Büro für Selbstorganisation und Beteiligung

Die Qualität der Beteiligung und Selbstorganisation der Bewohner/innen kann durch den konsequenten Einsatz von CO wesentlich weiterentwickelt und verbessert werden. In Malstatt gelingt die Selbstorganisation bisher nicht organisierter Bewohner/innen eines benachteiligten Stadtteils, so dass sie sich mit ihren eigenen Interessen überhaupt einbringen können. Der Prozess wurde aus Mitteln des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) finanziert, die Stadtverwaltung begrüßt den Community Organizing Prozess ausdrücklich.

»Malstatt gemeinsam stark« (MaGS)

»Ob Kirchengemeinde, Verein oder Bürgerinitiative – jeder braucht mehr Mitstreiter, und alle müssen für Malstatt an einem Strang ziehen!» formuliert Elfriede Müller, Sprecherin der Bürgerinitiative Sauberes Molschd, die gemeinsame Motivation vieler Akteure in Malstatt, sich für den Stadtteil zu engagieren. Im Jahr 2009 haben Bewohner/innen und Organisationen aus Malstatt sich z. B. erfolgreich mit Methoden des Community Organizing für den Erhalt der Wilhelm-Meyer-Brücke eingesetzt (siehe). Die Engagement- und Partizipationsförderung hat in Malstatt aber schon länger Tradition.

Seit 1979 initiiert und unterstützt die Gemeinwesenarbeit (1) Nachbarschafts- und Bürgerinitiativen. In den Jahren 2009 bis 2011 hat die Beteiligung an der Stadtteilentwicklung eine neue Qualität erreicht. Im Projekt »Grüne Insel Kirchberg« (2) gelang es den beteiligten, acht städtischen Ämtern und Eigenbetrieben und dreizehn Organisationen aus Malstatt, die Neugestaltung des Kirchberggeländes partnerschaftlich zu planen und zu steuern. Parallel dazu hat die Stadtverwaltung der Landeshauptstadt Saarbrücken in den Jahren 2009 und 2010 ressortübergreifend und in Abstimmung mit der Gemeinwesenarbeit und weiteren Organisationen und Personen aus Malstatt erstmals ein Stadtteilentwicklungskonzept (3) für Malstatt erarbeitet. Das Stadtteilentwicklungskonzept verfolgt das Ziel, die Standortbedingungen entsprechend der lokalen Stärken und Schwächen zu verbessern. Damit gibt es aktuell eine umfassende Situationsanalyse, daraus abgeleitete Zielsetzungen und Maßnahmebeschreibungen zu verschiedenen Handlungsfeldern, die von den Akteuren in Stadtverwaltung und Stadtteil als Orientierungsrahmen anerkannt werden.

Ausgangslage und Rahmenbedingungen

Saarbrücken-Malstatt gilt als sozial benachteiligter Stadtteil. Besonders im Kern des Stadtteils, einem ehemaligen Industriearbeiter-Quartier, sind viele der rund 13.700 Bewohnerinnen und Bewohner arbeitslos und auf sozialstaatliche Unterstützung angewiesen. Mehr als 40 Prozent der Bevölkerung sind Einwanderer aus über 120 Ländern oder haben Einwanderer als Eltern. Außerdem gibt es einen überproportional hohen Anteil von Kindern und Jugendlichen, von dem fast die Hälfte in Armut aufwächst. (4) Dies alles prägt den Charakter und das Erscheinungsbild des Quartiers.

Diese Fußgängerbrücke wurde gebaut, weil sich Bewohner/innen und Organisationen in Malstatt erfolgreich, mit Methoden des Community Organizing, gegen den ersatzlosen Abriss und für einen Neubau eingesetzt hatten.

Organisation

Mit dem Projekt »Malstatt gemeinsam stark (Bottom up!)« soll ein »Qualitätssprung« im Partizipationsgeschehen in Malstatt erreicht werden. Die am Kirchberg-Projekt Beteiligten wollten ihre Partnerschaft nach Ablauf der Bundesförderung selbstorganisiert fortsetzen und die Beteiligung ausweiten. Die Stadtverwaltung will das Stadtteilentwicklungskonzept fortschreiben und Organisationen und Bewohner/innen aus Malstatt möglichst breit daran beteiligen.

Als Ansatz zur Aktivierung möglichst vieler, auch üblicherweise unbeteiligter Menschen, soll Community Organizing in Verbindung mit Social Media-Aktivitäten erprobt werden. Die Initiative zur Ausweitung der Beteiligung und zum Aufbau einer Interessenorganisation wird getragen von einem Zusammenschluss aus Stadtteil-Akteuren und Bewohner/innen »Malstatt gemeinsam stark« und von Partner/innen in der Kommunalverwaltung unterstützt. Die Initiative verfolgt dabei explizit das Ziel, mittelfristig eine selbsttragende Interessenorganisation in Malstatt aufzubauen.

Beim Aufbau der Stadtteilorganisation kommt den aktiven Gruppen und engagierten Bewohner/innen eine zentrale Rolle zu. Viele von ihnen haben bereits im Projekt »Grüne Insel Kirchberg» mitgearbeitet, das bis Ende 2011 von der Nationalen Stadtentwicklungspolitik unterstützt wurde. Sie wollen nun ihre Aktivitäten thematisch ausweiten und bei noch mehr Leuten Interesse an der Stadtteilentwicklung in Malstatt wecken. Sie tragen als Stadtteilinitiative »Malstatt gemeinsam stark (MaGS)« wesentlich zum Erfolg des Projektes bei.

Finanzierung

Das Projekt »Malstatt gemeinsam stark (Bottom up!) – Büro für Selbstorganisation und Beteiligung in Malstatt« ist ein Projekt der Landeshauptstadt Saarbrücken. Träger des Projektbüros für »Selbstorganisation und Beteiligung« und Anstellungsträger der Projektkoordinatorin/Organizerin ist das Diakonische Werk an der Saar. »Bottom up« ist ein Pilotprojekt im Rahmen der Nationalen Stadtentwicklungspolitik und wird vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) gefördert. Mit fünfzehn in den Jahren 2012 und 2013 geförderten Pilotprojekten sollen innovative und beispielhafte Handlungs- und Lösungsansätze für Bürgerbeteiligung an Planungsprozessen unterstützt und bekannt gemacht werden. Ergänzend gefördert wird das Projekt 2012 im Rahmen des Bundesprogramms »Toleranz fördern – Kompetenz stärken« durch das Mikroprojekt »Migrant/innen mischen mit« zur Einbindung von Migrantinnen und Migranten in den Prozess der Aktivierung und Selbstorganisation.

Ziele des Projekts

Die Beteiligungsprozesse im Kontext Grüne-Insel-Kirchberg und bei der Erstellung des Stadtteilentwicklungskonzeptes (StEK) sollen durch das Projekt »Malstatt gemeinsam stark (Bottom up!)« zusammengeführt, verstetigt und intensiviert werden. Dabei soll die Mitwirkung von Stadtteilakteuren und Bewohner/innen an der integrierten Stadtteilentwicklung nachhaltig gestärkt werden:

Symbol: »Tipp« (eine stilisierte Glühbirne)

Es sollen möglichst bislang nicht organisierte, eher beteiligungsferne, benachteiligte Bevölkerungsgruppen, insbesondere auch Migrantinnen und Migranten, dafür gewonnen werden, aktiv an der Gestaltung des Stadtteils mitzuwirken. Bereits aktive Einzelpersonen, Organisationen und Initiativen sollen in ihrem Engagement gestärkt werden. Durch die gemeinsame Priorisierung von Aktivitäten werden Kräfte gebündelt und die knappen zivilgesellschaftlichen Ressourcen des Stadtteils geschont. Durch den Aufbau einer Selbstorganisation schaffen die Bewohner/innen und Stadtteilakteure mittelfristig die Voraussetzung, ihre Interessen dauerhaft vertreten und organisieren zu können.

Als Ergebnis konzertierter Bürgerlobbyarbeit unter breiter Beteiligung der Bewohner/innen und relevanter Akteure im Stadtteil wird eine Stadtteilentwicklungsstrategie entworfen, die dazu beiträgt, Unterstützung durch Akteure außerhalb des Stadtteils einzuwerben und Fördermittel nach Malstatt zu holen.

In einem demokratisch anspruchsvollen Prozess soll im Verlauf des Projekts eine selbsttragende Stadtteilorganisation entstehen. Diese Organisation soll dann mit ihren demokratischen Diskussions- und Entscheidungsstrukturen dafür sorgen, dass die im Verständigungsprozess zwischen Bewohnerschaft, Politik und Verwaltungsakteuren erarbeiteten Ziele und Maßnahmen verbindlich vereinbart werden. Um die Unabhängigkeit der Bürgerorganisationen zu wahren, soll in der Projektlaufzeit geprüft werden, inwiefern unabhängige Gelder für Community Organizing erschlossen werden können.

Mit dem Pilotprojekt wird in einem lernenden Prozess eine Schnittstelle zwischen Verwaltung und lokalen Milieus aufgebaut. Es steht exemplarisch für einen Übergangsbereich zwischen Beteiligung, Aktivierung und dem Aufbau lokaler zivilgesellschaftlicher Netzwerke. Die erfolgreichen Elemente des Projektes und ihre Erfolgsfaktoren sollen identifiziert und für weitere Beteiligungsprozesse im Stadtgebiet nutzbar gemacht werden.

Der Kampf um die Wilhelm-Meyer-Brücke. Eine Aktion zum Erhalt einer Fußgängerbrücke

Ende 2007 wurde bekannt, dass der Entwurf des Haushalts der LHS Saarbrücken für 2009 den ersatzlosen Abriss einer Fußgängerbrücke zwischen Oberem und Unterem Malstatt vorsah. Zählungen des Stadtteilbüros Malstatt und des Amtes für Straßenbau ergaben, dass die Wilhelm-Meyer-Brücke an einem gewöhnlichen Werkstag rund 1.300 Mal überquert wird.
Eine Gruppe besorgter Bewohner und Bewohnerinnen ergriff Anfang 2008 mit Unterstützung des Stadtteilbüros Malstatt (im Rahmen eines laufenden  Community Organizing-Prozesses) die Initiative. Zunächst wurden Informationen eingeholt, um von der aufgeregten Verständnislosigkeit im Stadtteil zu einer nüchternen Einschätzung zu gelangen. Als nächste Schritte folgten die Organisation einer Stadtteil-Lobby für den Erhalt der Wilhelm-Meyer-Brücke und die Kontaktaufnahme zu den Vorsitzenden der Stadtratsfraktionen und den betreffenden Amtsleitungen. Dreißig Gewerbetreibende, mehr als ein Dutzend Vereine, Kirchengemeinden und Initiativen und alle in Malstatt organisierten politischen Parteien das Aktionsbündnis erklärten ihre Unterstützung für das Bündnis. Über 2.800 Bürgerinnen und Bürger haben bis Ende April einen Aufruf des Aktionsbündnisses an die Politiker und Politikerinnen im Stadtrat unterschrieben. Anlässlich einer öffentlichen Versammlung im April stellten engagierte Bewohner/innen vor 115 Anwesenden den Vertreter/innen aller im Stadtrat vertretenenFraktionen die Frage, ob sich ihre Fraktion für den Erhalt der Brücke einsetzen wird. Alle Fraktionsvertreter/innen unterschrieben öffentlich eine entsprechende Erklärung. Im September wurde der Neubau der Fußgängerbrücke im Stadtrat entschieden und in der Folgezeit insgesamt eine Million Euro investiert. Zwei Jahre später war es dann soweit: mit einem interkulturellen Fest wurde des Saarlands schönste Fußgängerbrücke ihrer Bestimmung übergeben.

Methode

Die Saarbrücker Oberbürgermeisterin stellt sich den Fragen der Stadtteilversammlung.

Zentraler methodischer Ansatz des Projektes ist die Methode des Community Organizing. CO zielt auf die systematische Einbeziehung einer möglichst großen Anzahl von Menschen auf lokaler Ebene, die gewöhnlich von politischen Prozessen ausgeschlossen sind. Dies geschieht, um positive Veränderungen im Stadtteil zu bewirken. CO folgt vier Schritten:

1. Zuhören

  • Zunächst galt es, einer möglichst großen Zahl von Menschen zuzuhören und festzustellen, was ihnen an Malstatt gefällt und was sie gerne verändern würden. Dieser sogenannte Zuhörprozess fand zwischen April und Juni 2012 statt. Über 20 Mitglieder der Stadtteilinitiativgruppe oder Vertreter/innen ihrer Organisationen haben sich als Interviewer/innen für den Zuhörprozess schulen lassen und unter dem Motto »Wir sind ganz Ohr« eine Vielzahl von Einzelgesprächen mit Nachbar/innen durchgeführt. Ergänzend wurden Befragungen mit kleinen Gruppen wie z. B. Presbyterium und Gemeinderat durchgeführt.
    Die Ergebnisse – positiv wie negativ – aus ca. 200 Gesprächen wurden von Mitgliedern der Stadtteilinitiative 45 interessierten Bürger/innen Mitte Juni in einer öffentlichen Stadtteilversammlung präsentiert. In zwei Abstimmungsschritten konnten die vier wichtigsten Themen identifiziert werden: Sauberkeit, Kultur und Feste, Plätze/Orte/Sicherheit (Schwerpunkt: Fertigstellung des Kirchberggeländes) und Verkehr (mit Schwerpunkt Radwege).

2. Nachforschen

  • In einem zweiten Schritt wurden gemeinsam mit den Betroffenen Nachforschungen durchgeführt, wie die identifizierten Probleme möglicherweise gelöst werden können. Zu den Themen wurden vier Aktionsgruppen gebildet, die konkrete Projekte entwickelten und auf ihre Realisierbarkeit hin überprüften. Sie ermittelten jeweils relevante Sachinformationen (einschließlich Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten) sowie mögliche Ansätze für Veränderungen (u. a. am Beispiel von Veränderungsprozessen andernorts). In gemeinsamen Treffen informierten sich die 30 Beteiligten gegenseitig über ihren Kenntnisstand und besprachen das weitere Vorgehen. Die Recherche schloss Konsultationen sachkundiger und verantwortlicher Dritter (z. B. in der Kommunalverwaltung) sowie Gespräche mit lokalen Politker/innen ein. Neben der konkreten Arbeit in den Aktionsgruppen ging es darum, neue Mitstreitende zu gewinnen und erste Schritte zum Aufbau nachhaltiger Strukturen der Zusammenarbeit zu machen. Eine Redaktionsgruppe aus Haupt- und Ehrenamtlichen kümmert sich um Auf- und Ausbau der Homepage (www.malstatt-gemeinsam-stark.de).

3. Problemlösen

  • Der dritte Schritt zielte nun auf die Lösung der Probleme, entweder durch Selbsthilfe oder mit Unterstützung externer Stellen (z. B. GWA, städtische Ämter, Wirtschaft, zivilgesellschaftliche Institutionen). Ende Februar 2013 lud die Stadtteilinitiative »Malstatt gemeinsam stark (MaGS)« zu einer großen Stadtteilversammlung ein. Neben allen Interessierten aus Malstatt wurden auch Partner/innen (z. B. aus der Kommunalverwaltung), die ermittelten Verantwortlichen und die Medien eingeladen. Als zentrale Ansprechperson für viele Anliegen von MaGS ging eine Einladung auch an die Oberbürgermeisterin Saarbrückens. Mit Kunstaktionen, einem Extrablatt der Stadtteilzeitung, mithilfe der Homepage und des Facebook-Auftritts wurde erfolgreich für die Versammlung geworben. Im Vorfeld der Versammlung hatten Kunstaktionen von Studierenden der örtlichen Hochschule für Bildende Künste für Aufmerksamkeit im Stadtteil gesorgt. Unter starker Anteilnahme der Stadtteilbevölkerung und örtlicher Organisationen stellte die Stadtteilinitiative ihre konkreten Maßnahmenvorschläge vor. Danach hatte die Oberbürgermeisterin Gelegenheit, verbindlich Auskunft darüber zu geben, ob, wie und bis wann die vorgeschlagenen Maßnahmen ihrer Einschätzung nach realisiert werden können. Vorgeschlagen wurden beispielsweise der verstärkte Einsatz des Ordnungsdienstes im Stadtteil und die finanzielle Sicherstellung des Stadtteilfestes. Die Initiative wird nun aufmerksam verfolgen, inwieweit die Zusagen der Stadt auch tatsächlich eingehalten werden.

4. Organisationsaufbau

  • In einem entscheidenden vierten Schritt – der zeitlich parallel zu Schritt 2 und 3 erarbeitet wird – zielt Community Organizing auf den Aufbau selbsttragender Organisationsformen. Auf diese Weise soll die Nachhaltigkeit der Projektarbeit sichergestellt werden. Bezogen auf die aktuellen Prozesse in Malstatt bedeutet dies die Weiterentwicklung und das Zusammenführen bestehender Initiativen hin zu einer gemeinschaftlich operierenden Bürgerorganisation. Der Prozess ist offen für alle Bevölkerungsgruppen und -interessen, aber mit klarem Schwerpunkt auf der besonderen Ansprache von benachteiligten Gruppen. In Malstatt arbeitet eine sogenannte Perspektivgruppe am Aufbau nachhaltiger Strukturen. Für das Jahr 2014 wird eventuell die Gründung eines Vereins angestrebt.

Zusammenarbeit mit überregionalen Kampagnen, Institutionen und Organisationen

Die fachliche Begleitung des Prozesses der Aktivierung und Selbstorganisation ist sichergestellt. Der erfahrene Organizer Paul Cromwell, Mitarbeiter der Bundesakademie für Kirche und Diakonie (BAKD), unterstützt die Mitarbeitenden des Büros für Selbstorganisation und Beteiligung, die beiden beteiligten Gemeinwesenprojekte und die engagierten Bürger/innen durch regelmäßige Beratung und Trainings.

Bundesweit fachlich vernetzt ist das Projekt über das Stadtteilbüro Malstatt und die CO-Aktivitäten im Rahmen des Forums Community Organizing – FOCO sowie über weitere, insbesondere osteuropäische Partnerorganisationen im Kontext des European Network Community Organizing – Econ. So nehmen Haupt- und Ehrenamtliche der Stadtteilinitiative im Rahmen der beiden Netzwerke an Treffen deutscher und europäischer CO-Projekte teil. (5)

Besonderheiten: Unterstützung durch Neue Soziale Medien

Eine Internet-Präsenz ergänzt den Organizingprozess. (6) Vielfältige Social Media-Aktivitäten wie etwa Facebook und Youtube unterstützen den Informations- und Meinungsaustausch zu Stadtteilentwicklungsthemen und zur Aktivierung. Für Unterhalt und Pflege der Online-Aktivitäten sollen perspektivisch die lokalen Akteure selbst die Verantwortung tragen. Entsprechende Schulungen vermitteln die erforderlichen Kompetenzen. So wurde in einem Videokurs ein erster MaGS-eigener Videoschnitt erstellt und auf YouTube eingestellt. (7)

Welch großes Potenzial im Einsatz Neuer Medien steckt, zeigt das rege Interesse, welches die Versammlung in den Sozialen Netzwerken fand. Noch am selben Abend waren Fotos der Versammlung ins Netz gestellt, die einen Tag später bereits 700-mal aufgerufen waren. Ein kurze Zeit später auf YouTube eingestelltes Video der Versammlung wurde binnen kürzester Zeit über 150-mal angeklickt. (8)

Ergänzendes Mikroprojekt: »Migrant/innen mischen mit«

Dank zusätzlicher Projektmittel aus dem Bundesprogramm »Toleranz fördern – Kompetenz stärken« konnten die Projektaktivitäten insbesondere bei der Durchführung des Zuhörprozesses durch den Einsatz kompetenter Sprachmittler, z. B. bei der Durchführung der Stadtteilversammlung, unterstützt werden. Die für den Zuhörprozess erforderlichen Materialien konnten in verschiedene Sprachen übersetzt und Einzelgespräche in verschiedenen Communities durchgeführt werden.

Erste Zwischenbewertungen

Die Projektlaufzeit liegt zu zwei Dritteln hinter uns. Einiges wurde angestoßen, viele neue Mitstreiter/innen für die Stadtteilinitiative »Malstatt gemeinsam stark« konnten gewonnen werden. Die Sicht auf Malstatt verändert sich. Insbesondere durch die Kunstaktionen hat eine visionäre Kraft Einzug in den Stadtteil gehalten. »Das neue Molschd!?«, titelte z. B. die Saarbrücker Zeitung ein paar Tage vor der Versammlung. Es gibt erste Anzeichen von Gentrifizierung in Malstatt. Stadtverordnete und Vermieter erkennen die Bemühungen der Initiative um Verbesserungen im Stadtteil und wollen diese unterstützen. Nach über 30 Jahren Lähmung, Skepsis und Depression in einem vom Umbau der Montanindustrie arg gebeutelten Stadtteil scheint Licht am Ende des Tunnels aufzuscheinen. Gleichzeitig tauchen neue Fragen auf:

  • Können wir konkret wirklich die Dinge erreichen, die wir uns vorgenommen haben?
  • Wird es uns gelingen, die Menschen bei der Stange zu halten, und weitere, einflussreiche Akteure mit ins Boot zu holen?
  • Werden wir alle mitnehmen können auf dem Weg in ein »anderes Molschd«?

Viele neue, spannende Fragen. Stay connected – www.malstatt-gemeinsam-stark.de.

Symbol: »Adresse« (ein Stift zeigt auf das Adressfeld eines Briefes)

Landeshauptstadt Saarbrücken
Amt für soziale Angelegenheiten, Sozialplanung
Kohlwaagstraße (Haus Berlin)
66104 Saarbrücken

Frank Schmitz
Tel. 0681/905-3424
frank.schmitz(at)saarbruecken.de

Homepage/Social Media: Holger Burgardt
Tel. 0681/905-3221
holger.burgardt(at)saarbruecken.de


»Malstatt gemeinsam stark (Bottom up!)«
– Büro für Selbstorganisation und Beteiligung in Malstatt
Malstatter Markt 3
66115 Saarbrücken

Koordination: Anne-Marie Marx
Tel: 0170/1583147
a.marx(at)quarternet.de


www.malstatt-gemeinsam-stark.de und Facebook

Anmerkungen

(1) Stadtteilbüro Malstatt seit 1979 in den Distrikten Unteres Malstatt und Leipziger Straße; Zukunftsarbeit Molschd (ZAM) seit 1986 im Distrikt Jenneweg.

(2) Mai 2009 bis Dezember 2011, ebenfalls gefördert im Rahmen der Nationalen Stadtentwicklungspolitik; mehr dazu siehe: www.saarbruecken.de/de/rathaus/stadtentwicklung/pilotprojekt_gruene_insel_kirchberg.

(4) Stadtteilentwicklungskonzept Unteres und Oberes Malstatt. Landeshauptstadt Saarbrücken Entwicklungsplanung. Stand Februar 2011.

(5) Nähere Informationen zu FOCO: www.fo-co.info.

Symbol: »Literaturtipp« (ein stilisiertes geöffnetes Buch)

Alinsky, Saul D. (1999): Anleitung zum Mächtigsein. Ausgewählte Schriften. Göttingen.

Bobo, Kim/Kendall, Jackie/Max, Steve (1991): Organizing for social change. A manual for activists in the 1990s. Washington.

Fehren, Oliver (2008): Wer organisiert das Gemeinwesen? Zivilgesellschaftliche Perspektiven Sozialer Arbeit als intermediäre Instanz. Berlin.

FOCO (Hrsg.) (1995): Forward to the roots. Community Organizing in den USA – Eine Perspektive für Deutschland? Brennpunkt-Dokumentation zu Selbsthilfe und Bürgerengagement Nr. 29. Aachen, Bonn.

Lüttringhaus, Maria/Richers, Hille (2003): Handbuch Aktivierende Befragung. Konzepte, Erfahrungen, Tipps für die Praxis. Stiftung Mitarbeit (Hrsg.): Bonn.

Mohrlok, Marion/Neubauer, Michaela/Neubauer, Rainer/Schönfelder, Walter (1993): Let’s organize! Gemeinwesenarbeit und Community Organization im Vergleich. München.

Penta, Leo (Hrsg.) (2007): Community Organizing. Menschen verändern ihre Stadt. Hamburg.

Trapp, Shel (1986): Basics of Organizing. You can’t build a machine without nuts and bolts. Chicago, Illinois.

Trapp, Shel (1986): Blessed be the fighters. Reflections on Organizing. Collected Essays. Chicago, Illinois.

Stadtteilentwicklungskonzept Unteres und Oberes Malstatt. Landeshauptstadt Saarbrücken Entwicklungsplanung. Stand Februar 2011.

Johanna Klatt, Franz Walter (2011): Entbehrliche der Bürgergesellschaft? Sozial Benachteiligte und Engagement. Bielefeld.


Weitere Links:

Glücksspiraleprojekt »Vom Fall zum Feld« 2007-2008

Memorandum der BAG Soziale Stadtentwicklung und Gemeinwesenarbeit »Aktivierung von Zivilgesellschaft in der Sozialen Stadt – Wissenstransfer zur Stärkung von zivilgesellschaftlichen Netzwerken und bürgerschaftlichem Engagement zur nachhaltigen Sicherung sozialer Entwicklungspolitik in benachteiligten Quartieren«