Die Radvan Nachbarschaft in der Slowakei

Seite 1: Die Organisation

Mit einer Kampagne, die zweieinhalb Jahre dauerte, haben es organisierte Bürger/innen mit kreativen Aktionen geschafft, den Bau einer Tankstelle mitten in der Stadt zu verhindern. Die neu geschaffene Bürgerorganisation ist für die politisch Verantwortlichen ein ernst zu nehmendes Gegenüber geworden für zukünftige Planungen der Stadt.

(Deutsche Überarbeitung: Wencke Lüttich)

Kampagne gegen den Bau einer Tankstelle

Die Stadt Radvan wurde von den Sozialisten Mitte der 60er Jahre im Süden der Stadt Banska Bystrica gebaut und zählt etwa 10.000 Einwohner. Im Frühjahr des Jahres 2000 fanden einige Bürger/innen heraus, dass in der Fußgängerzone ihres Stadtteils der Bau einer Tankstelle geplant wurde. Sie waren sehr unglücklich über diesen Plan und wollten sich gegen den Bau wehren. Sie wendeten sich an das Center für Community Organizing (CCO), um Unterstützung für eine Kampagne zu bekommen.

Anfangs gab es keinen strukturierten Organizing-Prozess. Einige Einzelpersonen wollten gemeinsam gegen den Bau kämpfen und gründeten eine Bürgerinitiative, der sie den Namen »O I Za dostojnu Radvan« (Bürgerinitiative für ein lebenswertes Radvan) gaben.

Die Organisation

Die Organisation wurde im Laufe der folgenden drei Jahre aufgebaut und mit zunehmenden Aktionen im Rahmen der Kampagne stieg auch die Zahl der aktiven Mitstreiter/innen. Zu Beginn gab es keine formalen Strukturen, wie z. B. eine Mitgliedschaft. Die Kampagne wurde von selbsternannten Sprecher/innen/Leadern gesteuert.

Nach etwa einem Jahr fand die Gruppe heraus, dass eine öffentliche Anhörung manipuliert werden sollte. Um dies auf dem Rechtsweg zu verhindern, musste die Gruppe aus rechtlichen Gründen einen Verein gründen. Die juristischen Personen waren die ursprünglichen Leader/Sprecher/innen der Gruppe. Später gründete der Verein aus Radvan gemeinsam mit lokalen Initiativen aus sechs weiteren Städten einen landesweiten Verein, die »Citizens in Action« (Bürger in Aktion), der dann eigene Leader/Sprecher wählte.

Rolle des Organizers und der »Leader«/Sprecher/innen

Das Center für Community Organizing (CCO) stellte finanzielle Mittel bereit, um in Radvan einen Organizer in Vollzeit anzustellen und zu begleiten. Die Situation erforderte unverzügliches Handeln, und so half der Organizer den selbsternannten Anführern der Gruppe schon zu Anfang der Kampagne, diverse Aktionen auf den Weg zu bringen. Eine Petition wurde vorbereitet und Unterschriften gegen den Bau gesammelt. Als im Stadtrat eine richtungsweisende Abstimmung auf der Tagesordnung stand, wurden die Leader/Sprecher/innen ermutigt, eine öffentliche Kundgebung vor dem Rathaus zu veranstalten und so ihre Ablehnung deutlich zu machen.

Während der Kundgebung führten einige Mitglieder der Gruppe einen Sketch auf, in dem sie sich über die Tankstelle – ausgerechnet in der Fußgängerzone – lustig machten. Die Medien wurden eingeladen, auch der Bürgermeister nahm teil. Der Organizer half den Leadern/Sprecher/innen bei allen Vorbereitungen und Planungen sowohl für den Sketch, als auch bei der Erstellung von großen Plakaten und bei der Werbung für noch mehr Kundgebungsteilnehmende. Nur die Leader/Sprecher/innen standen bei diesen Aktionen in der Öffentlichkeit, und nur sie sprachen bei der Kundgebung und mit den Medienvertretern.

Erst im Laufe der Zeit führte der Organizer persönliche Einzelgespräche/One-on-ones in der ganzen Nachbarschaft durch, um ein Gefühl für den Hintergrund des Widerstandes gegen den Bau der Tankstelle zu bekommen, neue Mitstreiter/innen zu gewinnen und weitere örtliche Probleme zu identifizieren. Der Organizer half während der lang andauernden und zum Teil sehr frustrierenden Kampagne, die Strategie immer wieder zu überarbeiten und anzupassen.

Der Organizer half mit, die Motivation während der langen Kampagne aufrechtzuerhalten und die nächsten Teilziele zu formulieren. Die Leader/Sprecher/innen führten die Treffen und Aktionen in der Öffentlichkeit alleine durch. Der harte Kern vereinbarte mit Unterstützung des Organizers regelmäßige, meist monatliche Treffen, um weiter an der Strategie zu arbeiten.