigen Müttertreffen konnten weitere Themen besprochen und erarbeitet werden. So wurden die Mütter aktiv in die Arbeit der Plattform eingebunden und konnten ihre Anliegen immer wieder in die große ImPuls-Runde einbringen. So erzählte z. B. eine der beteiligten Mütter auf einer Versammlung der Bürgerplattform vor ca. 90 Menschen ihre persönliche Erfahrung mit der Schul- und Bildungssituation ihrer Kinder – und erlebte dabei, dass ihre Geschichte es wert ist, erzählt zu werden und dass sie mit ihren Erfahrungen nicht alleine ist. »Früher haben wir an Türen angeklopft und es wurde uns nicht aufgemacht. Durch ImPuls-Mitte sind uns die Türen geöffnet worden«, beschreibt eine muslimische Frau ihre Erfahrungen.

Kooperationen entwickeln

Durch die gemeinsame Arbeit in der Plattform lernen sich Einrichtungen und Menschen im Stadtteil kennen, die vorher nur nebeneinander her gearbeitet haben. Daraus entstehen häufig weitere Projekte, die die Beziehungen unter- und miteinander stärken. Aus einer Raumanfrage der muslimischen Frauengruppe bei einer Tageseinrichtung für Menschen mit Behinderung hat sich beispielsweise eine regelmäßige Zusammenarbeit entwickelt mit gemeinsamen Veranstaltungen und Treffen. Die muslimischen Frauen backen z. B. zusammen mit den Beschäftigten oder nehmen an Gemeindefesten einer evangelischen Kirchengemeinde teil. Durch die Vernetzung untereinander hat sich auch das »Café Ursprung« entwickelt. Hier stellt die ev.-method. Kirche ihre Räumlichkeiten der Mitgliedsgruppe »alsterdorf assistenz ost« für den Betrieb eines Cafés zur Verfügung. Das Café wird von Menschen mit Behinderung organisiert und ist zu einem beliebten Treffpunkt im Stadtteil sowie auch für die Mitglieder der Plattform geworden.

Mit neuen Themen in die Zukunft

Aktionsteam Verkehr

Abschlussbericht auf dem Quartalstreffen von ImPuls-Mitte im März 2012 (v. l. n. r.): Fatma Kestel (Muslimische Frauengruppe), Schwester Maria-Elisabeth (Kath. Gemeinde Herz-Jesu), Ilse Westermann (alsterdorf assistenz ost), Zekiye Cankaya (Muslimische Fr

Anfang des Jahres 2012 wurden neue Themen und Anliegen in den beiden Stadtteilen erkundet. Hierzu wurden verschiedene Bürgertreffen – offen für alle Interessierten – sowohl innerhalb der einzelnen Mitgliedsgruppen als auch gruppen- bzw. institutionsübergreifend durchgeführt. Daraus entwickelte sich dann im Sommer ein neues Aktionsteam zum Thema Verkehr. Anlass dafür waren Rückmeldungen von Bürger/innen, dass im Bereich einer belebten Kreuzung in Horn die Grünphase vor allem für Fußgänger mit Behinderungen und für ältere Menschen zu kurz sei. Eine ältere Anwohnerin beispielsweise hatte »Angst, diese Straße zu überqueren, weil sie es nicht bei Grün schafft und die Autos dann schon kommen«. Daraufhin erfolgten vom Aktionsteam detaillierte Recherchen, konkrete Verkehrsbeobachtungen und Befragungen von Passanten sowie eine genaue Machtanalyse, um die zuständigen Entscheidungsträger zu ermitteln. Es folgten Gespräche und Verhandlungen, unter anderem mit dem zuständigen Polizeikommissariat. Dabei konnte auf die bereits existierenden guten Kontakte zur Polizei und die Erfahrungen aus der bewährten Zusammenarbeit im Zusammenhang mit dem Thema Sicherheit aufgebaut werden. Inzwischen ist die Ampelschaltung zugunsten einer längeren Grünphase für die Fußgänger und mit einer zusätzlichen Signalanlage für Menschen mit Sehbehinderung neu geschaltet worden.