Die Radvan Nachbarschaft in der Slowakei

Seite 3: Aktionen

Endlich, nach fast eineinhalb Jahren fanden die Bürger/innen heraus, dass Shell die zukünftige Tankstelle betreiben wollte. Die Leader/Sprecher-/innen luden den Direktor von Shell Slowakei Slavomir Jankovic zu einer Diskussion über das Projekt ein. Er sagte zu und so fand an einem Sonntagnachmittag ein zweistündiges Treffen mit den Leadern/Sprecher/innen statt. Slavomir Jankovic versprach, die Bedenken ernst zu nehmen. Im Anschluss an das Treffen ignorierte er alle folgenden Briefe, Anrufe und E-Mails, die sich auf dieses Projekt bezogen.

Auch eine Tankstelle kann man blockieren ...

Mehrere Monate nach dem Gespräch mit dem Direktor von Shell gab es ein Treffen mit fünf anderen Bürgerinitiativen – alle ebenfalls von CCO unterstützt – aus anderen Teilen des Landes. Die Vertreter der anderen Gruppen beschlossen spontan, die Gruppe aus Radvan zu unterstützen. Bereits zwei Wochen später fand eine erste Protestaktion vor dem Shell Hauptquartier in Bratislava, der Hauptstadt der Slowakei, statt. Rund 30 Personen nahmen an dieser Aktion teil. Im Fokus stand der Direktor von Shell. Einen Monat später wurden in fünf slowakischen Städten, darunter auch Banska Bystrica, Proteste vor Shell-Tankstellen organisiert. Die öffentliche Botschaft richtete sich ebenfalls an den Direktor von Shell.

Einen interessanten Verlauf nahm die Kampagne, als sich der Bürgermeister im folgenden Monat einschaltete. Er berief ein Treffen mit allen Beteiligten ein, um über einen alternativen Standort für die Tankstelle nachzudenken. Er lud die lokalen Investoren, Shell und Vertreter von der Radvan Initiative ein. Zum ersten Mal nach einer fast zweijährigen Kampagne wurden die Bürger/innen als gleichwertige Gesprächspartner/innen wahrgenommen. Ein Mitglied der Gruppe, das bei dem Gespräch dabei war, resümierte: »Das ist das erste Mal seit dem Start der Kampagne vor fast zwei Jahren, dass ich Respekt erlebt habe«.

Einen Monat später entschieden Shell und die lokalen Investoren, keinen der angebotenen alternativen Standorte der Stadt zu akzeptieren und an dem geplanten Standort festzuhalten. Ein Berater aus den USA gab der Gruppe daraufhin Tipps für ein aggressiveres Vorgehen. Er schlug vor, eine Shell-Tankstelle zu blockieren. Die Leader/Sprecher/innen beschlossen, eine zweistündige Blockade an einem Freitagnachmittag, wenn Tankstellen erfahrungsgemäß hoch frequentiert werden, durchzuführen. Zwanzig Mitstreiter/innen trafen sich mit ihren Autos, fuhren zu einer lokalen Shell-Tankstelle, tankten die kleinste erlaubte Abgabemenge und prüften in aller Ruhe ca. 15 Minuten den Ölstand. Sie putzten die Windschutzscheibe, benutzten die Toilette und schauten im Tankstellen-Shop nach Dingen, die sie nicht kaufen wollten. Schließlich gingen sie zur Kasse und bezahlten ein paar Cent für den Sprit. Im Anschluss fuhren die Aktivisten ans Ende der wartenden Autoschlange und stellten sich für eine nächste Runde an. Slavomir Jankovic, der Direktor von Shell Slowakei, der die Gruppe und deren Kommunikationsversuche in den Monaten davor komplett ignoriert hatte, rief 15 Minuten nach Beginn der Aktion bei einem der Leader/Sprecher/innen an, um herauszufinden was dort vor sich ging. Die Gruppe hatte endlich einen Weg gefunden, an höchster Stelle auf sich aufmerksam zu machen. Die Gruppen nutzte diese Aktion, um zu einem Boykott von Shell aufzurufen. Die Gruppe sammelte offensiv Boykottunterschriften und wurde dabei von den anderen Initiativen in der Slowakei unterstützt. Schließlich wurde auch das CEE Citizens Network, bei der das COO Mitglied ist, auf die Aktion aufmerksam. Mitglieder des Citizens Network beteiligten sich ebenfalls an dem Boykott. Sie schickten Briefe an die nationalen Shell-Direktionen und an die Europazentrale von Shell in London.

Etwa einen Monat nach dem Boykottaufruf gab es eine öffentliche Kundgebung vor der slowakischen Shell-Zentrale in Bratislava. Es galt, den »Namenstag« von Slavomir Jankovic zu feiern. Etwa 30 Aktivisten aus der ganzen Slowakei, ausstaffiert mit Partyhüten, Tröten und den ersten 1000 unterschriebenen Boykottformularen als »Geschenk«, nahmen daran teil.